PRAENA-TESTS – ein Abgrund der Unmenschlichkeit

(www.conservo.wordpress.com)

Von Klaus Hildebrandt *)

Besonders möchte ich auf den Artikel „Demo vor den Toren des PraenaTest-Anbieters“ (s.u.) hinweisen, der zeigt, dass wir uns mit solchen Tests auf äußerst dünnem Eis bewegen und schnell in den Abgrund der Unmenschlichkeit geraten, und insofern das Gegenteil des medizinisch Erwünschten erreichen. Es handelt sich um das übliche Dilemma zwischen (grenzenloser) Freiheit einerseits und Verantwortung für einander, wie wir es heute an vielen Stellen des alltäglichen Lebens zu spüren bekommen (s. „Homo-Ehe“ und stark zunehmende Kriminalität aufgrund der viel zu vielen so genannten Flüchtlinge, was Politik und Kirchen unisono verneinen).

Lassen Sie uns doch mal ganz nüchtern und ehrlich sein. Ein solcher Gen-Test kann doch nur einen plausiblen Zweck erfüllen: Stellt man einen Defekt beim Ungeborenen fest, würde dies die Entscheidung eine Abtreibung jetzt schon in 9 von 10 Fällen präjudizieren und wäre somit einer bewussten Selektion gleichzusetzen. Durch die Kostenübernahme der Test durch die Krankenkassen und die spätere zwangsläufige Abtreibung, würden nicht nur diese, aber auch die Schuld für deren Tötung auf die Rücken auch derjenigen Kassenmitglieder geladen, die Abtreibung aus Gewissensgründen als Sünde und unnötige, gesetzeswidrige Tötung menschlichen Lebens verneinen.

Insofern stimme ich dem bisherigen langjährigen Vorsitzenden des BvL Martin Lohmann ohne Abstriche zu, dass Abtreibung mit Tötung gleichzusetzen ist, warum das grundsätzlich ja auch verboten ist. Auch würde es dieser Test ermöglichen, bereits vor der 10. Schwangerschaftswoche das Geschlecht eines noch ungeborenen Kindes zu ermitteln. Ich schließe nicht aus, dass es Menschen in unserem Lande gibt, die ihr Kind nur wegen eines unerfüllten Wunsches nach einem bestimmten Geschlecht abtreiben würden. Zudem könnte sich die Bevölkerungsstruktur wie nach einem Krieg drastisch – einseitig – verändern mit verheerenden Folgen für uns alle.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, langjähriger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, hat recht mit seiner Feststellung, „es sei ein Skandal, dass es in Deutschland wieder eine Selektion von Menschen mit Behinderungen gebe.“ Damit spiegelt er die ganze Realität dieser augenscheinlich fürsorgerischen Tests wieder, was sich ändern muss. Niemand hat ein Recht auf Tötung eines Menschen, ob groß oder klein, ob Mädchen oder Junge oder ob behindert oder gesund. Dann müste man konsequenterweise alle, die im Laufe ihres Lebens z.B. durch einen Unfall, Krankheit oder OP eine Behinderung erfahren, wegmachen. An diesem Grundsatz wahrer christlicher Nächstenliebe müssen wir festhalten.

Auch wenn sich die meisten von uns mit den medizinischen Techniken und Feinheiten nicht im Detail auskennen, so sind wir alle doch Menschen, die füreinander denken, empfinden können und in Gemeinschaft miteinander leben. Wir leben in einem reichen Lande, wo viel Geld für viel Unnützes (s. Türkei) verschwendet wird, so dass es daran alleine wirklich nicht liegen dürfte.

Bitte nehmen Sie am Samstag, den 16.09.2017 am diesjährigen Berliner Marsch für das Leben teil und zeigen Sie Gesicht. Wenn Sie/wir es nicht tun, wer sonst? Da wird heute viel von Toleranz und individueller Freiheit gesprochen, doch wenn es um die anderen und ausgerechnet die Schwächsten unter uns geht, genau das Gegenteil praktiziert. Besondere danke ich danke Herrn MdB Hüppe für sein beispielhaftes Verhalten aber auch und immer wieder der „Tagespost“ für ihre den Tatsachen entsprechende, ungeschminkte Berichterstattung zu wichtigen gesellschaftlichen Themen.

