FEAR – ein ärgerliches Theater (Informationen zu Stück und Autor)

(www.conservo.wordpress.com)

Geistige Brandstiftungfear

Von Peter Helmes

Vor wenigen Tagen gab es zwei Anschläge auf Deutsche, die politisch motiviert waren: Hedwig von Beverfoerde führt erfolgreich die Bewegung „DEMO FÜR ALLE“ (siehe auch https://conservo.wordpress.com/2015/10/12/keine-chance-dem-gender-terror-demo-fuer-alle-ein-erfolg/), und Beatrix von Storch sitzt für die AfD im Europaparlament. Beide Damen vertreten eine glasklare christliche und konservative Grundüberzeugung. Sie sind also „politisch nicht korrekt“. Da sie an exponierter Stelle in unserer Gesellschaft stehen, war (leider) durchaus damit zu rechnen, daß sich ein linker Mob an ihnen abreagieren könnte.

Das geschah auch: Von Storchs Auto wurde abgefackelt, das Firmengebäude des Ehemanns von Beverfoerde (und Sitz der Bewegung „Demo für alle“) durch Übergriffe schwer beschädigt (siehe auch https://conservo.wordpress.com/2015/11/04/linksextremer-terror-gegen-konservative-angriff-auf-die-zivilgesellschaft/).

Ist es „purer Zufall“, das gleichzeitig mit der Aufführung des Theaterstücks „Fear“ (engl. Angst) die Namen der beiden Damen fallen – und weitere Namen von Persönlichkeiten „aus der rechten Szene“? (Hier der Beverfoerde-Brief dazu: https://conservo.wordpress.com/2015/11/19/hetztheater-brandanschlag-morddrohung/). In dem Stück wird unverhohlen zu Gewalt aufgerufen. Regt sich irgendjemand darüber auf?

Es ist sicher auch „purer Zufall“, daß durch die Attentate in Paris eine allgemeine Berichterstattung über die Attentate Beverfoerde/Storch fast nicht stattfand, jedenfalls kaum vernehmbar im Kleingedruckten. Jede üble Geste einem Migranten gegenüber wird groß berichtet, Attentate auf „rechte“ Politiker, bei denen wie durch ein Wunder kein Mensch verletzt wurde, werden verharmlost.

Mein Kollege Thomas Böhm hat hier (https://conservo.wordpress.com/2015/11/15/terror-theater/) schon ausführlich die Umstände rund um dieses Skandalstücks beschrieben, viele conservo-Leser haben mich gerade nach den Attentaten gebeten, mehr darüber zu informieren. Ich habe hier deshalb einige eigene und Gast-Informationen zusammengetragen:

Wider die Diffamierung der Gesellschaft, finanziert durch öffentliche Mittel

Man kann keinem Autoren oder Regisseur verbieten, Parteien oder Politiker, die ihm nicht gefallen, zu bekämpfen. Wenn er dies jedoch mit Mitteln der nachweislichen Diffamierung tut, sollte er sich nicht mit Kunstfreiheit herausreden können! Solche Schlammschlachten sind aber mittlerweile im „linksliberalen“ Kulturmilieu üblich geworden – wenn es gegen Personen oder Parteien geht, die diesem Milieu nicht links genug sind. In der Regel werden solche Veranstaltungen dort gefördert, wo die fördernden Parteien sich in ihrem Sinne Auswirkungen auf die Wähler versprechen – ein sowohl zivilrechtlicher wie auch möglicherweise strafrechtlich zu ahndender Mißbrauch staatlicher Subventionen.

In freifinanzierten Bühnen können Veranstalter, Theater- und Kinoleute, Autoren, Schauspieler und Regisseure ihrem Haß gegen parteipolitische Konkurrenten freien Lauf lassen – solange sie nicht zu Diffamierungen und Lügen greifen. (…)

Es ist zu prüfen, ob die Schaubühne staatliche Subventionen bekommt – und dann wäre hier ein Grundsatzurteil erforderlich. (…)

Die Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland – schon vor der Wende fast ausschließlich von einer einzigen (!) Partei – der SPD – und den zahllosen Fellow Travellors, Parteichen, Gruppen, Initiativen der Freunde der SED – Diktatur und ihren Stasi – Residenten beherrscht, hatte offensichtlich mit der zweiten großen Pfründenbesitzerin, der CDU, ein stillschweigendes Abkommen, eine „Gentleman Agreement“ geschlossen:

„Wir überlassen euch die Kultur und alles Soziale, und ihr überlaßt uns den Geldhandel und die Wirtschaft.“

Dieses (ungeschriebene) Abkommen hatte gewaltige Auswirkungen auf die Personalpolitik schon Anfang der Sechziger Jahre. Jobs, Fördergelder, Preise, mediale und institutionelle Aufmerksamkeit bekamen nur diejenigen, die dem bösen Kapitalismus gehörig den Hintern versohlten, dem mit allen möglichen „alternativen Projekten“ das Handwerk gelegt werden mußte. Inklusive all jenen, die es noch wagten , an der Markwirtschaft noch irgendetwas Nützliches zu entdecken.

Daß es nebenan in der DDR weit weniger „alternativ“ zuging, interessierte das deutsche Linkskartell nicht. Umweltschäden, Repressionen, Militarisierung, Arbeitslager und die immer stärker ansteigende Zahl politischer Häftlinge wurden tabuisiert. Man konnte allzu leicht als „Entspannungsstörer“ gebrandmarkt werden – und das hätte das Ende vom Zutritt zu den staatlichen (SPD–verwalteten) Futterkrippen bedeutet… (…)

Von 1949 bis 1989 hatte der nebenan liegende SED–Staat ca. 250 ( !) Autorinnen und Autoren vertrieben – ausgelöst in der Regel durch Berufsverbote, psychische, physische und wirtschaftliche Repressionen – wenn nicht gar direkte Morddrohungen, wenn diese sich an Texte wagten, die nicht im geforderten Einklang mit der „jeweiligen Linie des Sozialistischen Realismus“ standen.

