Der Ärger der Woche: Woelkis Kommentare zur Flüchtlingskrise

(www.conservo.wordpress.com)
Zeichnung: Fridolin Friedenslieb

Zeichnung: Fridolin Friedenslieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von Georg Vendel

Eure Eminenz Kardinal Woelki,

im „Kölner Stadt-Anzeiger“ haben Sie dieser Tage wieder einmal die Flüchtlingspolitik Deutschlands und der EU scharf kritisiert und moralisch angeprangert.

So haben Sie z. B. vor dem Kölner Dom an Fronleichnam die „Abschottungspolitik“ Deutschlands und der EU moralisch medienwirksam anprangern.

Als Christ und Katholik treiben sie mir und vielen Glaubensbrüdern und -schwestern mit solchen ignoranten und völlig unsachlichen Äußerungen und Aktionen die Zornesröte ins Gesicht und den Blutdruck hoch, Eminenz.

Kein anderes europäisches Land hat 2015 und 2016 so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Deutschland. Unsere Städte und Gemeinden ächzen unter der Last der Flüchtlingsflut und dem Problem, die Flüchtlinge angemessen und nachhaltig unterbringen sowie integrieren zu können. Dort geht nichts mehr, die schaffen das nicht mehr.

Die hoch verschuldeten Städte und Gemeinden müssen sich vor dem Hintergrund des Flüchtlingstsunamis noch höher verschulden als bisher schon.

Doch letztendlich müssen wir, die Bürger und Steuerzahler, die gewaltigen Kosten zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in Form von immer höheren Steuern und Gebühren bezahlen.

Diese zusätzlichen Kosten sind für eine normale Familie oder für einen normalen Alleinverdiener kaum noch zu tragen. In der Folge verarmen immer größere Bevölkerungsschichten auch aus dem Mittelstand und sind selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen. Immer mehr, besonders ältere Menschen, betteln auf der Straße oder suchen in Mülltonnen nach Pfand-Flaschen oder -Dosen oder gar nach Lebensmitteln, dies auch in Köln. Das ist die Realität in Deutschland 2016, Eminenz!

Und wenn Sie das nicht glauben mögen, dann gehen Sie doch bitte einmal in ziviler Kleidung und ohne Begleitschutz tagsüber, abends und nachts durch die betreffenden Viertel ihrer Stadt Köln, dann werden Sie sehr schnell mit den Realitäten unliebsam konfrontiert werden, Herr Kardial.

Sind Sie sich dessen eigentlich als hochbezahlter Mann der Kirche in Ihrem intellektuellen Elfenbeinturm bewusst? Mit Ihren weltfremden und realitätsverdrängenden Forderungen verschärfen Sie diese gesellschaftlichen Skandale in Deutschland noch weiter und treiben so Zug um Zug die Bevölkerung mehrheitlich in Armut und Elend.

Deutschland ist insgesamt gesehen überhaupt kein reiches Land. Nur weil dort eine besonders reiche Minderheit besonders viel besitzt oder weil dort die Kirche besonders reich ist, deshalb ist die gesellschaftstragende Mehrheitsgesellschaft noch lange nicht reich, im Gegenteil, wie Sie wissen sollten.

Wer zahlt dann, Eminenz, wenn die deutsche Bevölkerung finanziell und wirtschaftlich am Ende und völlig ausgeblutet ist? Das Ausland oder die superreiche katholische Kirche etwa? Wohl kaum.

Die katholische Kirche selbst und besonders die reiche Erzdiözese Köln nennt enorme Reich- und Besitztümer ihr eigen. So wird das Vermögen der Erzdiözese Köln alleine auf 3,5 Milliarden geschätzt.

Nun frage ich Sie, Eminenz, was tragen Sie als Kirche bzw. als Erzdiözese Köln dazu bei, diese gesteuerte Flüchtlingsflut zu bewältigen und mitzufinanzieren?

Wie viele Flüchtlinge haben Sie, Eminenz, denn persönlich bei sich in Ihrem noblen Amtssitz kostenlos untergebracht?

Wie viele Flüchtlinge hat die Erzdiözese Köln in ihren sehr zahlreichen Immobilien kostenlos untergebracht?

Wie viele Flüchtlinge hat die katholische Kirche in Deutschland insgesamt kostenlos untergebracht?

