Causa Böhmermann: Nicht vor seinen Karren spannen lassen!

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmeszdf neo

Warnruf an alle „aufrechten“ Konservativen                                                              

Der von mir hochgeschätzte Kollege Wolfgang Hübner hat vollkommen Recht, wenn er feststellt, es gäbe „jedoch keinen nachvollziehbaren Grund“, „aus Abscheu gegenüber Erdogan sich auf die Seite von Böhmermann zu stellen…“. Denn, wie Hübner und viele andere auch feststellten: Wenn man den Text dieses Bömmelmanns vorbehaltlos liest, dann kann man nur zu dem Ergebnis kommen, daß der Schmähfetzen gegen den türkischen Staatspräsidenten „tatsächlich primitiv, beleidigend und verletzend“ (Hübner) ist.

Sind wir denn auch schon so verbogen wie die Gutmenschen?                                 Es ist nicht zu fassen! Der Möchtegern-Tucholsky aus dem ZDF sieht seit langem für alles, was nicht links ist, Anlaß für neue Attacken, die von Mal zu Mal fieser und billiger werden. Und ich Tropf dachte, die Zeiten seien vorbei, in denen man glauben gemacht wurde, man müsse sich den „Intellektuellen“ an den Hals zu schmeißen, um ein bißchen Zeitgeist-Sonne zu erhaschen. Weniger wäre da durchaus mehr.

Wir, die gerade von solchen „Intellektuellen“ mit Inbrunst Vorgeführten, haben jetzt keinen, keinerlei Anlaß, uns vor den Karren der vorgeblichen Meinungsfreiheit spannen zu lassen. Den Stolz auf meine eigene Meinung lasse ich mir nicht nehmen!

Ein Schmierenkomödiant                                                                                                         Und der heißt im Klartext: Da hat ein Schmierenkomödiant einmal zu tief in seine Fäkalienkiste gegriffen und Erdogan angepinkelt. Man mag ja denken, der Wahngetriebene aus dem geistigen türkischen Hinterland habe das verdient, aber die Verse des Böhmermann lassen jeden Anstand vermissen und sind, ganz schlicht ausgedrückt, beleidigend.

Es wäre übrigens nicht das erste Mal, daß Böhmermann zu solchen Spiel- bzw. Stilmitteln greift. Auch Stefan Raab legte er per YouTube rein: Vor knapp einem Jahr zeigte TV-Entertainer Stefan Raab ein Video, das die nicht autorisierte Kopie einer Idee aus seiner Show „TV Total“ aus China zeigte. Später stellte sich heraus, daß das Böhmermann-Team diese erstellt hatte.

Und auch das noch: Das ZDF hatte damals zugeben müssen, daß Böhmermanns Geschichte vom gefälschten Mittelfinger Varoufakis frei erfunden und als Satire gedacht war. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sagte Spiegel Online: „Wir sehen uns gezwungen, das Neo Magazin Royale zukünftig als Satiresendung zu kennzeichnen“. Aus der Moderation des „heute journals“ werde Jan Böhmermann „sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen.“

„Mit niveaulosen Fernsehkanälen…“                                                                                   In einem Punkt kann man Varoufakis durchaus zustimmen: Er erklärte in einem Interview mit dem griechischen Fernsehen, er bedaure die Deutschen, weil sie es mit derart niveaulosen Fernsehkanälen zu tun hätten.

So verfestigt sich der Eindruck, Satire dürfe offenbar alles. Erlaubt ist, was gefällt – in Mediendeutsch: was Quote bringt. Woran es liegt, ist offen sichtlich und hörbar: Viele verwechseln Satire mit Beleidigung oder – im harmlosesten Falle – als Scherze auf Kosten anderer. Echte Satire ist anders, ist vor allem viel schwieriger und verlangt eine besondere Portion Geist.

