Mein erstes Parteibuch

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Von Thomas Böhm

Ich gestehe. Ich war mal ein Linker. Als Jugendlicher, in meiner Trotzphase. Und was für einer. Ein echter Linksaußen, wie viele aus meiner Generation, die von den großen Brüdern der ´68er den Kopf gewaschen bekommen hatten.

Ich hatte gerade meine letzten Pubertätspickel ausgedrückt, als ich stolz mein erstes Parteibuch der Deutschen Kommunistischen Partei auf das Schülerpult knallte und unsere Lehrerin herausfordernd angrinste.

Die alte Dame war erbost, hatte sie doch auch noch ein Parteibuch, das zu meinem so überhaupt nicht passen wollte: Ein Parteibuch der NSDAP. Sie durfte es nicht zeigen, aber sie trug es in ihrer Handtasche mit sich herum, wie viele andere “Restbestände” der Nazis, die in unserer Schule Unterschlupf erhalten hatten. Das hatte ich beim Schnüffeln im Lehrerzimmer herausgefunden.

Da diese Lehrerin allerding in der stärkeren Position war, verlangte sie von mir, das Parteibuch in den Mülleimer zu schmeißen. Weil das aber so schön rot war und so köstlich nach Arbeitereinheitsfront roch, verweigerte ich diesen Befehl und wurde dafür mit einem Schlüsselbundwurf bestraft.

Ein guter Wurf und ein schwerer Schlüsselbund, typisch für Lehrer. Aber er traf mich lediglich am Ohr. Trotzdem fiel ich vom Hocker und stellte mich mausetot. Der Notfallarzt kam, die Lehrerin ging und kam nicht wieder. Sie wurde vom Schuldienst suspendiert.

Mir klingelten zwar immer noch die Ohren, aber ich hatte meinen ersten politischen Sieg errungen, Völker höret die Signale.

Der zweite folgte dann zugleich. Ich war vom Bezirksvorsitzenden der DKP dazu verdonnert worden, vor einer Süßwarenfabrik Flugblätter zu verteilen. Von wegen „Der Schokoladenosterhase gehört dem Volk“ und „DDR ist süß, BRD ist bitter“. Die Arbeiter, die von der Nachtschicht so schnell wie möglich nach Hause wollten, schauten mich müde und mitleidig an, als ob ich ein Mauersegler wäre und vor kurzem rübergemacht hätte.

Aber das war mir egal. Die Gehirnschale vollgestopft mit Büchern von Marx, Engels, Lenin und Mao, versperrte ich den armen Arbeitern weiterhin den Weg in den Feierabend, bis mir einer vom Wachpersonal den Mund mit Pralinen stopfte.

Von da an war ich jeden Tag um die gleiche Zeit am selben Ort und ließ mich füttern, bis der Wachmann wegen Veruntreuung gefeuert wurde.

Was war ich stolz auf diesen Sieg. Hatte ich den armen ausgebeuteten Proletarier doch vom Joch befreit und gleichzeitig dem Fabrikbesitzer und Ausbeuter zu Gunsten des eigenen Übergewichts um einen nicht unerheblichen Teil seiner Beute erleichtern können.

So ging es munter weiter im politischen Kampf. Als Genosse „Eintrittsgeld“ verwaltete ich die Konzertkassen, wenn die Gruppe „Floh de Cologne“ auf Einladung des Bezirksvorsitzenden der DKP unsere Vereinskneipen zum Bersten brachte, und als Praktikant im Archiv der Zeitschrift „Konkret“ durfte ich sogar die Bekanntschaft mit einigen radikalen Zeitgenossinnen machen, die später in den Untergrund gingen. Was mir aber wegen meiner Klaustrophobie nicht so sehr behagte.

Es war eine wilde, aufregende aber auch anstrengende Zeit. Von Berufsverboten bedroht und als Andersdenkende wie Aussätzige behandelt, gab es für uns Linke leider auch immer wieder zusätzlich Ärger in den eigenen Reihen. Wie Pilze schossen konkurrierende Organisationen aus dem Boden und machten einem den Widerstand schwer. Marxisten, Leninisten, Maoisten, Trotzkisten – einer kommunistischer als die andere. Aber trotz permanenter Spaltungsversuche gelang vielen Wortführern schließlich der Marsch durch die Institutionen, erst die wirtschaftliche Karriereleiter, dann die politische Himmelsleiter rauf bis ganz nach oben, nach Wolkenkuckucksheim.

Ich blieb an einer der untersten Sprossen hängen, denn meine kapitalistischen Gene mussten mir ausgerechnet zu einem Zeitpunkt einen Streich spielen, an dem ich als Funktionär ebenfalls ganz hoch hinaus hätte kommen können.

