Nachtrag zum 17. Juni: „Ab nach Sibirien“

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmessibirien

Zum gestrigen nationalen Gedenktag erreichten mich viele Zuschriften, überwiegend von Zeitzeugen, die den 17. Juni 1953 selbst miterlebt haben. Aus der Fülle der Berichte will ich einen herausgreifen, der mir symptomatisch für das damalige Klima zu sein scheint:

„Lieber Herr Helmes,

wie Sie wissen, komme ich aus Eisenach in Thüringen.

Ich habe als junger Bub den Aufstand noch klar im Gedächtnis.

Meine Schwester hatte gerade das Abi gemacht. Aus Wut über das Regime hatte ihre Klasse die Russenfahne auf dem Schulhof abgebrannt. Die ganze Klasse wurde daraufhin auf dem LKW der Russen abtransportiert, und sie war 8 Tage verschollen!!!

Nach dem Aufstand hat mein Vater vom damaligen Bürgermeister, mit dem er das Abitur gemacht hatte, erfahren, dass er Listen hatte.

Auf den Listen waren ca. 500 Personen benannt, die politisch unkorrekt waren und deswegen nach Russland in den Ural umgesiedelt werden sollten. Auch unser Name war auf der Liste!!

Daher meine grenzenlose Wut, dass heute wieder die gleichen politischen Verbrecher in Thüringen das Sagen haben!!

Ich werde das Handeln dieser Politknechte mein Leben lang nicht mehr vergessen!!

Entschuldigen Sie meinen Kommentar, aber es mußte raus!!

Herzliche Grüße, Ihr J. A.

www.conservo.wordpress.com   18. Juni 2016
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Über conservo

„Conservo“ war 25 Jahre hauptamtlich in der Politik tätig. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 21 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre lang freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 41 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und Blogs. Vor allem aber: Er ist auch Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Als Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen e.V.
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5 Antworten zu Nachtrag zum 17. Juni: „Ab nach Sibirien“

  1. karlschippendraht schreibt:

    Gestern hielt Freya Klier in Otterndorf einen emotional stark berührenden Filmvortrag zum 17. Juni .
    Bei der anschließenden Diskussion fragte ich , ob man bezüglich der tödlichen Mentalität eine Hilde Benjamin und einen Roland Freisler auf die gleiche Ebene stellen könne . Freya Klier gab keine konkrete Antwort sondern versuchte einen verbalen Eiertanz.

  2. text030 schreibt:

    Den 17. Juni habe ich genutzt, um zwei scheinbar gegensätzliche Veranstaltungen zu besuchen. Doch sind diese mehr miteinander verbunden, als es auf den ersten Blick scheint. Ich werde darüber auf meinem Blog berichten.

    Das erste ist das Projekt des „Zentrums für politische Schönheit“ Flüchtlinge fressen, Not & Spiele – das wie bereits vergangene umstritten ist. Ich hatte seinerzeit einen Artikel geschrieben, als die Kreuze der Mauertoten am Berliner Reichstag entfernt wurden, um sie an den EU-Außengrenzen aufzustellen, um sich mit den aktuellen Flüchtlingen zu solidarisieren. Das hatte auch zu meinem schärfsten Protest geführt. Ich führte mit einem Projektverantwortlichen ein ausführliches Gespräch.
    Die Akteure wollen auch Geld sammeln, um ein Flugzeug mit 100 Flüchtlingen von der Türkei nach Deutschland schicken. mehr dazu demnächst auf meinem Blog text030.wordpress.com.
    Die Fragen, die sich durch weiterer unkontrollierter Zuwanderung ergeben, beantwortet das Projekt nicht.
    Danach nahm ich eine Einladung der Identitären war, die mich baten, auf meinem Blog darüber zu berichten, was ich annahm. Vor dem ehem. Haus der Ministerien wurde der Opfer des Aufstandes vom 17. Juni 1953 gedacht. Die inhaltlich gute Rede werde ich zu Teilen veröffentlichen. Zuvor hatten Umfragen in meiner Kreuzberger „Heimat“ ergeben, dass fast niemand etwas mit dem 17. Juni anfangen konnte. Auch eine Umfrage unter Studenten ergab ein ähnliches Bild. Einfach nur erschreckend.
    Deshalb auch an dieser Stelle mein Dank an Peter Helmes. der mit excellenten Artikeln das Anliegen politisch Verfolgter der ehem. DDR unterstützt – und hier auch auf das Gedenken zum 17. Juni verwies.

  3. wreinerschoene schreibt:

    Sehr guter Artikel. Ja, leider wurde und wird diese Art der kommunistischen Umerziehung immer wieder vergessen. Menschen die sogar ohne Gründe nach Sibirien geschickt wurden und Familien einen sehr langen Zeitraum nicht wußten wo ihre Angehörigen sind. Vielleicht sollte man wirklich mehr auf Bücher verweisen, von Menschen die diese Art der Folter miterlebt haben um der heutigen Jugend zu zeigen das Kommunismus nichts anderes ist als Faschismus.
    „Ihr verreckt hier bei ehrlicher Arbeit“ (Deutsche im Gulag) wäre so ein Beispiel eines Buches, aber es gibt noch viele andere.

  4. conservo schreibt:

    @: Danke, „text030“, Ihre Anerkennung tut gut und spornt mich an.

  5. Veröffentlichen sie doch alle-denn deswegen hat man ihnen die Berichte doch geschickt.

Kommentare sind geschlossen.