Ein echter Satiriker lästert – ohne große Selbstzweifel – z. B. über unverantwortlichen Journalismus, schließt aber Selbstkritik mit ein. Vor seiner Lästerfeder darf niemand sichersein – außer die Würde des Angegriffenen. Denn Satire sollte da aufhören, wo die Würde des Menschen verletzt wird. (Daß dieses Gesetz gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen kaum Gehör findet, mahnen wir seit langem ganz frei von Satire an.)

Satire ohne Ethos?                                                                                                           Selbstverständlich ist ein Satiriker ein kraftvoller Streiter für die Presse- und Meinungsfreiheit. Ein wahrer Satiriker ist aber, wenn er die Botschaft seines Berufes richtig versteht, nie ein „Charlie Hebdo“! Und damit hebt er sich von so vielen ab, die „Meinungsfreiheit!“ schreien, aber keine Gelegenheit auslassen, anderen ihre Meinung aufzuzwingen. (Und wer ihre politisch-korrekten Vorgaben nicht beachtet, wird aus der Gesellschaft ausgeschlossen.) Nein, Verriß um des Verrisses willen, Verletzungen um der Kränkung willen, Satire ohne Ethos – das ist für einen guten Satiriker tabu!

Da halten wir es eher mit Kurt Tucholsky: „Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: Er will die Welt guthaben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.“ Satire kämpft mit Humor, will heißen mit Geist und Witz, also mit einer gehörigen Prise Ironie, gegen eine als fehlerhaft empfundene Wirklichkeit, seien es Personen oder Institutionen, die sie an ihren Idealen mißt.

Nihilismus statt Idealismus – Zynismus statt Satire                                            „Satire darf alles“, ist im Wesentlichen eine richtige Feststellung. Aber eines darf Satire nicht: kein Ideal haben. Dieses Ideal setzt die Grenzen für die Ironie eines Satirikers. „Nihilismus statt Idealismus“ oder „Zynismus statt Satire“ – das darf kein Ideal der Satire sein; denn Satire möchte die Welt verbessern und nicht, sich an ihren Fehlern aufgeilen.

Der Theologe Sylvain Romain drückt es so aus:

„Es gibt eine Gürtellinie: die Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Und unter dieser Grenze ist Blasphemie. Ich höre und lese vom „Recht auf Blasphemie“ und frage: Was kommt morgen? Das Recht, Denkmäler anzuzünden? Oder Heiligtümer zu plündern? Grabmale zu schänden?

Blasphemie ist Respektlosigkeit: Wenn die Autorität der Eltern, Polizeibeamten, Lehrer und Geistlichen nicht mehr geschützt wird, zerfällt die Gesellschaft.

Blasphemie ist dumm: Wer andere nicht respektiert, kann nicht erwarten, dass er respektiert wird. Lachen auf Kosten der anderen ist nie ein Zeichen hoher Intelligenz gewesen. In der Schule lachten in diesen Situationen nur die Feiglinge mit, bis sie selber „dran“ waren.

Wolfgang Hübner drückt es so aus: „Nicht nur Linksliberale, sondern auch Menschen aus dem konservativen und freiheitlichen Lager sind versucht, aus Abscheu gegenüber Erdogan sich auf die Seite von Böhmermann zu stellen. Dafür gibt es jedoch keinen nachvollziehbaren Grund: Das Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten ist tatsächlich primitiv, beleidigend und verletzend. Es bedürfte nicht eines durchaus fragwürdigen Paragraphen im Strafgesetzbuch, um einen solchen Text („Ziegenficker“) ungut zu heißen.“ (Quelle für die Hübner-Zitate: http://journalistenwatch.com/cms/warum-zdf-satiriker-jan-boehmermann-kein-held-der-meinungsfreiheit-ist/)

Blasphemie ist eine Form des Vandalismus, weil sie Werte und Ideale ins Lächerliche zieht und damit emotional zerstört, während sie selbst nichts Konstruktives anzubieten hat.

