Bischof Schneiders Wort zu Amoris Laetitia gibt Orientierung im Chaos

(www.conservo.wordpress.com)

Von Mathias von Gersdorff *)

Mathias von Gersdorff

Mathias von Gersdorff

Lockerung der Sexualmoral?

Wenige päpstliche Dokumente der letzten Jahrzehnte wurden derart häufig kommentiert wie das Apostolische Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus.

Dieses Dokument ist das Ergebnis einer öffentlichen Debatte, die über zwei Jahre anhielt. Diese Debatte nahm ihren Anfang mit einer Rede von Kardinal Walter Kasper, in welcher er die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion unter gewissen Voraussetzungen empfahl. Ein solcher Schritt hätte entscheidende Konsequenzen für die Christologie, für die Gnadenlehre, für die Moraltheologie und für das Verständnis des römisch-katholischen Lehramtes. Aus diesem Grund entzündete sich eine heftige Debatte, an der viele Kardinäle, Bischöfe, Theologen und auch viele Laien teilnahmen. Eine Unterschriftensammlung mit dem Namen „Ergebene Bitte an Papst Franziskus“, die sich gegen die Reformvorschläge von Kardinal Kasper wandte, sammelte über 80.000 Unterschriften.

Die Kommentare zu „Amoris Laetitia“ lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Die progressiven Kräfte, die sich seit langem eine Lockerung der Sexualmoral wünschten (als ob die Kirche diese zu ändern befugt sei), loben das Dokument, weil es angeblich die Sexualethik liberalisiert.

Wichtig zu beachten ist, dass diese Gruppen in Amoris Laetitia den Anfang  eines Prozesses sehen. Dieses Spektrum ist der Auffassung, dass die Sprache und die Behandlung moralischer Sachverhalte sich nun völlig verändert hätte. Amoris Laetitia sei also so etwas wie der Beginn eines endlosen Dialogprozesses über moralisch relevante Themen.

  1. Es gibt viele konservative Kleriker, die der Auffassung sind, Amoris Laetitia hätte nichts an der Lehre geändert. Das Dokument sei völlig im Einklang mit der Tradition der Kirche, insbesondere mit dem Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahre 1981. In diesem wurde die Lehre der katholischen Kirche zu Ehe und Familie bekräftigt. Ebenso wurde erneut die Nichtzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion erläutert (FC Nummer 84). Für diese Gruppe ist Amoris Laetitia also so etwas wie „Papstdokument as usual“.

Insbesondere von Publizisten im Laienstand kam sehr viel Kritik gegen diese Lesart des Dokuments. Sie werfen den Autoren vor, dass sie die Irrtümer im Dokument nicht sehen wollten, etwa nach dem Motto: „Es darf nicht sein, was nicht sein soll.“ So hat sich eine dritte Gruppe von Kommentatoren gebildet:

  1. Manche Theologen, aber auch Laien, sind der Auffassung, dass Amoris Laetitia Irrtümer enthält. Amoris Laetitia würde eine Situationsethik [also die sagt, die Lebensumstände seien bei der Beurteilung von moralischen Verfehlungen entscheidend] vertreten, den Gradualismus [gemäß dem auch uneheliche Partnerschaften Gutes enthielten und eine Art Weg hin zur sakramentalen Ehe seien] absegnen usw.

Die zweite und die dritte Gruppe eint, dass sie im Grunde ein schnelles Ende der Diskussion erreichen möchten: Die einen meinen, Amoris Laetitia ist „o.k.“, und wir können zum Alltag übergehen. Die anderen sagen, Amoris Laetitia würde Irrtümer enthalten, und gegen diese Irrtümer müsse Widerstand geleistet werden.

Unnötig zu sagen, dass für den normalen Gläubigen diese Situation regelrecht chaotisch und verwirrend aussieht. Er gewinnt den Eindruck, jeder interpretiert das Schreiben, wie es ihm gefällt.

Empfehlenswert für diese Gläubigen ist die Lektüre der Stellungnahme von Weihbischof Athanasius Schneider von Astana, Kasachstan.

Seine Hauptaussage: Amoris Laetitia ist verwirrend, und solange diese Irritation durch eine Klärung des Papstes oder der Glaubenskongregation nicht beiseitegeschoben wird, wird diese Verwirrung fortdauern.

Weihbischof Schneider zeichnet also ein Szenario, das zwar nicht erfreulich, aber durchaus realistisch ist. Im Grunde befindet sich die Kirche – was die Sexualmoral und die Lehre der Kirche über die Ehe betrifft – in dieser Lage seit etwa zweieinhalb Jahren, also seit der oben erwähnten Rede von Kardinal Walter Kasper. Papst Franziskus wollte bislang kein klärendes Wort aussprechen, und nichts spricht dafür, dass er seine Haltung ändert.

Weihbischof Schneider schildert im Detail die Krise des Arianismus in der Kirche des vierten Jahrhunderts. Diese Krise war auch eine Folge einer allgemeinen begrifflichen Verwirrung, die sehr lange anhielt. Die Partei, die sich eine Klärung wünschte, musste nicht nur recht lange darauf warten, sondern wurde auch verfolgt.

Der Katalog von Punkten in Amoris Laetitia, die laut Weihbischof Schneider geeignet sind, Verwirrung zu stiften, ist lang. Entsprechend lang kann also die Zeit dauern, die wir warten müssen, bis alle diese Punkte ausgeräumt sind.

Wieso lässt Gott eine solche Verwirrung in Seiner Kirche zu? Will er uns prüfen? Will Er unseren Glauben und unsere Treue auf die Probe stellen? Wir können es nicht wissen, denn die Wege des Herrn sind unergründlich.

Demut ist die Tugend, wie wir brauchen, um in dieser Situation zu bestehen. Und Geduld, denn es liegt nicht an uns zu entscheiden, wann diese Prüfung vorüber geht.

Diese Geduld bedeutet aber nicht, dass wir uns mit dem Vordringen von Irrtümern abfinden dürfen: Wir müssen entschlossenen Widerstand gegen diejenigen leisten, die die katholische Lehre zu verfälschen suchen.

Richten wir in dieser Stunde unsere Gebete zur Allerseligsten Jungfrau Maria, makelloses Beispiel an Demut und Geduld. Auch sie musste Situationen durchleben, die sie nicht verstand: Die Worte des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung des Herrn, der Verlust des Jesus-Knaben im Tempel, das äußerlich wahrnehmbare Nichtbeachtetwerden durch ihren Sohn in Kafarnaum. Stets blieb sie ruhig, gehorsam und treu, ohne den leisesten Hauch von Auflehnung.

Trotz all dieser Verwirrung können wir zuversichtlich hoffen: Nichts lässt Gott zu, ohne dass es am Ende zur größeren Verherrlichung Seines Sohnes dient: Auch aus dieser Krise wird die Kirche in neuem Glanz und neuer Herrlichkeit hervortreten. Daran dürfen wir felsenfest glauben.

(Original: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2016/05/bischof-schneiders-wort-zu-amoris.html)*) Mathias von Gersdorff ist freier Publizist und Betreiber des blogs „Kultur und Medien“ und http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/
www.conservo.wordpress.com  13. Mai 2016

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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