Lieber armer Gutmensch

(www.conservo.wordpress.com)gutmensch

Von Barbara Weigel-Hebenstreit, mit einem Nachwort von Peter Helmes

Ein offenes Wort an die politisch korrekten Zeitgenossen

Gestatte mir, lieber armer Gutmensch, dass ich einmal das Wort ganz persönlich an dich richte:

Was ist denn nun eigentlich los mit dir?

Zugegeben, auch ich hatte in längst vergessenen Tagen diesen Aufkleber mit dem Wortlaut „No Atomstrom in my Wohnhome“ an meiner Zimmertür kleben.

Auch am Auto pappte ein ähnlich dummer Spruch: „Alle Menschen sind Ausländer – überall“.

Und um mein Image als tolle, emanzipierte und politisch engagierte junge Frau vollends „aufzupeppen“, durfte natürlich auch das Che Guevara-Plakat in meinem Zimmer nicht fehlen (obwohl ich gar nicht wusste, wer das eigentlich war) und der aktuelle „Spiegel“ lag natürlich auch immer auffällig irgendwo herum…

Ich war grade mal 15,16 oder 17 Jahre alt und hatte keine Ahnung ob der Bedeutung all dessen. Aber ich bekam aus meinem damaligen Tübinger Studentenfreundeskreis Anerkennung und Lob.

Dann MUSSTE das ja alles gut und richtig sein!

Aber ich wurde älter. Ich wurde selbstständiger, wurde sehr jung Mutter, und damit begann ein anderes Leben:

Jeden Tag arbeiten und Verantwortung übernehmen; das war ab diesem Zeitpunkt mein neues Leben.

Und damit ging auch eine völlig neue Denk- und Sichtweise der Dinge einher.

Ich musste meinen Lebensunterhalt für mich und meine Tochter als alleinerziehende Mutter selbst verdienen, zusehen, dass sie auf gute Schulen ging, konsequent lernte, verschiedene Sportarten ausübte und Freunde hatte, die ihr gut taten. Und vor allem:

Acht darauf geben, dass sie nicht „auf die schiefe Bahn“ geriet. Aber dennoch die Zügel weitestgehend locker lassen.

Ich habe das alles ganz gut hinbekommen.

Mein Kind ist heute eine wundervolle, gütige, beruflich erfolgreiche und unabhängige junge Frau und seit kurzem selbst Mutter…

Warum ich dir das schreibe, lieber Gutmensch?

Weil ich nicht verstehen kann, was du tust, was du willst und was dich antreibt, das zu tun, was du täglich meinst tun zu müssen…

Weißt du, was ich glaube?

DAS, was du vermeintlich sekündlich vorgibst, „Gutes“ zu tun, ist meiner Meinung nach im Grunde nur Eines:

purer Egoismus!

Wenn du auf den Straßen im Kreis deiner Gutmenschen-Sekte „Refugees welcome“ skandierst,

an Bahnhöfen kindlich verklärt Menschen mit irgendwelchen albernen Teddys bewirfst,

eifrig Brote für Flüchtlinge schmierst und bei keiner Menschenkette fehlen darfst….

…dann habe ich den Verdacht, dass es dir keineswegs um den humanitären Gedanken dabei geht, den du vorgibst zu haben, sondern ausschließlich um Anerkennung und Beifall DEINER eigenen, im Grunde bemitleidenswerten Person.

Das ist Egoismus und keine Toleranz!

Ich denke, du bist das vernachlässigte und ungeliebte Kind oder Enkelkind der frühen ´68 er Generation.

Deine Eltern, mit ihren fast schon obsessiven antiautoritären Erziehungsmethoden fast ständig bekifft, mit dir im Schlepptau allabendlich in irgendwelchen verrauchten Szenekneipen unterwegs, haben dich ganz einfach übersehen.

Sie haben dich und deine Geschwister zwar “ irgendwie “ groß bekommen, aber du kanntest nie Grenzen, nie Konsequenzen und wurdest vermutlich auch nie für Fehler liebevoll bestraft.

Genauer betrachtet: Irgendwie gab es dich gar nicht…

Was als „antiautoritäre Erziehung“ auf den Fahnen deiner Eltern geschrieben stand, war in Wirklichkeit nur Eines:

Faulheit, Bequemlichkeit und Desinteresse!

Und genau in diesen Momenten zeigte sich der Egoismus deiner eigenen Eltern.

Sie haben dich nie auf das wirkliche Leben vorbereitet und wollten das wahrscheinlich noch nicht einmal. Vielleicht haben sie dich nicht einmal geliebt…

Dabei hast du dich so sehr nach Aufmerksamkeit und Anerkennung gesehnt….

Du hättest sogar gerne einmal eine Strafe in Kauf genommen, nur um endlich einmal wahrgenommenen zu werden…

Aber sie haben dich übersehen…

Das Che Guevara-Plakat deiner Eltern gibt es immer noch, aber heute hängt es neben den Traumfängern von damals, edel gerahmt im eigenen Reihenhaus, und deine Eltern fahren viermal im Jahr in Urlaub und am Wochenende regelmäßig im Audi A8 zu Giovanni, dem Nobel-Italiener…

Dabei waren sie doch immer gegen das System und gegen den Kapitalismus…

Wenigstens tragen Sie Ihre Klamotten und die Frisuren noch wie damals, aber sie reden kaum noch miteinander.

Deine Mutter trifft man noch ab und an auf Flohmärkten, wo sie in nostalgischer Melancholie ihre selbst getöpferten Vasen anbietet.

