25 Jahre „Wendejahr“

1 DDRDie Gewendeten feiern – oft die Falschen

von Peter Helmes

Noch bis wenige Tage vor dem Fall der „Mauer“ appellierten führende Politiker, besonders aus den Reihen der Sozis, an unsere friedenspolitische Verantwortung, doch endlich „das Gefasel von der Wiedervereinigung“ (Bahr) einzustellen. Selbst die CDU war nicht frei von solchen Infektionen. Heute aber – 25 Jahre nachdem sich die „Brüder und Schwestern von drüben“ durch einen friedlichen Aufstand selbst befreit hatten – heute will´s jeder gewesen sein. Mit geschwollener Brust behaupten sie, daß nun „zusammengewachsen sei, was schon immer“ zusammengehörte. Oha, die gesamte politische Kaste des Westens – Vorkämpfer für die deutsche Einheit!

Wandel durch Anbiederung

Ich erinnere mich aber noch sehr gut an die Vorwürfe – auch an mich selbst, „Kalter Krieger“ zu sein, weil wir (einige wenige) an der Einheit der Nation festhielten. Ach, „wir“ – wer war das denn? „Versprengte Konservative“, „Ewig Gestrige“, „Realitätsferne“ – eben Kalte Krieger. Selbst weite Teile der Jungen Union und der CDU waren dem „Appeasement“-Geschwätz eines Egon Bahr aufgesessen. Eben nicht nur Lafontaine und Genossen. Der Anerkennung der „DDR“ folgte logischerweise auch die Anerkennung des „Faktums“ der Existenz zweier unabhängiger deutscher Staaten. Und mit Stolz! Denn dieser zweite deutsche Staat nahm immerhin den zehnten oder elften Platz beim Ranking der bedeutendsten Industrienationen ein. Ja, wir Deutschen konnten stolz auf zwei deutsche Staaten sein! Wir erobern die Welt! Äh, das sagte zwar niemand – doch wie´s dadrin aussah, ging niemanden ´was an.

Nun liegen alle diese Alt- bzw. Neu-Nationalen, diese eigentlich „schon-immer-einig-Vaterland-Gesellen“ – wenn dieses Vaterland nur recht hübsch sozialistisch wäre – in der Kurve. Das mit der „zehnt- oder elftgrößten Industrienation“ war wohl nix, und das mit dem „sozialistischen Vaterland“ war auch nix. Also Jungs, Ei drüberschlagen, Füße stillhalten und feiern! Man darf dem „defensor fidei sozialismi“, dem hochverehrten Genossen Egon (Bahr), dem Chefideologen der SPD, nicht sein Grummeln vorhalten (die Menschen in der DDR bräuchten „kein Gerede über die deutsche Frage“), zumal er sich da mit seinem Namensvetter Egon (Krenz) auf einer Linie fühlen durfte. Schließlich sah Bahr (bis zum Zusammenbruch der DDR) die führenden Vertreter der SED als Garanten eines Wandels durch Annäherung“. Daß er sich und den größten Teil der SPD damit zum „Wandel durch Anbiederung“ geführt hatte, will diesem alten Sturkopf bis heute nicht in denselben.

Realitätsblinde Selbstgefälligkeit

Ganz anders Erhard Eppler, ein intellektueller Sozi der „Alten Schule“ vom pietistischen Protestantenflügel. Gewiß, er war ein Eiferer, Besserwisser und Vorreiter des heutigen Bessermenschen mit der vermutlichen Überzeugung, das Paradies sei sozialistisch. Allein, in der Frage der Bewertung der Vorgänge um das Wendejahr zeigte Eppler, zu was ein guter Intellektueller fähig ist (wenn er denn ´mal die Scheuklappen wegnimmt). Er, der stets den Dialog mit den SED-Oberen forcierte und sogar ein gemeinsames „Papier“ mit ihnen ausgearbeitet hatte, ausgerechnet dieser Erhard Eppler hielt am 17. Juni 1989 – wenige Monate vor dem Mauerfall – im Deutschen Bundestag eine Rede, in der er nicht nur die Zustände in der DDR analysierte, sondern auch erkennen ließ, daß er die damalige SED-Führung für ungeeignet hielt, eine Wende zum Besseren zu schaffen. Er warf ihnen „Verweigerung von Reformen“ und „realitätsblinde Selbstgefälligkeit“ vor. Für ihn schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Paradies der Arbeiter und Bauern zusammenfallen würde.

Seine sozialistischen Genossen waren gespalten – in solche, die seiner Auffassung zuneigten, und in die anderen, die sie schroff ablehnten. Klar, daß Bahr zu den Letzteren gehörte. Alfred Dregger, der letzte wirklich tapfere Konservative der Union, zögerte nicht, ihm – seinem Erzgegner – die Hand zu schütteln und anerkennend zu bemerken: „Sie sind ein Patriot und Demokrat!“ Und viele Genossen blickten betreten zu Boden.