Natürlich sind wir für Demokratie und Toleranz. Allerdings ist Gutheißen der Blasphemie Anstiftung zur Rebellion gegen Werte wie Hingabe. Mut, etwas Positives zu verändern, wird vernichtet.

Wie dekadent ist eine Gesellschaft, die die Blasphemie gut findet? „Charlie Hebdo“ setzt den Geist der französischen Aufklärung fort, in dem alles ins Lächerliche gezogen wurde. Damals war das Ergebnis Mord und Totschlag. Ich bin empört und spreche mein tiefstes Mitgefühl all denen aus, die sich durch solche Blasphemien verletzt fühlen. Ich schäme mich, Franzose zu sein“ (Sylvain Romain, Theologe und Islamwissenschaftler, aus Wiener Zeitung, 18.11.15).

Das müßte auch für jeden aufrechten Konservativen gelten. Und die geneigten Leser mögen mal versuchen, mit der oben gezeichneten Elle die „Satire-Sendungen“ unserer Medien zu messen! Da bleibt das Lachen im Halse stecken. Und man wird feststellen: „Nie wieder Böhmermann.“ Satire darf eben nicht alles!

www.conservo.wordpress.com

14.4.2016

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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9 Antworten zu Causa Böhmermann: Nicht vor seinen Karren spannen lassen!

  1. karlschippendraht schreibt:

    Ich glaube , man sollte hier unterscheiden. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem Musikvideo und dem Gedicht . Das Musikvideo dokumentiert die pure Realität , so wie sie wirklich ist !!!
    Das Gedicht ist hingegen absolut kein Zeichen von Sachlichkeit , erst recht nicht von Intelligenz sondern ein erschreckendes Zeugnis von Wohlstandsverblödung.

  2. Martin_Luther_1517 schreibt:

    Herr Böhmermann ist mir schon vor längerer Zeit aufgefallen und seitdem ungut in Erinnerung, als ich per Zufall seine Äußerungen hörte und die Bilder dazu sah. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gesehen, bis… – ja bis!

    Um mir ein Bild zu machen habe ich beide Beiträge angehört, den vom ndr mit dem Reim und den unflätigen Text dieses Mannes. Meine Frau und ich sind uns einig, das ist nicht nur unter der Gürtellinie, das ist asozial!

    So verhalten sich vielleicht – entschuldigen Sie das Wort – sogenannte ,Penner‘, oder wie will man Menschen bezeichnen, die solch einen Wortschatz haben. Und das auch noch öffentlich im Fernsehen.

    Ich will einmal sehen, ob ich das ZDF auch einmal direkt anschreibe.

    Mit freundlichen Grüßen von der Wartburg!

  3. Paul schreibt:

    Lieber Herr Peter Helmes,
    gestatten Sie mir bitte zur Causa Böhmermann einen anderen Gedanken einzubringen.

    Nachdem ich den Text dieses „Gedichtes“ gelesen hatte, habe ich die gleiche Auffassung vertreten wie Sie und Hübner.
    Nachdem ich in einer Verlinkung – in Mediathek ist das gestrichen worden – die fragliche Passage der Sendung komplett zu sehen bekam, habe ich meine Meinung geändert.

    Aufhänger für Böhmermann war der extra3-Song, insbesondere die Reaktion Erdogans darauf. Er meinte, das dieser Song lupenreine Satire und die Einbestellung des Botschafters völlig unverständlich sei . Jedenfalls aus seiner Sicht, die ich teile.

    Achtung, jetzt geht es los. Im Zusammenspiel mit seinem „Echo“, sagte er, dass er jetzt mal dem Erdogan zeigen würde, was keine Satire sondern verbotene Schmäkritik wäre. Wenn er zum Beispiel sagen würde….., dann würde er sich strafbar machen. Auch wenn er dies sagen würde…, würde er Schmähkritik betreiben. Aber er sage das nicht, würde das nie sagen.

    Das ist die Kunstform der Praeteritio.

