Planen deutsche Gender-Bischöfe schon die nächste Revolte gegen das Lehramt?

(www.conservo.wordpress.com)

Von Mathias von Gersdorff *)

Mathias v. Gersdorff

Mathias v. Gersdorff

Die „Katholische Nachrichten Agentur“ berichtete vergangene Woche über eine Tagung zum Thema „Ist Gender eine Ideologie?“. In dieser soll Weihbischof Ludger Schepers von Essen gesagt haben, bei der letzten Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz sei offenbar geworden, wie groß unter den deutschen Bischöfen die Diskrepanzen hinsichtlich Gender seien.

Bei der letzten Vollversammlung habe es „geknallt“, so Weihbischof Schepers. Er selbst empfiehlt den Bischöfen, lockerer an die Sache ranzugehen, denn Angst sei „immer ein schlechter Ratgeber“. Außerdem solle man zur Kenntnis nehmen, dass es mehr gebe als Mann und Frau, so Schepers in der KNA-Meldung.

Diese Informationen sind spärlich, wurden aber in mehreren katholischen Medien mit Sorge aufgenommen, so Maike Hickson in OnePeter5 und Peter Winnemöller in Kath.net. Diese Besorgnis ist keineswegs unbegründet, denn in der katholischen Kirche in Deutschland gibt es viele, die seit eh und je jede modische Ideologie oder Gedankenströmung mit Sympathie ansehen, solange sie dem katholischen Lehramt widerspricht.

Diese Katholiken wirken wie eine wahrhaftige „fünfte Kolonne“, die den Widerstand der Kirche gegen ihre Feinde im Inneren systematisch zu schwächen versucht.

Was Gender betrifft, ist diese „fünfte Kolonne“ schon eine ganze Weile aktiv. Und nicht ohne Erfolg.

Jüngstes Beispiel ist das Faltblatt „Geschlechtersensibel – Gender katholisch gelesen“, in welchem Gender völlig verharmlost wird. Das Faltblatt wurde mit dem Logo der Bischofskonferenz abgedruckt, was den Protest der Bischöfe Voderholzer (Regensburg) und Algermissen (Fulda) provozierte.

Die Botschaft des Faltblattes ist klar: Gender ist nicht per se schlecht, sondern nur die Extreme – die extremen Befürworter sowie die extremen Gegner.

Treu der von den Deutschen so geliebten Dialektik liegt die Wahrheit in der Mitte, nur seien die Extreme zu vermeiden. Setzt sich diese Sichtweise durch, so wäre Gender im katholischen Milieu verankert. Mit der Zeit würden staatsfinanzierte Theologen dafür sorgen, dass sich immer radikalere Varianten dieser Ideologie durchsetzen. Mit jedem Unterkapitel der sexuellen Revolution ist man so verfahren: Verhütungsmittel, außereheliche (wilde) Verhältnisse, gleichgeschlechtliche Partnerschaften etc.

All diese „Erzeugnisse“ der sexuellen Revolution wurden in Deutschland nach der Salamitaktik „katholisiert“. Aussagen der Päpste oder das katholische Lehramt konnten diese Aufweichung der katholischen Lehre bestenfalls kurz aufhalten. Wird es nun mit der Gender-Ideologie, einer wahren Erz-Häresie, denn sie verneint nicht nur die eine oder andere Lehraussage, sondern gleich die gesamte Schöpfungsordnung, anders sein? Das liegt selbstverständlich in Gottes Händen.

Jedenfalls steht ein Bataillon von Theologen bereit, Gender als regelrechten Bestandteil der katholischen Kirche in Deutschland zu verankern, sicherlich mit Unterstützung von manchem Bischof.

Wieso finden gerade in Deutschland (genauer im deutschen Progressismus) solche irrsinnigen Theorien solch einen starken Nährboden? Diese Frage ist natürlich kompliziert zu beantworten, denn es gibt etliche Gründe.

Sicherlich ist einer davon die Tatsache, dass – was Sexualität anbelangt – sich der deutsche katholische Progressismus schon seit langem von der Naturrechtslehre verabschiedet hat.

Entsprechend dieser Lehre ist eine primäre Funktion der Geschlechtlichkeit die Fortpflanzung.

Diese Sichtweise war immer Bestandteil des katholischen Lehramts. Aus diesem Grund pocht die katholische Kirche darauf, dass der eheliche Akt ausschließlich in einer Ehe vollzogen werden sollte. In Deutschland gab es aber schon in den 1950er Jahren (eigentlich schon viel früher, doch das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen) viele Theologen, die die Naturrechtslehre ablehnten und dafür eine „Situationsbedingte Moral“ bzw. „Situationsethik“ befürworteten. Entsprechend dieser gibt es keine Akte, die von vornherein schlecht oder gut sind. Nein, erst die subjektive Situation macht einen Akt gut oder böse. Demnach gäbe es durchaus Situationen, die beispielsweise die Verwendung von künstlicher Verhütung rechtfertigen. Die Folge dieser Sichtweise ist klar:

Der Geschlechtsakt verliert seinen Zweck zur Zeugung neuen Lebens. Dadurch werden Geschlechtsakt und Fortpflanzung gleichsam auseinandergerissen. Aber auch hier gilt: Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. In der Schöpfungsordnung sind Sexualität und Fruchtbarkeit miteinander verknüpft und die Ehepartner dürfen an Gottes Schöpfungswerk teilhaben. Ob Geschlechtsakt und Fortpflanzung zusammen gehören, hängt für die liberalen Theologen von der individuellen Lebenssituation, von den kulturellen Einflüssen, von den materiellen Bedingungen etc. ab.

