Christentum und Demokratisierung in China

Von You Xie *)

You Xie

You Xie

Ich bin immer der Meinung, dass das Christentum eine der wichtigsten Rollen bei der Demokratisierung spielt und für eine bürgernahe Gesellschaft sehr wichtig ist.

„Ein Land, zwei System“ ?

Es gilt für Hong Kong seit dem Übergang von britischer unter chinesische Kontrolle das Motto „Ein Land, zwei Systeme“. Die Wähler haben aber nur begrenzten Einfluss auf die Zusammensetzung ihrer Verwaltung. Auch bei den für 2017 angekündigten Wahlen will Peking die Zulassung der Kandidaten kontrollieren.

„Occupy Central with Love and Peace“ (OCLP) ist eine gewaltfreie Protestbewegung für freies Wahlrecht in Hong Kong seit Januar 2013. Die Kampagne wurde initiiert von Benny Tai Yiu-Ting, ein Jurist und Professor der Hongkong Universität. Er fordert auf, dass die Wahlen für 2017 nach dem „internationalen Standard“ erfolgen sollten.

OCLP fordert von der Regierung Hong Kongs und der zentralen Volksregierung in Peking die vollständige Umsetzung des freien Wahlrechts laut Artikel 45 des Hongkonger Grundgesetzes auf. Mit einem starken Votum haben die Hongkonger demokratische Reformen von der kommunistischen Führung in Peking eingefordert. Die große Resonanz mit einem Fünftel der Wahlberechtigten der Sieben-Millionen-Metropole überraschte selbst die Organisatoren — Benny Tai, Yiu-ming Chu (Pastor) und Chien-min Chen (Soziologe).Die Unterstützung war größer als sie erwartet hatten. Die chinesische Staatsführung verurteilte dagegen die Abstimmung als illegal und ungültig. Die Hongkonger haben eindeutig ihre Enttäuschung gegenüber Peking zum Ausdruck gebracht.

Deshalb organisierte die Gruppe die Massendemonstration am 1. Juli 2014, zur Aufforderung, dass die Hongkonger die Kandidaten für die nächste Wahl ihres Regierungschefs 2017 selbst nominieren und frei wählen können. Im Zentrum des Streits zwischen den Aktivisten und der Führung in Peking steht der Wahlmodus des Hongkonger Regierungschefs, der 2017 neu gewählt wird. Die Hongkonger Demokratiebewegung fordert die freie Nominierung der Kandidaten. Laut der chinesischen Regierung stimmt diese Forderung aber nicht mit dem Grundgesetz für die Sonderverwaltungszone überein. Sie will die Kandidaten vor der Direktwahl nicht öffentlich, sondern durch ein „repräsentatives Komitee“ aufstellen. Ohnehin behält sich die Zentralregierung in Peking das Recht vor, die Wahl des Hongkonger Regierungschefs am Ende zu billigen, bevor er sein Amt antreten darf.

Seit der Rückgabe 1997 an China genießt Hongkong nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ zwar weitreichende Autonomie, aber nur begrenzte Demokratie. Nur die Hälfte der Abgeordneten des Parlaments sind direkt gewählt, während der Rest von Standesorganisationen bestimmt wird, die Peking wohl gesonnen sind. Bisher wurde der Regierungschef nur von einem Wahlkomitee bestimmt, das den Vorgaben der kommunistischen Führung in Peking folgt.

Warum können die Proteste gerade in Hongkong entstehen?

Als Sonderverwaltungszone genießt Hongkong bislang Teilautonomie mit Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die chinesische Führung hatte den Hongkongern zudem zugesagt, ihren Regierungschef 2017 erstmals frei wählen zu dürfen. Das wird von Peking aber mittlerweile infrage gestellt. Die Angst wächst, Peking werde auch künftig den Regierungschef nominieren.

In Hongkong wird fast jede Religion praktiziert. In der chinesischen Bevölkerung dominieren die buddhistische und die konfuzianistische Weltanschauung. Chinesen sind meistens ethnisch. In Hong Kong leben ca. 670.000 (katholische und evangelische) Christen , wovon 360.000 christliche Chinesen sind. Nach 1997 führen die Kirchen weiterhin ihre pastoralen, schulischen und sozialen Aufgaben fort. Etwa 60% der sozialen Einrichtungen sind in kirchlicher Trägerschaft, 40% der Schulen und 20% der Krankenhäuser.