Warum musste ich mich als Schulsprecher auch unbedingt für die Aufstellung eines Coca-Cola-Automaten in der Kantine stark machen! Mit meiner Zuckerlust hatte ich mich für meine Genossen mit dem Inbegriff des amerikanischen Imperialismus verbrüdert. Verrat, Verrat!

Der Rauswurf aus der Partei ließ nicht lange auf sich warten, und so verlor ich meinen ersten Parteiausweis, so schnell konnte ich gar nicht die geballte Faust lösen.

Meine Trotzphase habe ich allerdings noch immer nicht überwunden und leiste weiterhin politischen Widerstand. Heute aber mehr gegen meine einstigen Genossen, die jetzt alle fett gefressen dem persönlichen Wohlstand, dem politischen Rückwärtsgang und geistigen Stillstand frönen und dabei heuchlerisch gegen den Kapitalismus wettern.

Und Andersdenkende wie Aussätzige behandeln.

Über conservo

ÜBER MICH, CONSERVO Liebe Leser, dieser Blog ist ein besonderer Blog. Er wurde 2010 von Peter Helmes gegründet, und ich führe ihn seit dem 1.11.2020 in seinem Sinne fort. Dieser Blog ist konservativ, er ist christlich, und er ist abendländisch. Allein das macht ihn in den diesen unruhigen Zeiten zu einem Exoten. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12) Heute steht alles auf dem Kopf. Was früher noch galt, gilt heute nicht mehr. Grenzen wurden aufgehoben, Geschlechter abgeschafft, die traditionelle Familie ist unter Dauerbeschuss, wer am meisten Minderheitenmerkmale auf sich vereint, darf – zumindest in Deutschland – fordern, was er will. Das Christentum steht weltweit mit dem Rücken zur Wand. Lau sind sie geworden – die Christen hier im Lande, aber auch die orientalischen Christen, die sich nach der Flucht aus dem Orient hier ein neues Leben aufbauen konnten, und dennoch angesichts der Islamisierung schweigen. Finanzstarke und einflussreiche Interessengruppen unter Klaus Schwab, Bill Gates, George Soros u.v.m. setzen weltweit den Great Reset mit seiner neofeudalistischen Ökodiktatur mittels Massenmigration, Globalisierung, Plandemien und mit Hilfe gekaufter Politiker, Journalisten und „Sozialen“ Medien gegen die Interessen der Völker mit nie gekannter Brutalität durch. Die geistige und seelische Not der Menschen steigert sich tagtäglich inmitten dieser finsteren Zeit. Gerade westliche Menschen scheinen jeglichen Halt, Glauben und ihre natürliche Wehrhaftigkeit verloren zu haben. Jeder wird im Leben auf seinen Platz gestellt. Jedes Volk hat sein Schicksal und muss es in seinem eigenen Land bewältigen. Migration und der entgrenzte Einheitsmensch sind nicht unsere Bestimmung. Dennoch wird erneut versucht, dem Menschen als freiem und göttlichem Wesen unter Tarnworten wie „Solidarität“, „Vielfalt“ und „Humanität“ die teuflische Gleichheitslehre des Kommunismus aufzuerlegen. Dies ist wider die Natur und wider jedes menschliche und göttliche Gesetz. „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.“ (Luk, 1 - 3) Dank Peter Helmes analysieren langjährige, hervorragende Kolumnisten, basierend auf christlichen Werten, in aller Klarheit das heutige Tohuwabohu aus verschiedensten Blickwinkeln: Die Geißel der Globalisierung, geostrategische Interessen, die Massenmigration und importierte Gewalt, das Versagen der Politiker und der Verlust unserer Werte, Kultur und Heimat. Die Kolumnen wie auch die Diskussionen sind offen, respektvoll und tabufrei; denn nur so kann man die drängenden Themen der Zeit in der Tiefe analysieren, Machtstrukturen herausarbeiten und Roß und Reiter benennen. Nur so können wir uns auf uns selbst und unsere Stärken rückbesinnen und Deutschland, unsere Heimat, verteidigen. „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh, 32 – 33) Nochmal: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Deshalb sind unsere westlichen Wurzeln, Werte und unser Glauben nötiger denn je. Sie geben uns den Rückhalt, um aufzustehen und zu sagen: „Nein. Bis hierher und nicht weiter. Es ist jetzt genug!“ Wie schon Peter, lade ich Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren und zu kritisieren. Eine kleine Regel muss ich leider einbauen. Unterschiedliche Ansichten können durchaus in aller Härte debattiert werden. 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