Fast alle der vertrieben Autorinnen und Autoren (einige wurden sogar wie Vieh verkauft!) gelangten in den zweiten deutschsprechenden Staat, in die Bundesrepublik Deutschland – sie hatten das Glück, daß wenigstens noch eine deutsche Demokratie übrig geblieben war, die ihre Sprache sprach (die von den Nazis von 1933 bis 1945 vertriebenen Autoren hatten dieses Glück nicht!).

Weshalb wurde denn auf deutschen Bühnen in deutschen Lichtspieltheater niemals ein Stück über Autorenverkäufe realisiert, die einmalig in der deutschen Geschichte sein dürften? Der gesamten hochsubventionierten Literaturschickeria der BRD ist dies bis zum heutigen Tage kein Thema gewesen, weil ja ihre allerbesten Freunde, die Kommunisten, die Täter und Seelenverkäufer waren! (…) In der neuen Freiheit der BRD sahen sie aber gar nicht gut aus – denn dort herrschte die Stasi–Gewalt (die sei vertreiben hatte) ebenso:

Durch ihre Genossen von der SPD, von denen viele vor allem in den Kulturbereichen weltanschaulich zum SED–Staat, wenn nicht gleich zur Stasi, übergelaufen waren – und sich bereits als deren Willensvollstrecker verstanden.

Kein Herz für Ost–Flüchtlinge!

So war bereits der Vorsitzende des „westdeutschen“ Schriftstellerverbandes in der IG Druck und Papier, später IG Medien, Bernt Engelmann, ein hochkarätiger Mitarbeiter des Ost-Ministeriums für Staatssicherheit – und enger Freunde der SED-Kulturschickeria, der mit seinen – ebenfalls zum SED-Freundekartell gehörenden Mistreitern – dafür sorgte, daß diesen „Ost-Flüchtlingen“ das Leben so sauer wie möglich gemacht wurde.

Warum konnte denn kein Film und kein Theaterstück über diesen Landesverräter jemals irgendwelche deutsche Bühnen, deutsche Filmevents, deutsche Diskussionspodien erreichen, denn der Mann war schließlich nicht nur Auflagen- sondern auch D-Mark-Millionär geworden?

Oder der Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Schriftsteller, ebenfalls ein hochkarätig stasikontaktierter „Links – Aufklärer“, Günter Wallraff, ebenfalls Millionär, ebenfalls SPD-Starlett, der ein solch hohes Ansehen beim Stasi genoß, daß er dort seine Bücher über die häßliche BRD verlegen und DDR Reisen machen konnte sowie den Chef der Abteilung Desinformation des Ministeriums für Staatssicherheit bei dessen Westreisen, Günter Bohnsack, selber zuhause beherbergen durfte.“ (Soweit die allgemeine Kritik von „quadriga-productions“.) Nun ein Blick in das Stück „Fear“ selbst:

Kurzfassung des Inhaltes des Theatermachwerks „Fear“

„FEAR – Ein Stück von Falk Richter, Text und Regie: Falk Richter

„Deutschland, im Herbst 2015. In einem Land, das von vielen als freies, offenes, vielfältiges Land im Aufbruch gesehen wird, grassiert die Angst. Angst vor dem Fremden, Angst davor, auszusterben, sich abzuschaffen, überfremdet zu werden; von Politik und Medien belogen und im Stich gelassen zu werden. Angst davor, von Minderheiten, die gleiche Rechte fordern, terrorisiert zu werden, eigene Privilegien zu verlieren. Die Ungeheuer, die diese Ängste gebiert, nimmt Falk Richter zusammen mit einem Ensemble von Schauspielern und Tänzern und dem Videokünstler Bjørn Melhus in den Blick. Sie begeben sich auf eine Reise durch verlassene und blühende, reale und virtuelle deutsche Landschaften, treffen auf eine christlich-fundamentalistische Hasspredigerin, besorgte Bürger, die gegen »Lügenpresse« und »Überfremdung« sich die Wut aus dem Leib schreien, besorgte Eltern, die gegen alternative Familienmodelle und die Akzeptanz sexueller Vielfalt auf die Straße gehen und sie kommen der konspirativen Allianz zwischen der politischen Rechten, christlichen Fundamentalisten und der Aristokratie für die Re-Christianisierung des Abendlandes auf die Spur.

Wie Untote, Zombies, Wiedergänger aus der Vergangenheit, kehren längst überkommen geglaubte Kategorien, Denkmuster, eine Rhetorik und ein Vokabular aus Zeiten des Nationalsozialismus zurück. Im öffentlichen Diskurs breiten sich ungehemmt Hass, Hetze und Diskriminierung als legitime Arten des Sprechens aus. Auf diesem Nährboden folgen Gedanken und Worten bald Taten, werden Journalisten angepöbelt, wird öffentlich zu Hass und Gewalt aufgerufen, wurden Politiker angegriffen und brannten im vergangenen Sommer mehr als 500 deutsche Flüchtlingsunterkünfte. Die untoten Geister von Rassismus und Homophobie beschwören die Performer herauf und setzen sich mit Sprache und Körperlichkeit von Angst, Hass und Gewalt auseinander, verlachen, bekämpfen sie und schütteln sie ab. Sie fragen sich, was Begriffe wie »Heimat« und »Familie« für sie ganz persönlich heißen könnten.“ (quadriga)