Herbeigeredete Helden  

Nun, da die Wiedervereinigung Realität ist, feiert die Legendenbildung fröhliche Urständ´. In der CDU sowieso („wir sind die Partei der Einheit“), auch in der SPD und der FDP. Und in West und Ost. Was in den alten Bundesländern auf die Anbiederungspolitiker zutraf, gilt auch für etliche „Wendehälse“ der untergegangenen sozialistischen Republik. Im Heidewitzka wurden aus Kommunisten Kapitalisten und zeigten den noch immer verdutzten „Bürgerrechtlern“, was eine Harke ist. Heute genießen viele der alten SED-Kader fette Pfründen oder dicke Pensionen, während ein Teil der ehemaligen (wahren) Widerstandskämpfer und „Zonenflüchtlinge“ um ihre Rechte und ihre Rentenansprüche betrogen wurden. Das ist Zynismus pur!

Schwamm drüber! Interessanter ist schon zu beobachten, wer international auf den Vereinigungszug aufspringt. Da fallen Aller Augen vor allem auf Ungarn, wo die „Grenzöffnung“ erst möglich gemacht wurde. Und wie in Deutschland, stellen sich auch dort plötzlich die alten Genossen an die Spitze der Bewegung:

Historische Wahrheit verfälscht

Zugunsten ehemaliger Funktionäre wird dann ´mal locker die Wahrheit verfälscht. Wahr ist: Die ungarische Grenzöffnung war nicht etwa von Außenminister Gyula Horn, der auf allen Photos an der Staatsgrenze posierte, sondern vom damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Miklos Németh ermöglicht worden. Der aber war an diesem historischen Tag verhindert, zur Grenze zu kommen, so daß Gyula Horn überall als „Öffner“ in Erscheinung trat und sich als Befreier feiern ließ. Heute wird (nur zu gerne) verschwiegen, daß Horn ein in der Wolle gefärbter Altkommunist war. Er gehörte weiland zum kommunistischen Kampfverband „Arbeiterwache“ und war an der Niederschlagung des „Ungarischen Aufstandes“ 1956, der von den Sowjets brutal niedergewalzt worden war, beteiligt.

Zu den ehemaligen Freiheitskämpfern gehörte auch mein leider früh verstorbener Freund Gyorgy O´svath, der nach der Niederschlagung des Aufstandes in den Westen floh (weil er zum Revolutionskomitee gehörte), dann bei der EU-Kommission in Brüssel eine neue Wirkungsstätte fand, aber demonstrativ seinen Wohnsitz in meiner Heimatgemeinde im Rheinland nahm, um Deutscher sein zu können. Er hatte mir schon vor Jahren die Augen über Horns Rolle geöffnet.

Ausgerechnet Horn wird – noch heute – von geschichtsblinden Menschen als „Befreier“ gefeiert! Er war aber in Wirklichkeit ein Feind von Imre Nagy („Held von Budapest 1956“) und anderen Mitstreitern des Aufstandes. Ein Opportunist mit Blut an seinen Händen! Derweil spricht von Miklos Németh kein Mensch mehr. Warum? Horn paßte sich nach der Wende an und spielte weiterhin eine große Rolle in der ungarischen Politik, während der ehemalige Kommunist Németh nach der Wende aus Anstand aus der Politik austrat und seine sozialistischen Irrtümer einräumte. Den Anständigen bestraft die Geschichte.

 

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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2 Antworten zu 25 Jahre „Wendejahr“

  1. hansberndulrich schreibt:

    Eine hübsche Zitatensammlung der rot-grünen Genossen aus jener Zeit findet sich hier:
    http://www.focus.de/politik/deutschland/10-jahre-einheit-und150-wendehaelse-illusion-nicht-vision_aid_185563.html
    Daraus eine kleine Auswahl:
    JOHANNES RAU
    Der frühere Ministerpräsident forderte am 18. November 1989 beim Parteitag der NRW-SPD in Köln:
    Eine Beendigung der abstrakten Debatte über die Wiedervereinigung“
    am 30. November 1989 in der „Süddeutschen Zeitung“
    Wiedervereinigung wäre eine Rückkehr zum Alten. Jetzt wird aber ein Zukunftsmodell gebraucht.“

    JOSEF (JOSCHKA) FISCHER
    als grüner Fraktionschef in Hessen, 27.7.1989 im „Bunte“-Interview
    Ein wiedervereinigtes Deutschland wäre für unsere Nachbarn . . . nicht akzeptabel. Das Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz wäre in seiner Konsequenz ein Unglück für das deutsche Volk. Ich kann mir nicht vorstellen, welchen Vorteil die Deutschen aus einer Wiedervereinigung hätten . . .“

    WILLY BRANDT
    als SPD-Ehrenvorsitzender, 15.9.1988, „Frankfurter Rundschau“-
    Die Hoffnung auf Wiedervereinigung wurde geradezu zur Lebenslüge der zweiten deutschen Republik.“

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