Naomi Klein: Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima

Eine Buchbesprechung von Wolfgang Thüne *)

Dr. Wolfgang Thüne

Dr. Wolfgang Thüne

Es ist ein umfangreiches und aufregendes Buch. Seine Autorin wird als eine der „profiliertesten Intellektuellen“ unserer Zeit bezeichnet. Dabei gesteht sie zum Klimawandel in der Einleitung, dass ihr das „wissenschaftliche Drumherum“ zu kompliziert war. Wissenschaftlerin sei sie auch nicht, nur Aktivistin. Sie habe ein gutes Rechercheteam engagiert, so dass sie frei heraus ihren Gefühlen Lauf lassen konnte. Dies zeigte sie auch am Ende des Buches, als sie Alexis Tsipras, den griechischen Regierungspräsidenten, als einen „der wenigen Hoffnungsträger in einem von Austerität verwüsteten Europa“ bezeichnete.

Das Buch dreht sich um zwei Kontrahenten: Da ist einerseits der Klimawandel, der zur Existenzkrise für die menschliche Spezies geworden sei. Da ist andererseits der Kapitalismus als herrschende Ideologie, der jedwede kollektive Antwort auf den Klimawandel systematisch sabotiert habe. „Unser Wirtschaftssystem und unser Planetensystem befinden sich miteinander im Krieg.“ Klein sieht den Klimawandel als Kampf zwischen dem Kapitalismus und der Erde. Diesen Kampf könne die Erde nur gewinnen, wenn radikale Veränderungen auf gesellschaftlicher, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene vorgenommen werden. Der Klimawandel sei ein Weckruf an die Zivilisation, überbracht in der Sprache von „Feuern, Überschwemmungen, Dürren und Artensterben“. Daher müsse der Kapitalismus radikal zerstört werden. Dies ihr Credo.

Das Kommunistische Manifest von Marx und Engels von 1848 ist Fundament für Naomi Klein. Sie fordert einen „grünen Kommunitarismus“. Zuerst werden alle Klimawandel-Leugner ab gewatscht. Ihre Gender-Damen haben wohl schlecht recherchiert. Es waren die „Klimaexperten“, die ein paradiesisches Klimagleichgewicht priesen, bis mit James Watt die Dampfmaschine die Industrialisierung brachte und die Verfeuerung fossiler Brennstoffe begann. Erst nachdem sie dieses Märchen nicht halten und den ewigen Klimawandel nicht mehr leugnen konnten, entdeckten sie den Klimawandel, um ihn zur Existenzkrise für die Menschheit hochzustilisieren. Die Ursache für den Klimawandel kann man der Genesis entnehmen. Als erstes nach dem Befehl „Es werde Licht“, wurde mit der Trennung von Licht und Finsternis die Erde in Rotation versetzt, um die Energie der Sonne gleichmäßig über die Erde zu verteilen. Klimawandel ist Neigungswandel, der ständige Wechsel des Neigungswinkels der Sonnenstrahlen auf der sich drehenden Erde. Dass die Tropenzonen gegenüber den Polen mehr Sonnenenergie bekommen, liegt an der Kugelgestalt der Erde und ist kein Akt der Ungerechtigkeit, der durch die Forderung nach „Klimagerechtigkeit“ beseitigt werden könnte. Klein ist Sprachrohr des Zeitgeistes. Er ist die einzige Quelle ihrer Inspiration, nicht eigenständiges Denken. Man merkt es, Naomi Klein hat Angst, eine den Verstand lähmende Existenzangst und leidet an Klima-Hypochondrie. Daher auch ihre vielen irrationalen Gedankensprünge, daher die Rundumschläge gegen ein Glaubenssystem, das kollektives Handeln verteufelt. Sie mag die liberale Individualität nicht. Mit dem Satz, „Verzweifelte Menschen ergreifen oft verzweifelte Maßnahmen“, umschreibt sie ihre eigene Situation. Sie bekennt auch, dass sie unter den „Pre-loss“, den Vorverlust leide.

Ihre „ökologische Verzweiflung“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Hoffnung sieht sie in einer internationalen Bewegung für Klimagerechtigkeit. Dies ist und bleibt eine blinde Scheinhoffnung, solange die Erde eine „runde Kugel“ und keine „platte Scheibe“ ist. Glaubt sie, mit der Ächtung und Verteufelung des CO2 der Schöpfung einen Dienst erweisen zu können? Im Gegenteil, ohne das Spurengas CO2 würden die grünen Pflanzen eingehen und nach ihnen die Tiere mangels Nahrung und Sauerstoff mitsamt dem Mensch, ihrer „Gender-Schöpfung“. Schmerzen bereitet das Kapitel „Aufbruch in eine neue Zeit“. Rückschritt ist ihre Hoffnung für die Zukunft. Sie plädiert für die globale Ausweitung revolutionärer Protest-Bewegungen wie die Divestment-Bewegungen und die Blockadia-Bewegungen, um die „Bulldozer des Kolonialismus und Kapitalismus“ zum Stillstand zu bringen. Einige Parolen: „Systemwandel statt Klimawandel“, „Gegen die Herrschaft von Oligarchien“, „Profunde und radikale wirtschaftliche Transformation“, „Abschied von der Ideologie des freien Marktes“.

Es ist ein Buch, das unverblümt zur globalen Revolution aufruft. Was daran den Vatikan interessiert, bleibt mir unverständlich. Ist es das Konzept einer egalitär armen, aber glücklichen Welt? Anders ist das beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Hier steht seit 2007 die „Große Transformation“, die Weltrevolution zwecks Errichtung einer autoritär-zentralistisch herrschenden Weltregierung auf der Agenda. Es ist ein die demokratische Weltordnung zersetzendes, ein gefährliches, weil unkritische Geister ob einer raffinierten Rhetorik leicht betörendes  Buch. Eine Lektüre kann nicht empfohlen werden.

Naomi Klein: Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima; S. Fischer, Frankfurt am M. März 2015, Seiten 699, Euro 26,99; ISBN 978-3-10-002231-8

*) Wolfgang Thüne (www.derwettermann.de), regelmäßiger Kommentator auf conservo, ist Diplom-Meteorologe und Dr. phil. Er war 16 Jahre lang „Wetterfrosch“ des ZDF.

www.conservo.wordpress.com

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Die Kolumnen wie auch die Diskussionen sind offen, respektvoll und tabufrei; denn nur so kann man die drängenden Themen der Zeit in der Tiefe analysieren, Machtstrukturen herausarbeiten und Roß und Reiter benennen. Nur so können wir uns auf uns selbst und unsere Stärken rückbesinnen und Deutschland, unsere Heimat, verteidigen. „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh, 32 – 33) Nochmal: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Deshalb sind unsere westlichen Wurzeln, Werte und unser Glauben nötiger denn je. Sie geben uns den Rückhalt, um aufzustehen und zu sagen: „Nein. Bis hierher und nicht weiter. Es ist jetzt genug!“ Wie schon Peter, lade ich Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren und zu kritisieren. Eine kleine Regel muss ich leider einbauen. Unterschiedliche Ansichten können durchaus in aller Härte debattiert werden. 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