Frau von der Leyen, was soll ich mit den Bildern meines Großvaters in Uniform machen?

(www.conservo.wordpress.com)

Von David Berger *)

„Muss ich – im Rahmen Ihres Entnazifizierungs-Kreuzzugs – die Bilder von den Wänden meiner Großmutter jetzt schon abhängen und entsorgen? Oder kann ich warten, bis die 100-Jährige die Augen für immer geschlossen hat?“

Ein offener Brief an unsere Verteidigungsministerin von David Berger

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

wie ich gestern im „Spiegel“, dem „Sturmgeschütz der Demokratie“, in einer Kolumne des Journalisten Jakob Augstein lesen konnte, gehen sie nun mit eiserner Hand gegen „perverse Sex-Nazis und Wehrmachtsromantiker“ in der Bundeswehr vor. Er steht ganz an Ihrer Seite im Kampf gegen „perverse Sexrituale und Nazischrott in der Bundeswehr“. In diesem Sinne wurde wohl auch das Portrait von Bundeskanzler Helmut Schmidt aus der Bundeswehr-Uni in Hamburg entfernt, dass ihn in Wehrmachtsuniform zeigt.

So erfreulich dieser Kampf für das Gute ist, so schlaflos hat er meine Nacht gemacht. Ich will Ihnen kurz erklären warum:

Als ich den Beitrag von Herrn Augstein las, machte ich eine meiner Nachtwachen bei meiner schwer erkrankten Großmutter in Würzburg. Sie ist im letzten Jahr 100 geworden, hat als Trümmerfrau Deutschland wieder mit aufgebaut. Und drei Kinder als Witwe groß gezogen.

Da sind wir schon an dem Punkt der mir mehr Bauchschmerzen macht als die Frage, wann wir die nächsten Einlagen wechseln:

Über ihrem Bett hängt ein Bild, das ich Ihnen hier beilege. Unschwer ist sie darauf mit ihrem Mann zu erkennen. Und oh Schreck: der damals 21-Jährige trägt eine Uniform der Luftwaffe. Daneben ein weiteres Bild, das ihn ebenfalls in Uniform zeigt.

Daneben unter dem Schrank befindet sich eine alte Eduscho-Dose, in der meine Großmutter die Briefe meines Großvaters, die er ihr von der Front geschrieben hat, gesammelt hat. Sie erzählen von seiner Freude am Fliegen und über die Pakete von Zuhause, mit warmen Socken, fränkischen Würsten und den Fotos seiner beiden Töchter. Eine davon meine Mutter.

Sie erzählen davon, wie sein Flugzeug über dem Kanal im Winter abgeschossen wurde und er an der Lungenentzündung, die er sich im kalten Wasser fast geholt hätte, gestorben wäre. Der letzte Brief ist aus dem Ende des Jahres 1944 und kam aus Russland. Ob er den Brief, in dem sie ihm von der Geburt seines Sohne berichtet, erhalten hat, wissen wir nicht. Jedes Lebenszeichen danach blieb aus.

Meine Großmutter hat mir diese Briefe öfter vorgelesen, besonders im November bevor wir zum Kriegerdenkmal der Stadt liefen und dort an dem 1945er Kreuz für die vermissten Soldaten eine Kerze aufstellten und gebetet haben.

Sie hat von den Bombardierungen Würzburgs erzählt, wie sie mit den Kindern immer wieder in den Luftschutzkeller fliehen musste. Wie sie als Überlebende mit den Kinder durch die Ruinen Würzburgs lief – durch die Mauern einer einst stolzen Stadt am Main; einer der schönsten Barockstädte Deutschlands, die in einem völlig sinnlosen und daher auch unerwarteten Akt noch im März ’45 in Schutt und Asche gelegt wurde.

Ich weiß zwar, dass meine Großmutter – aufgrund ihrer engen Bindung an Katholizismus (ja, er war damals noch regierungskritisch!) und Bayernpartei – niemals eine Nationalsozialistin war. Aber was heißt das schon? Die AfD hat mit den azis ja auch nichts zu tun – und trotzdem tönte es, mit Unterstützung der Landesmutter, in ganz Köln während deren Bundestagung in der ganzen Stadt: „Kein Kölsch für Nazis!“ – Dennoch bin ich ratlos, wie ich mit meinen Sympathien für meine Großeltern umzugehen habe. Zumal ich als schwuler Mann nicht weiß, inwiefern ich durch ihren Kampf gegen „Perverse“ ohnehin schon mitbetroffen bin.