Buddhisten, Konfuzianisten und Taoisten schauen nach innen, dagegen schauen Christen nach außen. Christen tragen soziale Verantwortungen. Alle drei Organisatoren — Benny Tai, Yiu-ming Chu und Chien-min Chen sind Christen. Sie kümmern sich um ihre soziale Gerechtigkeit. Die Initiatoren der Protestbewegung haben den Wunsch, dass das Gedankengut für Freiheit, Demokratie, Rechtstaat, Gerechtigkeit und Menschenrecht in Hong Kong weiter bewahrt wird.

23 Millionen Christen in China

Die chinesische Akademie der Sozialwissenschaften veröffentlichte 2010 das Blue Book: 23 Millionen (23.050.000) Christen in China. Ob diese Zahlen genau und zuverlässig sind, können wir überhaupt nicht prüfen. Aber die wissenschaftlichen Arbeiten versichern uns glaubwürdig, dass das Christentum in China sich immer schneller verbreitet.

Schon seit Jahrzehnten interessiere ich mich dafür, welche Auswirkungen das Christentum auf die chinesische Politik hat. Ich denke, diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der Forderung nach einer bürgernahen Demokratie in China. Die Beziehung zwischen Religion und Politik ist eine natürliche Verbindung. Durch die Änderungen in den letzten 30 Jahren in China haben wir viele Dinge gesehen.

Warum die Zahl der Christen sehr wichtig? Über diese wichtige Zahl erkennen wir den Anteil der religiösen Bevölkerung.

Politisch und soziologisch gesehen wirkt sich die Religion, wenn mehr als 5% der Bevölkerung des Landes sie praktizieren, großen Einfluss auf der politischen Ebene aus.

Wir betrachten die Ergebnisse. Wenn Christen mehr als 5% der Bevölkerung, sogar 7% oder sogar 10% ausmachen, wird das Verhalten der lokalen Regierung verändert. Die Richtlinie, eine Hauskirche zu genehmigen, erteilt dann die lokale Regierung. Die Regierung genehmigt auch den Kirchenbau.

Unter 5% ist allerdings eine Unterdrückung der lokalen Hauskirchen sehr mächtig. Das Christentum ist für China eine fremde Religion, und hat es auch schwer, einen festen Platz in China zu gewinnen, weil die traditionelle chinesische Kultur dies blockiert. Das sehen wir auch in Taiwan. Da gibt es Freiheit des religiösen Glaubens, aber die christliche Bevölkerung macht nur 3% der Gesamtbevölkerung aus. Hong Kong ist anders, weil es britische Kronkolonie war.

Wie gut die Entwicklung des Christentums in China ist, hängt nicht nur von der Politik der Regierung ab, sondern auch von der Hauskirche selbst.

Meine Untersuchung zeigt: Christen bewirken eine Transformation der Organisationsstruktur der Gesellschaft in China. Das Christentum spielt eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von öffentlichen Dienstleistungen. Diese Dienstleistungen sollten eigentlich von den lokalen Regierungen erbracht werden. Aber der Regierung ist wenig an grundlegender ländlicher Kultur, Gesundheit und Bildung gelegen. Daran liegt es, dass sich eine große Anzahl von chinesischen ländlichen Bauern zum Christentum bekehren. Ein wichtiger Grund ist die soziale Sicherheit, die es ihnen bietet. Ob die Bauern wirklich an den Herrn glauben, das weiß ich nicht, aber ich kann sagen, sie brauchen soziale Dienste.

Hauskirchen ändern jedoch die Werte, soziale Organisationsstruktur und Politik. Wenn die Zahl der Christen in China über 100 Mio. übersteigt, dann bilden sie eine große moralische und geistige Kraft. Diese Kraft ermutigt Chinesen in China, sich in der Gesellschaft und in der Politik zu engagieren, so rückt eine bürgernahe Demokratie immer näher.

*) You Xie ist ein bedeutender chinesischer Schriftsteller. Er kam vor rund 20 Jahren nach Deutschland, um hier Deutsch zu studieren. Die chinesischen Behörden verweigern ihm seitdem wegen seiner regimekritischen Artikel die Wiedereinreise. Er lebt in Bamberg, betreibt dort einen China-Imbiß, ist weiterhin schriftstellerisch tätig und CSU-Stadtrat zu Bamberg.

www.conservo.wordpress.com

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten in meinen Emails sowie auf den Seiten der „sozialen Medien“ und mache mir diese Inhalte nicht zueigen. *****
Dieser Beitrag wurde unter Außenpolitik, CSU, Dritte Welt, Kirche, Kultur, Medien, Politik, Weltpolitik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Christentum und Demokratisierung in China

  1. regentraum schreibt:

    Hat dies auf kantodeaschrift rebloggt.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.