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Demonstration vor den Toren des PraenaTest-Anbieters  

Konstanz (ALfA). Vor dem Gebäude der LifeCodexx AG in Konstanz haben am vergangenen Sonntag (16.7.) zum wiederholten Male mehr als hundert Menschen demonstriert. Organisiert wurde diese Protestaktion von den „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) e. V. gemeinsam mit der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) e.V.. Das berichtet die überregionale katholische Zeitung „Die Tagespost“.

Das börsennotierte Gendiagnostik-Unternehmen hat unter dem Namen PraenaTest einen Bluttest für Schwangere entwickelt, mit dem sich Chromosomenstörungen wie Trisomie 21 (Down-Syndrom) noch vor der 10. Schwangerschaftswoche feststellen lassen. In Deutschland werden rund 90 Prozent der Kinder, bei denen das Down-Syndrom diagnostiziert wird, auch abgetrieben.

Wie die Zeitung schreibt, waren der CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL) ist, und der Leiter der Molekularen Pädiatrie am Universitätsklinikum Erlangen, Professor Dr. med. Holm Schneider, nach Konstanz gekommen, um zu den Teilnehmern der Kundgebung zu sprechen. Beide Redner hätten betont, es sei ein Skandal, dass es in Deutschland wieder eine Selektion von Menschen mit Behinderungen gebe.

Hüppe, langjähriger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, habe bedauert, in der Gesellschaft herrschten nach wie vor falsche Vorstellungen über das Leben von und mit Menschen mit Behinderung vor. Die Bundesrepublik Deutschland gehöre zwar zu den Erstunterzeichnern der UN-Behindertenrechtskonvention, die Inklusion fordere. Doch sei die Unterschrift unter ein solches Dokument nichts wert, wenn andererseits Menschen mit Behinderung bereits vor der Geburt gezielt ausgesondert und getötet würden. Dem Blatt zufolge warnte Hüppe ausdrücklich davor, den Bluttest zu einer Regelleistung der Gesetzlichen Krankenkassen zu machen. Die Kassen würden damit eine Untersuchung finanzieren, die keinerlei therapeutische Möglichkeit eröffne, sondern „deren einzige Folge die Aussonderung von Menschen mit Behinderung ist. Das müssen wir politisch verhindern“, so Hüppe.

Professor Schneider, der auch einer der beiden stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Aktion Lebensrecht für Alle ist, wies dem Bericht zufolge darauf hin, in der Gesellschaft und bei den Verbänden gebe es einen wachsenden Widerstand, weil die dem Angebot des Tests zugrunde liegende schwerste Diskriminierung behinderter Menschen mit deren Todesfolge abgelehnt werde. „Es ist nicht die Aufgabe der Krankenkasse oder des Staates, Betroffene ausfindig zu machen, um sie zu beseitigen“, wird Schneider zitiert. Vielmehr müsse sich der Staat hinter die Schwachen stellen und diese schützen. Schneider forderte, die Pränataldiagnostik auf die Feststellung von Sachverhalten zu begrenzen, die entweder vorgeburtlich oder direkt nach der Geburt therapieren ließen.

Wie die „Tagespost“ weiter schreibt, nahmen an der Kundgebung auch Menschen mit Down-Syndrom teil. „Auch wenn ich nicht genauso bin wie andere junge Menschen, macht mir das Leben viel Spaß und ich genieße es jeden Tag aufs Neue!“, wird Conny Albert, eine Mitarbeiterin der bayerischen Verkehrspolizei und Trägerin des Down-Syndroms zitiert. „Dass ich ein Chromosom mehr habe, sieht man mir an. Aber weder meine Kollegen noch meine Familie würden auf die Idee kommen, mich auszusortieren.“

Rechtsanwalt Josef Dichgans, Landesvorsitzender der CDL-Baden-Württemberg, wies dem Bericht zufolge darauf hin, dass es für die Opfer des Unrechts keinen Unterschied mache, ob der Staat ihre Rechte wie in der Diktatur selbst verletze oder ob er die Verletzung dieser Rechte nur zulasse. „Der Rechtsstaat hat die Pflicht, die Schwachen und deren Leben zu schützen. Tut er das nicht, verdient er es nicht, hier Rechtsstaat genannt zu werden. Das Recht und das Grundgesetz erkennen das Lebensrecht auch des ungeborenen Menschen ohne jeden Zweifel an“, so Dichgans.