Daher meine Frage: Muss ich jetzt dieses schlechtes Gewissen haben, dass ich damals mit meiner Großmutter in den Erinnerungen mit-litt, dass ich meinen nie gekannten Großvater vermisste, dass ich mittrauerte, wenn in Würzburg alle Glocken dieser Stadt am 16. März läuteten, um an den Beginn des Feuersturms und der fast vollständigen Zerstörung Würzburgs zu erinnern?

Da sie aber derzeit im Rahmen des Entnazifizierungs-Kreuzzugs alles einsammeln, was uns an unsere – wenn auch tragische und von Verbrechen geprägte – Geschichte erinnert:

Muss ich die Bilder von den Wänden meiner Großmutter jetzt schon abhängen und entsorgen?

Ihr geht es nicht gut, wir wissen nicht, wie lange sie noch zu leben hat. Und sie wimmert jedesmal auf, wenn ich die Bilder abhängen will. Können wir noch warten, bis sie ihre Augen geschlossen hat? Oder ist die Gefahr so im Verzug, dass wir möglichst rasch handeln müssen?

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*) Der Berliner Philosoph, Theologe und Autor Dr. David Berger betreibt das Blog https://philosophia-perennis.com/

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Anmerkung conservo/Peter Helmes:

Mein Vater (*1899) hat in beiden Weltkriegen gedient. Er war in der Zentrumspartei aktiv und fühlte sich schon von daher dem Vaterland verpflichtet. (Gott sei Dank habe ich einiges davon geerbt.) Er wird sich im Grab umdrehen angesichts der derzeitigen Hetze gegen das Militär.

Da von der Leyen ganz offensichtlich ein sehr ichbezogenes Persönchen ist, schielt sie nur auf „Ankommen“ bei den Medien. Hätte sie sich ernsthaft mit der Geschichte befaßt, hätte sie (hoffentlich) einen solchen Unsinn nicht von sich gegeben.

Aber vielleicht ist sie – „eine hochmoderne Frau“ – geprägt von den „68ern“, die mit hämischer Freude Tucholsky zitieren: „Soldaten sind Mörder“ (und das BVG läßt dieses auch noch zu).

Angesichts solcher Grundhaltung und Geschichtsklitterung wundere ich (auch ehemaliger Soldat) mich nicht mehr, daß unsere Soldaten nicht verteidigt werden und ihnen kein angemessener Platz in der Gesellschaft eingeräumt wird.

Danke, lieber Herr Dr. Berger, für Ihren eindrucksvollen Brief, den ich gerne übernehmen werde.

www.conservo.wordpress.com   12.05.2017

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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3 Antworten zu Frau von der Leyen, was soll ich mit den Bildern meines Großvaters in Uniform machen?

  1. David schreibt:

    Eine hervorragende Idee: Ich werde Frau vdL ebenso anschreiben und ihr dieselbe Frage stellen. Ich habe nämlich einen (mir natürlich leider unbekannten) Onkel, der im Rußlandfeldzug gefallen ist, verschollen ist. Von ihm gibt es nur ganz wenige Bilder. Eines davon, das ihn im Alter von knapp 20 Jahren in Uniform zeigt, steht bei meiner Mutter (90) im Pflegeheim – sie mochte dieses Bild ihres Bruders ganz besonders.
    Im Pflegeheim hatte jemand vor einiger Zeit das Bild auf die Bildseite gelegt, wahrscheinlich um dieser „Zumutung“, einen deutschen Soldaten der Wehrmacht sehen zu müssen, zu entgehen. Jetzt achte ich sehr genau darauf, daß das nicht nochmals passiert. Sollte das erneut der Fall sein, mache ich ein größeres Theater, so daß das anschließend gerantiert nicht mehr vorkommt.
    Vielleicht teilt mir vdL mit, daß es sich hier auch um eine „Devotionalie“ handelt und ich besser das Bild entferne??

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