Der dreibeinige Hund vom Bosporus

Eine Geschichte aus dem neuen Jouwatch-Satirebuch *)

von Thomas Böhm *)

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Als ich Mitte der 70er Jahre meine erste Wohnung in Neukölln bezog und dort meinen ersten Job antrat, war alles noch in Butter. Naja, die Wohnung weniger, sie hatte ein Außenklo, auf dem ich mir im Winter den Hintern abfror und der Job in den AEG-Kabelwerken, in denen ich Nacht für Nacht flüssiges PVC einatmen durfte, war auch nicht so toll. Aber das ganze Drumherum war einfach schön. Neukölln lebte und bebte. Es roch nach Kümmel und Currywurst.

In dieser Zeit lernte ich meinen ersten Türken kennen. Er hieß Ali. Ja, wirklich, er hieß Ali. Er verbrachte mit mir die Nächte in den Kabelwerken und stand mir zur Seite, als mich ein paar deutsche mit Whisky vollgepumpte Kollegen verprügeln wollten, weil ich an der Kabeltrommel einen Knoten produziert hatte.

Ali stellte sich einfach zwischen mich und die Angreifer und jagte sie zum Teufel. Anschließend nahm er seine weiße Strickmütze vom Kopf und schenke sie mir mit den Worten: „Ab sofort bist du ein Türke und stehst unter meiner Obhut.“

Gesagt, getan. In den nächsten Wochen, Monaten und Jahren wurde ich regelmäßig von Ali zum Essen nach Hause eingeladen, tanzte auf vielen türkischen Hochzeiten herum und durfte sogar die eine oder andere wunderschöne türkische Tochter zum Ringelpiez mit Anfassen in meine Wohnung schleppen. Der türkische Gemüsehändler um die Ecke hatte immer mal einen Apfel für mich übrig, meinen Hund nannten sie „Hassan“ und er schlabberte immer wieder gerne und genüsslich die Reste vom Dönerspieß auf.

Ich fühlte mich wohl, geborgen in der türkischen Gemeinde von Neukölln und trug stolz meine weiße Strickmütze durch die Gegend. Wir sprachen alle deutsch. Vom Islam oder dem Christentum war keine Rede.

Das änderte sich erst, als ich Anfang der 80er Jahre in die Türkei flog, um dort Urlaub zu machen. Gastfreundlich, wie die Menschen dort nun mal sind, luden sie mich eines Tages zum Koranunterricht ein. Das war alles sehr neu und aufregend für mich.

Hätte ich nur meinen Mund gehalten.

Zu einer fortgeschrittenen Unterrichtsstunde – ich hatte da schon jede Menge Raki intus, versuchte der Religionslehrer, mir Allah zu erklären. Er sagte:

„Schau dich um, mein lieber Schüler. In allen Wesen und Dingen dieser Welt ist Allah.“

In diesem Moment humpelte ein dreibeiniger Hund vorbei und ich fragte:

„Ist Allah auch in diesem Hund?“

Nur wenig später fand ich mich an einen Laternenpfahl auf dem Marktplatz angebunden wieder. An meiner Brust prangte ein Schild, auf dem stand: „Idiot“.

Am nächsten Morgen ließ man mich wieder frei. Wütend wie ich war, rannte ich zur nächsten Moschee, schnappte mir die Pantoffeln, die ordentlich in Reih und Glied vor dem Eingang sortiert waren und warf sie in die tosende Ägäis.

Ich habe danach nie wieder die Türkei betreten.

Musste ich auch nicht, denn ich konnte ja hier in Neukölln Urlaub machen – alles inklusive, bloß ohne teuren Flug.

Überall um mich herum erblühte die Türkei in Neukölln mittlerweile zu neuem Leben. In den Obst- und Gemüseläden konnte ich frische „anatolische“ Mangos und Kiwis ergattern, an den vielen Kebab-Imbissen durfte ich meinen sadistischen Gelüsten frönen, in dem ich mir das Fleisch von unbetäubt geschächteten Lämmern durch die Kehle trieb, ein Abstecher zum Goldankauf auf dem Weg vom Zahnarzt nach Hause füllte regelmäßig meine Brieftasche, die ich in schöner Regelmäßigkeit in den Spielhöllen wieder leerte. In den Internet-Cafés konnte ich über die fremde IP-Adresse böse Mails verschicken, beim Billigfriseur meine Glatze polieren lassen, beim Gebrauchtwagenhändler einen platten Reifen gegen einen profillosen Reifen austauschen lassen und beim Tabakhändler meine Lunge füllen. Das multikulturelle Leben war wirklich eine Bereicherung. Für alle, für die Türken und für mich.

Doch auch hier änderten sich die Zeiten und ich bekam immer mehr das Gefühl, das irgend ein Allmächtiger zwischen mir und meine türkischen Freunde eine Scheibe aus Panzerglas hochgekurbelt hätte. Die Verständigung wurde schwieriger, weil ich immer noch nicht richtig türkisch konnte, die wunderschönen jungen Frauen versteckten sich mehr und mehr unter irgendwelchen bunten Tüchern und ihre Brüder präsentierten mir lieber Solinger Stahl als ihre wunderschönen Schwestern.

Irgendwann war selbst für mich dieser Urlaub zu Ende und so zog ich von Neukölln nach Wilmersdorf, in diesen gut bürgerlichen Bezirk. Inzwischen sind auch hier die Parkplätze von vielen dicken BMWs versperrt, dafür passt jetzt Ihab, mein libanesischer Hausmeister und Drusen-Freund auf mich auf.

Am 11. September 2001, kurz nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center in New York, bin ich noch mal nach Neukölln zurückgekehrt. Als ich sah, wie sich die Menschen auf den Straßen jubelnd um die Arme fielen, habe ich mir geschworen, diesen Stadtteil nie mehr zu betreten.

Manchmal denke ich noch ein wenig wehmütig an Ali, meinen ersten Türken, der noch vor mir die Flucht aus Neukölln ergriffen hatte, denke ich an die Zeit, als ich noch ein Türke sein durfte.Buch

*) Der Berufsjournalist Thomas Böhm ist Chefredakteur des Mediendienstes „Journalistenwatch“ und ständiger Kolumnist bei conservo. Soeben ist sein neues Buch erschienen „Satirische Verse“ (siehe hier: https://conservo.wordpress.com/2015/09/10/die-satirischen-verse-das-jouwatch-buch-von-thomas-boehm/#more-5617)

http://www.conservo.wordpress.com

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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2 Antworten zu Der dreibeinige Hund vom Bosporus

  1. zrwd schreibt:

    was habe ich gelacht! LoL!!!
    Der Artikel trifft den Kern!

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  2. karlschippendraht schreibt:

    Als Kind plapperte ich in kindlicher Unbedarftheit die Parole nach : “ AMI GO HOME „!

    Heute sage ich aus Erfahrung und Überzeugung : “ ALI GO HOME „!

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