Hierzu drei gestochen scharfe Leserkommentare, denen sich conservo anschließt:

FEAR, Berlin: Brandstiftung? — DrBolle

Als Beobachter außerhalb der linksliberalen Blase der „Kultur“schaffenden wundert es mich schon, wie man es schafft, den großen rosafarbenen Elefanten auf der Bühne zu übersehen, der da heißt geistige Brandstiftung oder auch Volksverhetzung. Wer Beatrix von Storch, Frauke Petry und andere als verachtungswürdige Zombies auf die Bühne bringt, der darf sich durchaus schuldig fühlen, wenn eher zur Tat neigende Mitglieder der linken Szene dies als Aufforderung zu einem Brandanschlag auf den PKW von Frau von Storch verstehen. (#26 2015-11-06 09:18)

Eine Veranstaltung mit dem üblichen hämischen Furor der moralisch erhabenen Edel(theater)menschen für die gerechte Sache mißliebige Andersdenkende als Zombies (also Nicht-Menschen) denunziert und mit dem kaum mißverständlichen Satz: „Der Zombie stirbt nur, wenn man ihm direkt ins Gehirn schießt“ zur Gewalt gegen dieselben aufruft. Ins Gehirn geschossen gehören nach Auffassung der Theaterkünstler also offenbar die Zombies Bettina Röhl, Birgit Kelle, Eva Herman, Gabriele Kuby, Frauke Petry, Hedwig von Beverfoerde und Beatrix von Storch – immerhin Mitglied des EU-Parlamentes. Die Adresse von v. Beverfoerdes Büro wird bei der Aufführung direkt genannt. Es geht ja moralisch gegen Rechts, und in diesem aufrechten, antifaschistischem Kampf sind bekanntlich alle Mittel erlaubt.

Eingeschlagene Scheiben bei den beiden letzteren Frauen, Farbbeutel und Brandanschläge auf deren Autos haben selbstverständlich mit dieser künstlerischen FEAR-Aussage als freier Meinungsäußerung nicht das Geringste zu tun, das versteht sich.

@#30 bemerkt hierzu treffend:

Ja aber klar doch – nirgends wurde in FEAR zum Scheibeneinschmeißen und Autoabfackeln aufgerufen. Woraus sich glasklar ergibt, daß das nichts miteinander zu tun hat, logo. Es wurde nur auf die Möglichkeit zum Gehirnschuß hingewiesen, aber das wird man ja wohl noch kritisch sagen dürfen, nicht wahr?

Falk Richters Werk

„Quadriga“ schreibt weiter: Falk Richters Themenspektrum reicht von verlorenen Identitäten, der Kommunikationsunfähigkeit von Menschen und deren Vereinsamung und Isolation über die verwirrte Medienwelt bis hin zu Krieg und Politik. Zentrale Themen sind immer wieder die Unmöglichkeit, Nähe und Bindungen zuzulassen, da auf diese Weise andere Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Die ruhelose Suche nach diesem undefinierten „Mehr“ läßt die Charaktere Richters an sich selbst und an der Welt verzweifeln. Seine Stücke stehen im direkten Bezug zur Gegenwart und greifen gesellschaftliche Tendenzen und Strömungen auf. In seinen Inszenierungen spielt der Einsatz neuer Medien und neuer elektronischer sowie zeitgenössischer Musik eine große Rolle. Richter arbeitete u.a. zusammen mit den Komponisten Ben Frost, Malte Beckenbach, Helgi Jonsson, Paul Lemp, Jörn Arnecke, Jörg Mainka.“

Falk Richters Leben

„Richter wurde in Hamburg geboren. Ab 1993 studierte er Linguistik, Philosophie und Schauspieltheaterregie u. a. bei Jürgen Flimm, Christof Nel und Jutta Hoffmann an der Universität Hamburg. Während des Studiums inszenierte er seine ersten Stücke „Portrait. Image. Konzept.“ und „Kult“ mit den Schauspielern Bibiana Beglau und Marc Hosemann. 1996 folgte seine Abschlussinszenierung „Silkon“. Richters Theaterstücke, darunter „Gott ist ein DJ“, „Nothing hurts“, „Electronic City“ , „Unter Eis“ und „Trust“, sind in mehr als 25 Sprachen übersetzt und werden unter anderem in Paris, London, New York, Sydney, Athen, Kopenhagen, Jakarta, Tokio, beim Festival d’Avignon und beim Edinburgh Festival gespielt.

Er arbeitet als freier Autor für Theaterstücke und Hörspiele, Regisseur und Übersetzer unter anderem auf Kampnagel und am Schauspielhaus Hamburg, an der Hamburgischen Staatsoper, bei der Toneelgroep Amsterdam, am Schauspielhaus Düsseldorf, bei den Seven Stages Atlanta (USA), an der Oper Frankfurt, der Bayerischen Staatsoper, dem Wiener Burgtheater, den Salzburger Festspielen und dem Theatre National in Brüssel. Er war Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich von 2000 bis 2004, von 2006 bis 2010 war er Hausregisseur an der Berliner Schaubühne, 2011 – 2012 Hausregisseur am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Richter inszeniert eigene Stücke sowie Gegenwartsdramatik von Autoren wie Caryl Churchill (In weiter Ferne), Mark Ravenhill (Gestochen scharfe Polaroids) oder Sarah Kane (4.48 Psychose), zeitgenössisches Musiktheater (wie das von Hans Werner Henze We come to the River) und auch klassische Theatertexte wie z.B. Die Möwe, Drei Schwestern und Der Kirschgarten von Anton Tschechow, die er für die Berliner Schaubühne bearbeitete und aktualisierte.

