Ein „Jahr der Pflege“? Nein, ein Jahr der verpaßten Möglichkeiten!

Im Jahr 2030 wird es in Deutschland etwa eine Million mehr Pflegebedürftige geben – fünfzig Prozent mehr als heute. Ob sie in Heimen leben oder zuhause – sie brauchen täglich Hilfe. Und die kostet Geld. Wer soll das bezahlen? Diese Frage klingt hart; denn es geht hier um Menschen, die ein Recht auf einen würdigen Lebensabend haben.

Pflegebedürftigkeit – ein drängendes Problem

Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst rapide – von rund 2,1 Millionen im Jahre 2007 auf 3,4 Millionen 2030. Bis zum Jahre 2050, also in nicht einmal 40 Jahren, wird sie sich mehr als verdoppeln – auf rd. 4,5 Millionen. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt den Anstieg der Zahl älterer Menschen (ab 60 Jahre und älter) von 2005 bis 2030 auf 8,5 Millionen. Der Anteil dieser Älteren wird dann auf insgesamt 28,5 Millionen Menschen geschätzt (bei einer Gesamtbevölkerung von rd. 74 Millionen; 2050: etwa 69 Millionen). Es ist also abzusehen, daß die Pflegebedürftigkeit und damit auch die Ausgaben für die Pflege drastisch steigen werden, die von immer weniger Menschen geschultert werden müssen. Die Tendenz in den mitteleuropäischen Industriestaaten ist überall gleich: Einer sinkenden Bevölkerungszahl steht ein steigender Altersanteil gegenüber. Was so sachlich klingt, ist aber alarmierend angesichts der Befindlichkeit der Gesellschaft: Einer sinkenden sozialen Bindung steht ein steigendes soziales Anspruchsdenken – meist an den Staat  – gegenüber. Mehr als zwei Drittel der Hilfeempfänger werden derzeit noch zuhause versorgt. Fast eine Million Menschen erhalten Pflegegeld für die Betreuung ihrer Angehörigen. Weitere knapp 500.000 Menschen werden zuhause von ambulanten Pflegediensten versorgt. Etwa 700.000 Senioren befinden sich in Heimen.

Demenzkranke vergessen

Die staatliche Pflegeversicherung läßt wichtige Bereiche der Pflege außer acht – zu Lasten der Senioren und der Pflegekräfte. Dies gilt insbesondere für Demenz- oder psychisch Kranke. Sie erfordern meist einen erheblichen Pflegeaufwand, sind aber in der Pflegeversicherung kaum berücksichtigt. Der im SGB (Sozialgesetzbuch) festgelegte Pflegebedürftigkeitsbegriff ist viel zu eng und zu sehr „verrichtungsbezogen“ definiert. Die Praxis sieht anders aus.

Demenz wird bei immer mehr Menschen diagnostiziert, weil sie immer älter und damit Demenz-anfälliger werden. Demenz ist eine typische Alterskrankheit und läßt sich noch nicht wirksam behandeln. Epidemiologen schätzen die Zahl der Dementen bei den 65- bis 69-Jährigen auf heute 1 Prozent, bei den über 90-Jährigen aber bereits auf über 30 Prozent – nahezu jede(r) dritte Alte, wobei Frauen am meisten betroffen sind.

Durchaus der Problematik der steigenden Pflegeansprüche bewußt, rief die Regierung Merkel dieses Jahr zum „Jahr der Pflege“ aus. Lauthals versprach der damalige FDP-Gesundheitsminister Rösler im Dezember 2010: „Wir wollen das Jahr 2011 zum politischen Pflegejahr in der Koalition machen.“

Bis vor wenigen Tagen – wir haben immerhin schon November 2011 – wurde jedoch nichts vorgelegt, das diesem Anspruch auch nur in geringem Maße entspräche. Reden, Reden – aber keine Taten. Nun endlich hat sich die Koalition zu einem Minimalkompromiß durchgerungen:

Ab dem Jahr 2013 (!) soll eine Beitragserhöhung in der Pflegeversicherung um 0,1 Punkte (auf 2,05 %) 1 Milliarde Euro mehr pro Jahr einbringen, um die Pflege der Demenzkranken zu verbessern und damit die „sozialpolitischen Brennpunkte zu mildern“. Der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr dazu: „Die Entscheidungen (…) geben uns die Möglichkeit, daß wir den besonderen Betreuungsaufwand für die Demenzkranken endlich besser berücksichtigen können“. Als „Farce, reine Symbolpolitik“ oder als „Kapitulation vor den demographischen Herausforderungen“ bezeichnen durch die Bank die Sozialverbände des Landes das „Reförmchen“. Für die Pflegebranche bedeutet die 1 Milliarde nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

 

2,55 Euro mehr pro Tag

Rechnet man den Beschluß genauer durch, wollen also die Koalitionäre mit genau 2,55 Euro pro Tag die Versorgung Demenzkranker verbessern. Zu begrüßen ist allerdings, daß eine Eingruppierung in die Pflegeversicherung für Demenzkranke schon ab dem nächsten Jahr erleichtert werden soll.

Nach wie vor konnte sich die Regierung aber nicht dazu durchringen, zur Absicherung des zunehmenden Pflegerisikos eine verpflichtende und individualisierte Kapitalsäule zu errichten. Nur so könnte der steigende Pflegeaufwand am ehesten bewältigt werden. Bahr läßt bereits heute erkennen, daß die Kosten für Demenzkranke pro Jahr auf fast 4 Milliarden Euro steigen könnten. Es ist also  allerhöchste Zeit zum Handeln.

Sonst droht aus dem Pflegenotstand ein Gesellschaftsnotstand zu werden – und aus dem „Pflegejahr“ ein vertanes Jahr.

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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