    Eine Praeteritio (auch Präterition, lateinisch praeterire ‚übergehen, auslassen‘) oder Paralipse (auch Paralipsis, griechisch παράλειψις paraleipsis ‚Unterlassung‘) ist eine rhetorische Figur, bei der man vorgibt, ein Thema (einen Gedanken, einen Gegenstand) übergehen zu wollen, es aber eben durch diese Ankündigung doch erwähnt und so besonders hervorhebt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Praeteritio

    Für mich ist das die Satire über die Satire. Das ist für mich schon Hohe Schule der Satire. Natürlich ist damit auch die Gefahr des Missverständnisses gegeben.

    Damit hat er Erdogan „vorgeführt“. Mit der Heftigkeit der Reaktion, auch im medialen und politischen Bereich Deutschlands, hat er vermutlich nicht gerechnet.
    Auch wohl nicht damit, dass er so missverstanden wird. Die Löschung in der Mediathek hat daran ihren Anteil. Schlitzohrig(?) hat er der am 1.(!) April zugestimmt. Dadurch konnte und kann sich ein breites Publikum, weil es die Sendung nicht sehen kann, kein wirklichkeitsnahes Urteil bilden.

    Allem Anschein nach, will Böhmermann diesen Rechtsstreit durchziehe. Zunächst hat er auch im Zivilverfahren erklärt, dass er der Einstweiligen Verfügung nicht folgen werde.

    Ich denke wir werden ein Stück Rechtsgeschichte erleben. Sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht.
    Da lehne ich mich bequem in meinem Sessel zurück und erwarte in der Ersten Reihe sitzend, geduldig das Ergebnis ab.

    Allerdings sollte uns das nicht von den wirklich drängenden politischen Fragen ablenken.

    Nicht ein Integrationsgesetz ist notwendig, sondern ein Einwanderungsgesetz. So wird das Pferd „vom Schwanz her aufgezäumt“.

    Ihren sonstigen Ausführungen zum Thema, werter Herr Helmes, kann ich zustimmen.
    Mich hat auch eine beleidigende „Satire“ aufgeregt: Der befleckte Papst.
    Aber so was wird von der breiten Öffentlichkeit anders gesehen. Die regt sich lieber über Böhmermann!

    Herzlich, Paul

  4. conservo schreibt:

    @ Paul: „Für mich ist das die Satire über die Satire. Das ist für mich schon Hohe Schule der Satire. Natürlich ist damit auch die Gefahr des Missverständnisses gegeben.“

    Na, verehrter Herr Paul, Sie wissen, daß ich Ihre Meinung hoch achte. Aber hier komme ich nicht mit. Natürlich bin auch ich ein Verfechter der Meinungsfreiheit – gerade weil ich für meine Meinung mehr Prügel denn Anerkennung kriege. Aber das, was Herr Böhmermann abgesondert hat, fällt für mich nicht darunter – egal aus welchem Grund er das getan hat. Wenn Sie seinen Text vorbehaltlos lesen, ist es (zumindest) Beleidigung – ein gewolltes Niedermachen. Aber das tut Satire nicht, und das ist auch nicht Meinungsfreiheit, sondern schlicht: Beleidigung. (Und ich weiß Gott (und wissen meine Leser) kein Freund von Erdogan.
    Herzlichst
    Ihr PH

  5. conservo schreibt:

    @ Paul: Entschuldigung fürs Nachfassen. Habe gerade den Kommentar von „Schippendraht“ zu dem vorstehenden Artikel von Herrn Gassen gelesen, und der paßt genau zu meinem:

    „Eine Antwort zu Satire ??
    karlschippendraht schreibt:
    14. April 2016 um 05:13 (Bearbeiten)
    Unbenommen der Tatsache, dass Erdogan den Islamofaschismus verkörpert, darf man Satire nicht mit Narrenfreiheit gleichsetzen. Und hier stellen wir fest, dass die Hemmschwelle zum Straftatbestand der Beleidigung oder üblen Nachrede kontinuierlich sinkt . Allerdings gibt es dabei gravierende Unterschiede! Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird nur dann eingefordert, wenn es der Linksschickeria zum Nutzen ist . Sollte eine Satire mal nicht aus dem linken Lager kommen, so wird nicht auf freie Meinungsäußerung plädiert, sondern lautstark auf Volksverhetzung !!!
    Das sittliche Niveau ist in Deutschland rapide gesunken. Heutigen ” Comedians ” und angeblichen Satirikern geht es überhaupt nicht mehr darum, einen kritikwürdigen Sachverhalt zu karikieren, sondern diesen Leuten geht es einfach nur darum, Gags und Pointen zu erzeugen, zu provozieren – auf welchem Niveau auch immer .

    .

    • Paul schreibt:

      Kein Problem, werter Herr Helmes.
      Wir müssen nicht immer einer Meinung sein.
      Wie ich schon schrieb hilft das Lesen des Textes nicht zum Verständnis. Es ist notwendig die wenigen Minuten seiner Sendung zu sehen. Sonst kann man die Satire nicht verstehen. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

      Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie der Rechtsstreit ausgeht.
      Mal sehen, wie das Gericht das mit der Praeteritio sieht.

      Bei den allgemeinen Aussagen von karlschippendraht bin ich nicht weit weg von Ihnen.
      Hallervorden z.B. mit seiner Satire gegen die kath. Kirche ist mir so zuwider, dass ich ihn mir nicht ansehe. Auch so manch anderen Komiker meide ich.
      Bei der Anstalt, wenn ich sie überhaupt mal sehe schalte ich oft weg, weil ich es als nieveaulos empfinde. Nun ist das meine persönliche Meinung, die sicherlich auch nicht Mehrheitsfähig ist.

      Pirincii mit seinem KZ-Bezug ist ein Beispiel wie gegen einen satirischen Vergleich vorgegangen wird. (Was ist eigentlich aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn geworden?)

      In diesem speziellen Fall von Böhmermann bin ich gespannt wie es ausgeht Nichts wünsche ich mir mehr, als das der größenwahnsinnige Diktator eine Klatsche bekommt.
      Das wird sich aber so lange hin ziehen, dass es niemanden mehr interessiert.

      Viel Wichtiger ist mir, dass die EU endlich ihre Außengrenzen bewacht. Besonders in Griechenland. Dann kann uns der Erdogan den Buckel runter rutschen.

      Erdogan ist wohl ein bekennender Muslim. Nur so bekommt sein Verhalten einen Sinn. Er ist Teil der Invasion des Islam, der Europa erobern möchte. Die „Flüchtlinge“ sind die Invasoren ohne Waffen. Nur so bekommt das Ganze für mich einen Sinn.

      Herzlich, Paul

  6. Paul schreibt:

    Werter Herr Peter Helmes.
    es geht mir nicht um Recht haben, sondern nur um Meinungsaustausch.
    Gerade bin ich auf den Artikel von Alexander Thiele „Erlaubte Schmähkritik? Die verfassungsrechtliche Dimension der causa Jan Böhmermann“ aufmerksam gemacht worden.

    Dort werden genau die Gedanken entwickelt, die mich auch zu meiner Meinung geführt haben. Nur hat Thiele das qualifizierter dargelegt als ich es kann.,

    Die anschließenden Kommentare habe ich nur überflogen. Natürlich wird auch seiner Auffassung widersprochen.
    Wenn ich das hier einstelle, dann nur deswegen, weil ich meine Meinung auf ein besseres Fundament stellen möchte und weil ich mir vorstellen kann, dass für Sie auch eine gegenteilige Meinung interessant sein kann.

    Herzlich, Paul

  7. francomacorisano schreibt:

    Wenn diese Zwei (Erdogan + Böhmermann) sich streiten,
    freue ich mich als Dritter……..

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