Für das Burgtheater Wien bearbeitete und inszenierte er „Julius Caesar“ von William Shakespeare. In den choreographischen Inszenierungen „Nothing hurts“ , „Trust“, „Protect me“, „For the disconnected Child“ und „Rausch“ arbeitete er gemeinsam mit der Choreographin Anouk van Dijk mit einem Ensemble aus Tänzern, Schauspielern und Musikern. Diese Tradition führt Richter im Maxim Gorki Theater in Berlin fort. Hier spielt sein Stück „Small Town Boy“ seit Januar 2014. Richters neuestes Stück „Never forever“ hat er in Kooperation mit dem Ensemble „TOTAL BRUTAL“ inszeniert und wurde in der Schaubühne im September 2014 uraufgeführt. Seit 2006 werden Richters Texte zunehmend in Frankreich und Belgien aufgeführt, wo er auch selbst in französischer Sprache eigene Stücke inszeniert, zuletzt beim Festival Avignon, wo er 2008, 2010 und 2013 mit mehreren Inszenierungen vertreten war.

Kontroversen

Im November 2015 kam es zu einer Online-Petition gegen das Stück „Fear“ von Falk Richter, nachdem gegen zwei darin namentlich genannte Personen Brandanschläge verübt worden waren und ein Blogger Hassmails mit Morddrohungen erhielt. In der Petition wurde der Senat von Berlin aufgefordert, alle Subventionen für dieses Stück einzustellen.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Falk_Richter)

Focus: „Falk Richter: Es wird wieder ungehemmt gehasst“

(Sonntag, 25.10.2015, 00:29)

Fremdenfeindliche Demos, Hasskommentare im Netz: Das gesellschaftliche Klima scheint rauer zu werden in Deutschland. Der Theatermacher Falk Richter will dies in einem neuen Stück analysieren. Ein Interview in Berlin – im Herbst 2015.

Am Sonntag feiert „Fear“ in Berlin Premiere – ein neues Stück von Falk Richter. Es geht – ganz aktuell – um die neuen Ängste in der Gesellschaft, die vielfach in Hass, Fremdenfeindlichkeit oder Chauvinismus umschlagen.

Interview mit dpa

„Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erläutert der Theatermacher, was ihn und seine Mitwirkenden bei dem Stück antrieb.

Frage: Herr Richter, warum heißt Ihr Stück „Fear“, also Angst?

Antwort: Unsere Gesellschaft ändert sich. Männer- und Frauen-Bilder verändern sich, Lebens-, Beziehungs- und Familienformen werden offener, es gibt eine größere Vielfalt an Geschlechteridentitäten. Auch unser „Deutsch“-Sein wird gerade neu definiert – von sogenannten Gastarbeiterkindern in der dritten Generation über Künstler, die aus der ganzen Welt nach Berlin kommen bis hin zu den aktuell in Deutschland ankommenden Flüchtlingen. Diese Veränderungen lösen in Teilen der Bevölkerung Ängste aus. Die Angst, Privilegien zu verlieren, die Angst, benachteiligt zu werden.

Frage: Es kommen reale Personen im Stück vor – was reizt Sie daran?

Antwort: Es gibt eine ganze Reihe von Protagonisten, die zurzeit Ängste schüren, um politisch an Einfluss zu gewinnen, gewonnene Offenheiten und Freiheiten infragestellen und zurück wollen zu alten Kategorien der Selektion, des Einteilens in „Richtig“ und „Falsch“. Diese Protagonisten kommen im Stück vor, unter anderem die katholische Fundamentalistin Gabriele Kuby. Aber auch die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch. Wir untersuchen ihre Reden, ihre Art zu denken, ihre Rhetorik, klären auf über die verschiedenen Netzwerke, die sich im rechten Spektrum mittlerweile gebildet haben.

Frage: Glauben Sie, dass rechtspopulistische Parteien in Europa zunehmend an die Macht kommen in den nächsten Jahren?

Antwort: Die Gefahr besteht und im Moment lässt sich nicht genau sagen, ob es nur ein kurzweiliges letztes Aufbäumen alter Konzepte ist, oder ob wir tatsächlich einen Rückfall in Nationalstaat, geschlossene Grenzen, Diskriminierung anderer Lebensmodelle und gegenüber allem Fremden erleben werden. Ich hoffe, dass diese Parteien sich selbst zerlegen, weil ihr Führungspersonal weitgehend inkompetent ist oder sich in Grabenkämpfen verlieren wird.

Frage: Sehen Sie diese Gefahr auch für Deutschland?

Antwort: Es hat sich ein Klima breitgemacht in den Medien, in Talkshows und Demos – im Internet sowieso -, in dem wieder ungehemmt gehasst, gepöbelt, diskriminiert wird. Auf diesem Nährboden, auf dem allgegenwärtigen „Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen“, gepaart mit Misstrauen gegenüber Politik und Medien, ist ein Klima entstanden, in dem dieses Jahr bereits viele Asylbewerberheime brannten. Die Gefahr ist also real, dass sich weiter Hass ausbreitet.

Frage: Woran liegt es, dass Menschen Minderheiten zutrauen – wie Muslimen oder Schwulen –, sie wollten die Macht übernehmen und alle in ihrem Sinne umerziehen?