Diese Sichtweise von Sexualität fand ihren wichtigsten Niederschlag in der sog. „Königsteiner Erklärung“. Diese Erklärung war ein Akt der Revolte gegen die Enzyklika von Papst Paul VI. „Humanae vitae“, welche die Gültigkeit der Naturrechtslehre bekräftigte, was die menschliche Geschlechtlichkeit anbelangt.

Die „Königsteiner Erklärung“ schwächte entscheidend in Deutschland die Autorität der Naturrechtslehre und erleichterte damit die Akzeptanz von verrückten Ideologien wie etwa Gender.

Gender, jene Ideologie, die besagt, dass die Geschlechter kulturell konstruiert, also willkürlich sind, ist im Grunde die Radikalisierung dieser Ablehnung der Naturrechtslehre: Der Mensch ist nicht entweder Mann oder Frau von Natur (oder irgendetwas anderem) aus, sondern so, wie er sich selbst empfindet.

Welche Funktion der Einzelne bei einem eventuellen Geschlechtsakt hat, ist dann völlig irrelevant. Im Grunde soll die Phantasie festlegen, wofür man sich hält.

Und so wird klar, wieso die deutschen Progressisten Gender mit offenen Armen empfangen werden: Sie wollen völlige Freiheit für ihre Phantasie, um die wildesten theologischen Gedanken entwickeln zu können. Jede Festlegung durch einen Papst oder durch das katholische Lehramt empfinden sie als despotisch und willkürlich.

Selbst essentielle Aussagen über die menschliche Natur werden abgelehnt. Was aus einer solchen geistigen Hemmungslosigkeit entspringt, ist Gender. Gender ist für diese Theologen wirklich wie geschaffen: Eine Denkart, die niemals etwas festlegen will, sondern das Sein als etwas Undefinierbares, weil immer in Bewegung, auffasst.

Weil die Natur, die Persönlichkeit und die Identität des Menschen gar nicht definiert ist, so ist auch die Theologie ein ewiger Fluss, der niemals zu einem endgültigen Ergebnis kommt. Dass eine solche Theologie nicht zum katholischen Glauben passt, liegt auf der Hand.

Die absurde Ersatzreligion der Genderisten endet im Pantheismus und ist ein Aufstand gegen die Schöpfungsordnung.

*) Mathias von Gersdorff ist freier Publizist sowie Betreiber der blogs „Kultur und Medien“ und http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/
www.conservo.wordpress.com  13.10.2016

Über conservo

„Conservo“ war 25 Jahre hauptamtlich in der Politik tätig. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 20 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 36 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und blogs. Vor allem aber: Er ist auch Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Als Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen.
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2 Antworten zu Planen deutsche Gender-Bischöfe schon die nächste Revolte gegen das Lehramt?

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Den seit dem Spanischen Bürgerkrieg gebräuchlichen Begriff der „Fünften Kolonne“ benutzte der katholische Philosoph Prof. Dr. Dietrich von Hildebrand bereits 1973 in seinem Werk „Der verwüstete Weinberg“ um auf offen häretische und blasphemische Strömungen im Klerus aufmerksam zu machen: „Heute können wir die Situation in der Heiligen Kirche nicht mehr „Das Trojanische Pferd in der Stadt Gottes“ nennen. Die Feinde, die im trojanischen Pferd verborgen waren, sind aus dieser Behausung herausgetreten, und die aktive Zerstörungsarbeit ist in vollem Gange. Die Seuche ist fortgeschritten von kaum bemerkbaren Irrtümern und Verfälschungen des Geistes Christi und der Heiligen Kirche bis zu den flagrantesten Häresien und Blasphemien“ (a.a.O. Seite 9). Mit klarem Blick nennt der Autor mit offenen Worten die Feinde Christi innerhalb der Kirche: „Ein vorurteilsloser Blick auf die gegenwärtige Verwüstung des Weinbergs des Herrn kann die Tatsache nicht übersehen, dass sich eine „Fünfte Kolonne“ in der Kirche gebildet hat (sie wird auch von manchen, sogar von kirchlicher Seite als Mafia bezeichnet), eine Gruppe zielbewusster Zerstörer der Kirche. Wir wiesen ja darauf schon in früheren Werken hin. Die Tatsache, dass Priester, Theologen, Bischöfe, die den Glauben verloren haben, nicht aus der Kirche austreten, sondern in ihr verbleiben – ja sich als Retter der Kirche in der modernen Welt aufspielen – ist ein bedenkliches Symptom.“

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