In memoriam Norbert Walter

Einer der großen konservativen Ökonomen unseres Landes, Prof. Dr. Norbert Walter, verstarb  plötzlich und unerwartet am 31. August 2012 im Alter von 67 Jahren (am 23. September wäre er 68 J. alt geworden).

Norbert Walter war ein in Wirtschaft und Gesellschaft stets gesuchter und geschätzter Gesprächspartner und ein hochangesehener Wissenschaftler. Mit seinen fundierten Analysen und seinen stets engagiert vorgetragenen Standpunkten setzte er in der medialen nationalen und internationalen Öffentlichkeit stets neue Akzente. Bequem war er nie. Seine oft düsteren Prognosen paßten vielen etablierten Politikern nicht – was Walter nicht störte; denn der streitbare Ökonom behielt meistens recht. Irrte er sich, gab er das aber bereitwillig zu.

Als einer der ersten sagte Walter im Jahre 2009 einen Konjunktureinbrauch in Folge der weltweiten Finanzkrise voraus. „Die Bankvolkswirte, der Sachverständigenrat der Regierung und die Regierung selbst – alle haben die Dramatik am Anfang völlig verschlafen“. Mit solchen Bemerkungen verschaffte sich Walter nicht nur Freunde, wurde aber durch die Entwicklung bestätigt.

Er genoß seinen Ruf, sich von niemandem den Mund verbieten zu lassen. Geprägt von einem gläubigen Elternhaus, sei er schon als Ältestes von fünf Kindern „sehr streng“ gewesen, heißt es in seiner Umgebung. Seine Kraft schöpfte er aus seiner tiefen, aber nie aufdringlichen Gläubigkeit in der katholischen Kirche. Sie gab ihm Mut und Selbstsicherheit, bewahrte ihn aber vor Überheblichkeit. In jeder Diskussion, auch wenn er intellektuell überlegen war, zollte er dem Gesprächspartner Respekt.

Walter war fast 20 Jahre lang Chef-Volkswirt der Deutschen Bank. Dorthin kam er vom Kieler Weltwirtschaftsinstitut als international renommierter Volkswirt, weil sein Mentor, Prof. Herbert Giersch, mit seinen Prognosen nicht einverstanden war. Walter hatte (1975) eine Wirtschaftsentwicklung von minus vier Prozent vorhergesagt, während seine Kollegen, einschließlich des Leiters des Institutes, Giersch, von einem „Null-Wachstum“ ausgingen. Schließlich überwarf sich Giersch mit Walter, was dieser wiederum in seiner gefürchteten Art kommentierte: „Sie können mich rausschmeißen, aber Sie können mir nicht den Mund verbieten.“ Er ging zunächst als Professor in die USA, folgte dann (1987) dem Ruf des damaligen Vorstandsvorsitzenden des Geldinstitutes, Alfred Herrhausen, zur Deutschen Bank nach Frankfurt, und wurde 1990 deren Chef-Ökonom – eine Position, die er nahezu 20 Jahre innehatte, womit er zum „zweiten Gesicht der Deutschen Bank“ wurde, zu einer Institution an sich.

Dem bekennenden konservativen Katholiken Walter waren dabei stets auch Werte und Ethik in der Wirtschaft Richtschnur, zu denen er sich öffentlich bekannte, was für Spitzenleute in der Wirtschaft nicht (mehr) gewöhnlich ist. Walter plädierte – mangels eines anderen passenden Wortes – für „ökonomische Aufrechtheit“ (aus dem englischen „honesty“). Marktwirtschaft, Ethik und Moral waren für ihn keine Gegensätze. „Aufrechtheit“ war für ihn der Gegenpol zu „Exzessen“. Walter nahm die am Arbeitsprozeß beteiligten Menschen – und damit auch die Unternehmer – in Schutz: Menschen seien Partner, egal in welcher Funktion, in der Arbeitswelt, in Ehen, in Freundschaften, in der Hilfe zu Kranken und Alten etc.

„Der Bezug zu Gott gibt mir im hektischen Tagesgeschäft eine innere Verankerung. Ich schöpfe Ruhe und Kraft daraus gerade, wenn es ´mal nicht so gut läuft.“ Solche Sätze hörten Freunde bei Walter öfter. Daß er ursprünglich Priester werden wollte, wissen nur wenige. Das verlieh ihm aber auch die Kraft, über seinen Glauben zu sprechen, und habe ihn – wie er sagt – an der Scheu gehindert, darüber zu reden, da er niemanden belästigen wollte.

 

Norbert Walter war ein Meister der Ironie – ohne zu verletzen – und auch der Selbstironie. Sein Bekenntnis zum Glauben pflegte er mit einem Satz zu begleiten: „Meine Frau hat gesagt: So brav bist Du nicht.“ Auch in der Politik konnten wir früh seine Stärke erfahren. Walter engagierte sich als junger Mensch in der (Jungen) Union. Wann immer wir ihn einluden, er kam und diskutierte mit uns – ohne Honorar. Gefragt, wie hoch seine Honorarforderung sei,  antwortete er, der damals unserer Altersgruppe angehörte, schelmisch grinsend: „Warum fragst Du mich nach meinem Honorar? Ich weiß doch, daß Ihr kein Geld habt.“ Sprach´s – und fesselte uns mit einer fulminanten Rede. Er lieferte gern noch ein Beispiel für seine feine Selbst-Ironie: „Ich bin klein, schwarz und stark!“ Ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein war ihm zu eigen, ohne daß es aufdringlich wirkte.

Und noch ein Beispiel seiner Ironie und Abgeklärtheit: Als in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem Einfluß der „68er“ sich auch in der (Jungen) Union gewisse „Linkstendenzen“ breitmachten und z. B. das „jugoslawische Modell“ – der „Dritte Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus“ – gefeiert wurde, beruhigte Walter (im gleichen Alter wie wir) die nervös gewordenen konservativen Jung-Unionisten mit den Worten: „Wartet´s nur ab, die werden auch noch erwachsen!“ Zur heiteren Genugtuung Walters wollen heute die damaligen Reformer –  nun gutbürgerlich im feinen Häuschen mit gepflegtem Vorgarten lebend – von ihren ehemaligen Wirrungen nichts mehr wissen.

Es gehört zu den großen Versäumnissen der Union, Norbert Walter nicht stärker in die Programmatik der Partei eingebunden zu haben. Merkel wird wissen, warum. Wir Konservativen aber haben einen großen Freund und Streiter verloren.

Peter Helmes

(ehem. langjähriger JU-Bundesgeschäftsführer)

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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