Antwort: Der Feind ist immer die ungelöste Frage in einem selbst. Es ist die Angst der ehemals herrschenden Eliten, genau so behandelt zu werden von den Minderheiten und Unterdrückten, wie sie sie behandelt haben. Wenn bei Pegida in Dresden gegen den „mittelalterlichen Islam, der das Abendland bedroht“ demonstriert wird, und gleichzeitig Galgen für Angela Merkel und Sigmar Gabriel mitgeführt werden, zeigt sich doch sehr deutlich: Die eigentlichen Barbaren sind die Leute selbst, die da Angst vor einem barbarischen Islam zu demonstrieren behaupten.“ (Quelle: (http://www.focus.de/kultur/kunst/theater-falk-richter-es-wird-wieder-ungehemmt-gehasst_id_5038065.html)

 

Kritikenrundschau (eine Auswahl)

Um es vorwegzunehmen: Das Fazit selbst der sonst wohlmeinenden Journalisten bewertet das Stück im Kern nur als Unsinn, es ist ein „weithin als mißglückt besprochener Theaterunfug (WELT). Hier einzelne Kommentare:

„FEAR – An der Schaubühne Berlin schickt Falk Richter seine Darsteller in die linksintellektuelle Blase. Lachen über Pegida

von Georg Kasch

Berlin, 25. Oktober 2015. „We are the others“, sagt Frank Willens zum Schluss, wir sind die Anderen. „Ich weiß, es klingt pathetisch.“ Stimmt. Es sieht auch so aus: Da haben sich die Schauspieler auf der Schaubühnen-Bühne längst in ihre Prinzessinnengarten-Oase mit transportablen Tomatenpflanzen, Erbsen und Möhren zurückgezogen, singen Sufjan Stevens und feiern ihre Individualität.

Soll das jetzt tatsächlich der Gegenentwurf sein zu den besorgten Bürgern, Pegidisten und AfDlern, die in den zwei Stunden zuvor als Zombies über die Bühne geisterten? Der Rückzug ins Unpolitische? In eine diffuse Wohlfühl-Welt? Ist das eine ironische Volte Falk Richters oder nur ein Eingeständnis seines Scheiterns? „FEAR“ heißt Richters neue Stückentwicklung: Es geht um die Angst der „besorgten Bürger“ und Bildungsplangegner vor dem Fremden und Diffusen. Und auch ein klein bisschen um unsere Angst vor ihnen.

Abstürzen aus der Zivilisation

Der Text wirkt, als hätte sich der Autor, angespornt vom Erfolg seines Rants in Small Town Boy, den Thomas Wodianka sich so überzeugend überzog, jetzt ganz auf die satirisch zugespitzte Wutrede verlegt. Seine Textfläche mit wenigen Alibi-Dialogen hat er auf fünf Schauspieler und drei Tänzer aufgeteilt, die sich auf die Reise ins Herz der Finsternis machen, nach Dunkeldeutschland, wo die Zombies wohnen. Während elektronische Musik in Endlosschleifen pulsiert, stellen die Schauspieler Pappkameraden auf, kleben die Gesichter von Eva Herrmann, Beatrix von Storch und Birgit Kelle drauf und auf die kühle Podest- und Steglandschaft, mit der Katrin Hoffmann die hintere Bühne füllt, Protestslogans wie „Abendland in Christenhand“.

Während die Tänzer Denis Kuhnert, Frank Willens und Jakob Jaw zusammen mit einigen Schauspielern die Bühne als Parkourlandschaft ausmessen, zuweilen sich heftig verkrampfen und über die Bühne geschleudert werden wie von einer fremden, bösen Macht, bleiben die Schauspieler meist Sprachrohr. Das ist durchaus unterhaltsam, wenn Alina Stiegler mit blonder Langhaarperücke und im blauen Glitzerfummel unter Ganzkörpereinsatz als eine wirre Mischung all der rechten Horror-Frauen ihre Weltverschwulungstheorien vom Balkon herabbellt. Wenn Kay Bartholomäus Schulze über sein Wundern darüber, was mit den Menschen im Osten in den letzten 25 Jahren passiert ist, selbst gegen Flüchtlinge zu hetzen beginnt – der Firnis der Zivilisation ist dünn. Wenn alle das Leben der Beatrix von Storch als Horror-Klamauk nachspielen.

Dokument der Ratlosigkeit

Die Schauspieler wirken allesamt angenehm befreit in dieser Stemann-haften Nummernrevue, wobei Revue es auch inhaltlich trifft: Zu oft reiht sich das Naheliegende aneinander. Keine Analyse, nirgends, stattdessen halbgares Kabarett, nahezu ungefiltert aus den Nachrichten überführt. Ist das wirklich alles, was Falk Richter zum Thema eingefallen ist? Da hat man bei der „Heute Show“ und der „Anstalt“ mehr gelacht und mehr gelernt. Kurz wird einmal sein ewiges Thema, die (Un-)Fähigkeit zu lieben, angerissen. Aber was ist mit den soziopolitischen Bedingungen für Pegida und die AfD? Mit den wirtschaftlichen Hintergründen, die die frustrierten Ossis und die Abstiegsangst der Mittelschicht erst ermöglichen? Warum wird Heinz Bude im Programmheft zitiert, werden seine Thesen aber für die Bühne nicht fruchtbar gemacht? Warum wird Heiner Müller als Schutzheiliger der (Ost-)Intellektuellen angerufen, aber als Autor nicht genutzt? Einmal zitiert Richter Müllers Diktum von Woyzeck als „offener Wunde“ – da hätte man doch was draus machen können!