Wie viele Flüchtlinge hat die römisch-katholische Kirche in Europa sowie in Rom kostenlos untergebracht?

Von Papst Franziskus las ich, dass er ganze 13 muslimische Flüchtlinge im Vatikan aufgenommen hat. Das ist wahrlich eine „gigantische“ Menge, gemessen am finanziellen und immobiliaren Potenzial der römisch-katholischen Kirche in Rom. Christliche Flüchtlinge mochte er aber nicht aufnehmen, werden diese doch besonders ausgerechnet von Muslimen verfolgt, vertrieben und ermordert. Wirklich eine tolle Vorbildfunktion von Papst Franziskus, die eigentlichen Opfer des nahöstlichen Dramas, nämlich die Christen, vor den Toren des Vatikans stehen zu lassen und Muslime dann auch noch derart zu hofieren.

Was uns besonders an Ihnen aufregt, Eure Eminenz, ist, dass Sie für andere stets gute Vorschläge und medienwirksame Sprüche parat haben, dass sie selbst aber in der Praxis nicht mit gutem christlichem Beispiel vorangehen. Damit machen Sie sich mehr als unglaubwürdig.

Abschließend möchte ich noch kritisch anmerken, dass die Bewältigung der globalen Flüchtlingskrise überhaupt nicht ausschließliche Aufgabe Europas und schon gar nicht die Deutschlands ist, sondern eine weltweite Aufgabe, die der Koordinierung und Steuerung der dafür zuständigen UN bedarf, so wie das jetzt leider viel zu spät auf dem jüngsten G7-Gipfel in Japan besprochen und beschlossen wurde.

Eure Eminenz, mit Ihren ständigen pauschalen und unsachlichen Äußerungen und Einmischungen in die Politik zulasten von uns Bürgern, Christen und Katholiken verärgern sie uns immer mehr. Ich empfehle Ihnen brüderlich, dass sie sich entweder aus solchen Themen heraushalten oder dass Sie uns als Kardinal und als Kirche zuerst einmal mit gutem Beispiel sichtbar vorangehen, bevor Sie uns Bürger und Mitchristen derart weiter moralisch traktieren.

Ihre ständigen moralische „Auspeitschungen und Keulungen“ wollen wir nicht mehr hören bzw. nicht mehr ertragen, Eminenz.

Wir, die Bürger dieses Landes, wir Christen, wir Katholiken in Deutschland haben zur Bewältigung der globalen Flüchtlingskrise bisher schon mehr als genug getan. Mehr als wir eigentlich verkraften können, mehr als es uns und unseren Kindern in die Zukunft gesehen gut tun wird. Auch mehr, als es für die christlichen Kirchen in Deutschland gut ist, das werden Sie und Ihresgleichen schon bald zu spüren bekommen.

Nun ist in der Flüchtlingskrise der Rest der Welt gefordert, und auch die katholische Kirche weltweit selbst.

Deutschland ist nicht im Stande, die ganze Welt retten zu können, auch wenn das weltfremde und verträumte Sozialromantiker gerne so sehen. – Ich hoffe, dass Sie nicht zu denen gehören.

Möge Gott Ihnen Erleuchtung schenken, Eure Eminenz!

Mit christlichen Grüßen

Georg Vendel

www.conservo.wordpress.com 28. Mai 2016
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Über conservo

„Conservo“ war 25 Jahre hauptamtlich in der Politik tätig. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 21 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre lang freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 44 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und Blogs. conservo ist ein überzeugter Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Als Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen e.V.
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3 Antworten zu Der Ärger der Woche: Woelkis Kommentare zur Flüchtlingskrise

  1. Pingback: 20 Tage in Deutschland ist und zehn Straftaten begangen | inge09

  2. Querkopf schreibt:

    EIne plausible Erklärung für Woelkis Wunsch nach noch mehr Flüchtlingen könnte z.B. sein, dass die Erzdiozöse Köln einen riesigen Immobilenbesitz hat. Mit der Unterbringung von Flüchtlingen lässt sich sehr viel Geld verdienen. So betreibt alleine die Caritas 82 Asylbewerberheime und 31 Beratungsstellen in Deutschland. Pro Flüchtling bekommt man als Vermieter 36 € pro Tag und pro Kopf an Miete! – Nun verstehen wir Sie besser, Hr. Woelki!

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