Und nun bist du erwachsen , kannst nicht selbständig denken, weil man dir das verboten hat, kannst dein Leben nicht selbst finanzieren, weil man dir das nie beigebracht hat, arbeitest nicht, weil du auch nichts gelernt hast.

Da gibt es nichts, worauf du stolz sein kannst – nur gähnende Leere und Langeweile…

Und weil du so gar nichts hast, was deinem Leben Inhalt gibt, rennst du von einer Demo zur nächsten, schmierst Brote für Flüchtlinge, wirfst Teddys und stehst an Bahnhöfen herum…

Immer sehnsüchtig auf der verzweifelten, sinnlosen Suche nach Anerkennung.

Einen kurzen Moment in der Öffentlichkeit, ein kurzer Moment eingebildeter Geborgenheit unter all den anderen scheinheiligen Gutmenschen, die unter dem gleichen Defizit leiden wie du….

Dann ist dieser Moment auch schon wieder vorbei, und du bist wieder das, was du schon immer warst:

Ein armer, seelisch verkrüppelter Gutmensch…,

ein unscheinbares Nichts – bedeutungslos,

von niemandem beachtet, von niemandem wahrgenommen – und von niemandem vermisst.

Fast könntest du mir leid tun…

Fast!….

**********

Ein persönliches Wort von Peter Helmes an Barbara Weigel-Hebenstreit:

Bravo!

Meine liebe Philosophin, bravo – und danke!

1.) Du wirst vermutlich dem einen oder anderen die Augen öffnen. Und etliche werden das lesen und ein wenig beschämt sein; denn das Beste an Deinem Text ist, daß man nicht widersprechen kann. Sozusagen alternativlos formuliert.

2.) Aus Dir spricht Erfahrung, Lebenserfahrung. Du bist authentisch und dadurch höchst glaubwürdig. Du hast Dich aus eigener Kraft durch Deine Mutterrolle zurück „auf den Boden der Gesellschaft“ geholt. Du warst auch einmal eine „kiffende, spinnerte ´68erin“, aber Du hast etwas gelernt, hast studiert und beruflich Erfolg – eine große Leistung!

3.) Du hältst all diesen narzistischen Bessermenschen den Spiegel vor, ohne zu belehren. Wenn sie in ihrem „gesellschaftspolitischen Bewußtsein“ ihren Verstand noch nicht ganz verkifft, ver“totdiskutiert“ oder sonstwie „versoffen“ haben, werden sie sich selbst fragen müssen, was sie eigentlich wollen. Aber das ist wohl eine vergebliche Hoffnung; denn so selbstkritikfähig sind die Allermeisten von ihnen nicht.

Fazit: Babsi, Deinen Gedanken wünsche ich weite Verbreitung. Unsere Gesellschaft schuldet Dir Dank! Ich denke, daß Du einige zum Nachdenken bringen wirst.

Politisch ausgedrückt: Unsere Gesellschaft muß sich selbst überdenken, die eigenen Positionen überprüfen und am besten – neu anfangen! Danke, Babsi!

www.conservo.wordpress.com   12.12.2016
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Über conservo

„Conservo“ war 25 Jahre hauptamtlich in der Politik tätig. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 21 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre lang freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 41 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und Blogs. Vor allem aber: Er ist auch Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Als Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen e.V.
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5 Antworten zu Lieber armer Gutmensch

  1. greypanter schreibt:

    Lamentieren nützt nichts. Gutmenschen lesen leider nicht – sie haben nie lesen gelernt und wenn sie es könnten, hätten sie nicht die erforderliche Ausdauer und keinen geschulten Verstand, um den Inhalt des Gelesenen zu begreifen. Diese verlorenen Generationen seit den 68-ern sind nicht mehr zu retten.
    Wir müssen aber darauf hinarbeiten, dass die Beliebigkeit in Kitas und Schulen aufhört und wieder eine strenge Erziehung stattfindet. Belohnung und Strafe müssen wieder Bestandteil der Erziehung sein. Notfalls gehört auch körperliche Züchtigung dazu: Es ist inkonsequent und nicht der Erziehung förderlich, wenn das rüpelhafte Kind nach Belieben schlagen und treten darf, ihm selbst aber keinerlei körperliche Gewalt zugefügt werden darf. Freundliche Motivationsversuche allein können den vorwiegend triebgesteuerten Menschen zu wenig beeinflussen.

  2. karlschippendraht schreibt:

    Eine hervorragende und absolut treffende Tatsachenbeschreibung !!!
    Es wäre uns allen hilfreich wenn noch mehr Frauen sich so couragiert offenbaren würden wie Frau Weigel-Hebenstreit.

  3. text030 schreibt:

    „Unsere Gesellschaft muß sich selbst überdenken, die eigenen Positionen überprüfen und am besten – neu anfangen!“

    Diesen Worten von Herrn Helmes schließe ich mich an. Die Gedanken der Autorin zum Phänomen „Gutmensch“ treffen es im Kern!

  4. wreinerschoene schreibt:

    Sehr richtig und gut geschrieben. Gutmensch, ein Wort was sehr viel aussagt. Allerdings sind diese Menschen nur „gut“ zu denen die Ihrer Überzeugung gutheißen. Jeder in der Jugend wollte die Welt verändern, jeder wollte seine Vorstellungen der Welt aufdrücken, leider oder noch besser, zum Glück funktioniert es nicht. Ein wirklich toller Erlebnisbericht. Zum Schluß nur diese Worte: Henry Kissinger: „Der Kommunismus findet Zulauf nur dort, wo er nicht herrscht.“

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