Letztlich ist „FEAR“ ein Dokument der Hilf- und Ratlosigkeit. Wie blass das alles bleibt, merkt man immer dann, wenn Original-Stimmen der Wutbürger und Pegidisten eingespielt und rhythmisch gesampelt werden zum Farb- und Trommeldröhnen. Der hysterische Egoismus, der einem da entgegenschwappt, der diffuse Nationalstolz, die dummdreiste Wut der Zukurzgekommenen, ist so viel vitaler und damit so viel erschreckender als alles, was sonst in „FEAR“ passiert. Es ist leicht, das Fratzenhafte dieser Menschen zu vergröbern, bis es sich über die Freaks lachen lässt – gerade auch, um die eigene Angst überschaubar zu halten. Das allerdings passt wunderbar zu jener linksintellektuellen Blase, als die sich der Glaskasten mit Marken-Laptop und Zimmerpflanzen interpretieren lässt, in den sich die Protagonisten regelmäßig zurückziehen. Wenn das die Mehrheitsheitsreaktion in Deutschland ist auf Kelle u. Co, na dann gute Nacht.“(Quelle: http://vg04.met.vgwort.de/na/4199441494694a96b7e05f9cab4ccbd6)

Süddeutsche Zeitung: „Keine Erkenntnisförderung“

Falk Richter sorge dafür, „dass die Zuschauer dort abgeholt werden, wo sie vermutlich stehen“, schreibt Mounia Meiborg in der Süddeutschen Zeitung (28.10.2015). Man schaue aus der Perspektive eines Großstadt-Hipsters und Urban Gardeners auf „die seltsamen Typen, die sich montags auf dem Dresdener Theaterplatz versammeln“, so Meiborg. „Der Blickwinkel mag ehrlich sein. Erkenntnisfördernd ist er nicht.“ Unbequeme Fragen würden nicht gestellt. „Zum Beispiel, ob die Spaltung der Gesellschaft nicht auch mit der Arroganz des links-bürgerlichen Milieus zu tun hat.“ Stattdessen gebe es an diesem Abend „ein Wellness-Programm an Selbstvergewisserung: die Nazis, das sind die anderen.“

Richter werde in dieser Inszenierung „überraschend konkret“, setze reale Akteure in den Fokus und ergründe die Angst hinter Hass und Fremdenfeindlichkeit, schreibt Katharina Röben in der Welt (27.10.2015). Die erste Hälfte von „Fear“ verharre in einer exakten Bestandsaufnahme – „aktuell, rhythmisch, bekannt“. In dem Moment, in dem eine Antwort, ein Ausblick notwendig wäre, verfalle die Inszenierung „ins Slapstickhafte mit Hippietum im Urban-Gardening-Paradies und Massen von Neonröhren“. So werde das dramatische Potenzial der AfD-Politikerin Beatrix von Storch ergründet. „Das liefert zwar keine Antworten, ist aber herrlich komisch, albern und performativ.“

Deutschlandfunk: „Revue der Verstörung“

„‚Fear‘ ist eine Revue der Verstörung, auf linke Orientierung ist vom Theater derzeit nicht zu hoffen“, sagt Eberhard Spreng im Deutschlandfunk (26.10.2015) und hat „eine Nummernfolge voller Monologe“ gesehen, „ein Theater der heftigen allergischen Reaktionen und Phobien“.

Tagesspiegel: „Platt Selbstbestätigung der moralischen Überlegenheit“

„Manchmal wirke „Fear“ „auch nur wie die platte Selbstbestätigung der moralischen Überlegenheit (…) für sich und ein ohnehin einverständiges Publikum“, schreibt Peter von Becker im Tagesspiegel (27.10.2015). Mitunter aber brächen Zweifel auf, „Verzweiflung oder, in Songs und einem Paradiesgärtlein à la Ökolaube, naive Gegensehnsüchte: nach Stille, Frieden, Schönheit“. Vielleicht, so von Becker, könne „Fear“ noch zu einem Work in Progress werden. „Scheitern, furchtlos besser scheitern.“

Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau: „Politische Horror-Collage“

„Gegendemo mit Windmaschine in der Schaubühne: Falk Richters aktuell-politische Horror-Collage“ lautet die Unterzeile der Kritik von Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung (27.10.2015) und FR-Online (26.10.2015). Auf der Bühne eine Angriffslust, die mit der Inbetriebnahme eines 2.300-Watt-Laubbläsers angemessenen Ausdruck finde. Spätestens seit „Small Town Boy“ wisse man, dass der unermüdliche Gesellschaftskritiker Richter einiges an Geduld eingebüßt und das subventionierte Theater „als Ort für unzimperliche Gegendemonstrationen entdeckt hat“. Fazit: „Großer Applaus. Erleichtert zustimmend? Dankbar für den Spiegelblickschreck? Vielleicht können sich einige Zuschauer auch wegen des geweckten Muts und der wiedergefundenen Angriffslust kaum halten. Gut wär’s.“

taz: „Unterhaltender Alarmismus“

„Nicht viel mehr als unterhaltenden Alarmismus“ hat dagegen Astrid Kaminski gesehen und schreibt in der taz (27.10.2015): Der tiefe Griff in die Zitatekiste von Pegida, AfD komme nicht viel weiter als „engagiert dümmliche Positionierungen der Lächerlichkeit zu überführen, fundamentalistische Panikmache zu exzerpieren und mit dramatischen Beats zu unterlegen“.

Deutschlandradio Kultur: „Ein Flickenteppich“

„Eine Materialsammlung, ein Flickenteppich, der unter Überdruck nach einer Haltung, nach einer Verbindlichkeit sucht, die er nicht findet“, so beschreibt André Mumot „Fear“ auf Deutschlandradio Kultur (25.10.2015). Die Inszenierung sei wohl „das Zeugnis eines Schocks, vielleicht auch der verspäteten, naiven Erkenntnis, dass all das tatsächlich stattfindet in Deutschland, dass dieser Hass tatsächlich existiert und etwas mehr als Handgreifliches hat“. Falk Richter mache aus alledem keinen runden Theaterabend, sondern „eine wilde, wirre Gegenrede“. Subtil sei das nicht, so Mumot, „aber immer wieder auf mitreißende Weise ehrlich“.

Mathias Matussek in der WELT: „Inszenierung geistigen Brandstiftertums“

In einem nachgereichten Artikel in der Welt (6.11.2015) bezichtigt Matthias Matussek die Inszenierung des geistigen Brandstiftertums. Matussek beginnt mit seinem Lieblingsthema, mit sich selbst. Die Inszenierung bietet ihm dazu Anlass, weil Falk Richter sein, also Matusseks, Bild unter den Bildern der einschlägigen „Rechten“ zeigt. Matussek schreibt als einer, der sich dumm stellt und beschreibt sehr schön, wie die Differenzierung, die die Inszenierung angeblich für die Guten einfordert, den „hässlichen Frauen“ von rechts, der ganzen „Mischpoke aus NSU-Mörderinnen und Katholiken und AfD-Wählern und Pegidas und Fremdenfeinden undsoweiter“ verweigert wird. Die seien für die Inszenierer nur: „Alles braune Soße.“

Angesichts der sonstigen Bullerbühaftigkeit auf der Bühne macht sich Matussek weidlich lustig über Kunst und Künstler und entdeckt schließlich sein Konterfei „zwischen lauter NPD-Wahlplakaten in dieser Dia-Show links auf der Bühne“ Findet sich vorteilhaft getroffen und findet, dass er ansonsten unter die „hässlichen Frauen“ gar nicht passe. Matusseks Fazit: „Man müsste über diesen weithin als missglückt besprochenen Theaterunfug nicht viel Worte verlieren, wenn dieses helle Deutschland … nicht diese zischelnden Flammenwörter hervorschießen ließe, wenn da nicht vom ‚Schuss zwischen die Augen‘ gesprochen werde, von ‚wegmachen‘ und ‚unter die Erde bringen‘. Und wenn nicht „wenige Tage nach der Uraufführung des Stückes“ das Auto von Beatrix von Storchs „niedergebrannt“ worden wäre, und „kurz darauf ein Anschlag auf das Firmengelände von Hedwig von Beverfoerdes Ehemann“ verübt worden wäre, zu dem sich „die Antifa“ bekannt habe. (Quelle: http://www.nachtkritik.de/plugins/content/bt_socialshare/assets/share.png)

Kommentare aus den Diskussionsforen:

FEAR, Berlin: „schwach“ — petermann

Ein erschütternd schwacher Abend, der einfach nur alles Recherche-Material auf der Bühne zitiert, ohne irgendetwas damit anzufangen. Keine erkennbare künstlerische Umsetzung oder Durchdringung. Die Schauspieler teilweise erschreckend schwach. Die „Choreographie“ eigentlich nicht vorhanden. Nach einer halben Stunde hatte ich das dringende Bedürfnis zu gehen und habe es die restlichen anderthalb Stunden bitter bereut, dass ich diesem Impuls nicht gefolgt bin. (#6 2015-10-27 15:04)

FEAR, Berlin: falscher Vergleich bei Alexander W.

Eine Birgit Kelle in einem Atemzug zu nennen mit Nazis, mit Freital und NSU-Tzschäpe – (…) Furchtbar. Was die in ihrem Stück machen ist eine Sache, was Sie als Rezensent hier treiben eine ganze andere („Wenn das die Mehrheitsheitsreaktion in Deutschland ist auf Kelle und Co, na dann gute Nacht“) – warum nicht gleich ein Mordaufruf zum Schluss?… (#7 2015-10-27 19:55)

FEAR, Berlin: Leipzig kann es besser — Gegenentwurf

Ich war am Sonntag in Leipzig und habe mir Lübbes Schutzflehende/ Schutzbefohlene angesehen. Dort gelingt genau das Kunststück was hier in Berlin bei FEAR nicht funktioniert: es ist nicht plump, weiß es nicht besser, behauptet nicht eine politische Auffassung, die sie nicht unterfüttern kann. Und trotzdem berührt der Abend viel mehr als FEAR. Vielleicht gerade, weil er nicht vordergründig recht haben will und pseudopolitisch ist. An der Schaubühne klopfen sich die ach so linken Theaterleute auf die Schultern und nicken und haben recht (glauben sie…).(#11 2015-11-03 07:15)

FEAR, Berlin: mittlerweile erkannt — Berliner

@ Süddeutsche Leser

Die Kritikerin monierte, dass wichtige Fragen nicht gestellt wurden. Die eigenen Antworten zu liefern, ist nicht Aufgabe der Kritk (sie hat auch nur ein paar Spalten und nicht über zwei Stunden). Aber Antworten könnten sein:

  1. Das Abtun von Pegida als Nazis und Ewiggestrige ist nicht nur bequem, sondern auch falsch. Es sind lebendige Menschen, die ihre Ängste und Probleme von heute artikulieren – in Ländern mit und ohne Nazi-Vergangenheit. Das sind keine Zombies aus dem Remake eines schlechten Films, damit macht man es sich zu leicht.
  2. Das spricht Verfassungsschutz, CSU etc. nicht von eigener Verantwortung frei, das macht die Interviews von Markus Lanz nicht besser … Die Aufrechnerei ist Blödsinn.
  3. Wer gegen Pegida & Co. etwas tun will, muss sie ernst nehmen. Sonst ist jeder Dialog, jede Bewegung von vornherein unmöglich, Verachtung steht gegen Verachtung. Sich über Rechtschreibfehler und hässliche Gesichter lustig zu machen, ist eine Weile okay. Aber es reicht nicht. Ich glaube, das wird auch vom bürgerlichen Milieu – jedenfalls großen Teilen – mittlerweile erkannt. (#12 2015-11-03 08:58)

FEAR, Berlin: gegen Verharmlosung — Süddeutsche Leser

zu #12 – diese Verharmlosung einer Horde Menschen, die dumpf gegen alles Fremde anbrüllen und „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen schreit“, und die mittlerweile immer mehr zur Tat schreiten, Heime anzünden und Menschen angreifen, scheint mir das eigentliche Problem zu sein. Ja, ich denke auch, dass man die Gefahr, die für den Rechtsstaat von diesen Menschen ausgeht, ernst nehmen muss. Aber ihre „Argumente“ („in zwei Jahren müssen wir alle zu Weihnachten in die Moschee rennen“ / „In Deutschland leben 70-80% Ausländer“ / „Die kommen hier hin zum Einbrechen und zum Klauen“ / „Die bringen alle Bazillen mit“) kann man nicht ernst nehmen. Es ist nicht möglich, auf der Grundlage eine Diskussion zu führen.

Es geht nicht um „Aufrechnen“ – es geht darum, dass der Staat und eben auch weite Teile der Presse die rechte Gefahr nicht ernst nehmen. Wenn Die SZ nun also auch noch die „bürgerliche Linke“ verantwortlich machen will, für rechtsextreme Gewalt, dann zeigt das doch sehr gut, wie abstrus diese „Vorwürfe“ und diese Unfähigkeit, klar Stellung gegen die neuen rechtsnationalen zu beziehen, allmählich werden. (#13 2015-11-03 11:51)

FEAR, Berlin: Pegida als ästhetisches Ärgernis — Konkret-Leser

@ 10+13: In besagter Kritik wird doch nicht die Linke für Pegida verantwortlich gemacht. Was (nicht nur in der “Süddeutschen”) an diesem Abend kritisiert wird, ist doch vielmehr eine gewisse Unterkomplexität und Selbstgerechtigkeit der Inszenierung. Ressentiments werden an diesem Abend vor allem mit Ressentiments beantwortet. Und das reicht eben nicht. Die dumpf-rassistische Wohlfühl-Bewegung Pegida wird mit einer anderen (natürlich feineren, gebildeteren und netteren) Wohlfühl-Bewegung pariert – die angeblich hehrere politische Ziele hat, was wir auch gerne glauben wollen, von denen wir aber nichts erfahren. Wir erfahren nur, dass man sich cool fühlt. Und das soll alles sein, was hier auf dem Spiel steht? Urban Gardening? Bisschen Musik auf der Gitarre klampfen? Ehrlich? Auf diese Art wird gegen “Wir sind das Volk” einfach nur “Wir sind hip” gesetzt – was mit “we are the others” auch noch das unhinterfragte Fazit des Abends bleibt…. (#17 2015-11-03 17:36)

FEAR, Berlin: unerträgliche Selbstgefälligkeit — Pauline Defant

…Von einer tieferen Analyse will man gar nicht zu träumen wagen.

Missglückt wie der Inhalt ist das Bühnenbild. Ein Glaskasten, ein bisschen Blumen und ein wenig Laufsteg machen noch keinen gesellschaftlichen Raum.

Und Hinfallen, Treppe rauf, Treppe runter und individuelles Gehopse machen noch keinen modernen Tanz.

Und darüber zu reden, daß man sich nicht sicher war, wie das Stück weitergehen soll, macht es nicht besser. Ein ganz paar Lacher bewahren den Abend davor ein komplettes Desaster zu sein, aber die Selbstgefälligkeit, die Frage, ob man sich mit unschönen Ideen und Positionen auseinandersetzen muss, mit „Nein, die sind fett, dumm und hässlich!“ beantwortet, ist unerträglich. (#19 2015-11-04 10:21)

Anmerkung conservo:

Dieses Theaterstück ist Mist, ein überflüssiges Ärgernis. Aber vielleicht trägt es zu der Erkenntnis bei, daß wir „Kultur“ nicht den Linken überlassen dürfen.

Ich danke „quadriga productions“, Berlin, für diese Informationen.

www.conservo.wordpress.com

20.11.2015

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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Eine Antwort zu FEAR – ein ärgerliches Theater (Informationen zu Stück und Autor)

  1. text030 schreibt:

    Interessant im Artikel ist der Verweis auf Autoren, die die DDR verlassen mussten – wie auch Künstler, Filmschaffende und andere Intellektuelle. Es wird richtig festgestellt, dass dieser einmalige „Stoff“ offenbar als Film- oder Theatervorlage wenig interessierte.

    Auch meine Vorschläge von DDR-Biografien im Kontext von Berufsverboten beim Fernsehen der DDR, Verfolgung und gesundheitliche Schädigung bei der Nationalen Volksarmee, Umgang mit der intellektuellen Szene, mit Liedermachern usw. fand kein Gehör. Dafür muss das Thema „Flüchtlinge“ für alles herhalten.

    Vielleicht erklären uns die „Macher“ mal diesen Widerspruch!

    Siehe auch die Rubrik „DDR-Unrecht“ auf meinem Blog:
    https://text030.wordpress.com/category/ddr-unrecht/

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