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Niederlande: Vorkämpfer des Euthanasiegesetzes beklagt dessen Entgleisung  

Wien (ALfA). Der niederländische Psychiater und Psychotherapeut Boudewijn Chabot, der als Vorkämpfer und Befürworter des 2002 in Kraft getretenen niederländischen Euthanasiegesetzes gilt, hat sich schockiert über die Praxis der Euthanasie in seinem Land gezeigt. Das berichtet das Wiener „Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik“ (IMABE) unter Berufung auf das „NRC Handelsblad“, das zu führenden Zeitungen des Landes zählt. Wie IMABE auf seiner Internetseite (www.imabe.org) schreibt, sei Chabot über die rasche Zunahme der Zahl von Menschen, die durch Euthanasie den Tod fanden und an einer psychiatrischen Krankheit oder Demenz litten, entsetzt.

Laut IMABE stieg die Zahl der Demenzkranken, die von Ärzten getötet wurden, von 12 (2009) auf 141 (2016). Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Euthanisierten, die eine psychiatrische Krankheit aufwiesen, von null auf 60.

„Das System in den Niederlanden ist entgleist“ und „ich weiß nicht, wie wir den Geist wieder in die Flasche zurückbekommen“ wird Chabot zitiert, der unter anderem die Budgetkürzungen in der Versorgung dieser Patientengruppen und das Wegbrechen staatlicher Schutzmaßnahmen kritisiert.

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Termine  

+ Freitag, 15. September 2017, Berlin

BVL-Fachtagung „Fachgespräch Bioethik und Menschenwürde“, Beginn: 14:00 Uhr, Ende: 17:00 anschl. Gemeinsames Abendessen für Interessierte

+ Samstag, 16. September 2017, Berlin

Marsch für das Leben

Beginn: 13:00 Uhr, vor dem Reichstag

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*) Klaus Hildebrandt ist bekennender, streitbarer Katholik und seit langer Zeit Autor bei conservo

www.conservo.wordpress.com   27.07.2017
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Über conservo

„Conservo“ war 25 Jahre hauptamtlich in der Politik tätig. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 21 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre lang freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 44 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und Blogs. conservo ist ein überzeugter Europäer, für ein Europa der Vaterländer – auf christlich-abendländischem Fundament. Als Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen e.V.
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5 Antworten zu PRAENA-TESTS – ein Abgrund der Unmenschlichkeit

  1. David schreibt:

    Der richtige Adressat wäre allerdings „die Politik“, nicht der Hersteller, der „nur“ versucht, seinen Reibach zu machen. Das ist in anderen Bereichen genauso. Die Parteien haben allerdings mit diesen Tests und den damit verbundenen Konsequenzen kein Problem – in einer Zeit, in der Kinder durch das Gendern und Dinge wie die „Ehe für alle“ zu Objekten und Waren degradiert werden, vgl. hierzu den Beitrag von Birgit Kelle in der JF Nr. 30: „… Das Muttersein wird gerade von der biologischen Abstammung abgekoppelt und zu einem Spielball menschlicher Interessen und vertraglicher Vereinbarungen gemacht. Kinder sind zu einem Geschäft geworden. Das Gebären zu einer Dienstleistung. „Reproduktions-Arbeit“ nennen es die aufgeklärten Gender-Experten der Neuzeit. … “ Das ist der schlimme Weg, den diese Gesellschaft beschreitet. Der Praena-Test fügt sich da nahtlos ein.

  2. greypanter schreibt:

    Die Gegnerschaft zum Pränatalen Gentest zeigt einen religiösen Fanatismus und eine Verleugnung von Tatsachen, die ich einem aufgeklärten Menschen niemals zugetraut hätte. All das Leid und die Mühen, welche die Eltern eines schwer behinderten Kindes auf sich nehmen müssen wird einem religiösen Popanz geopfert, welcher einen erbsengroßen Zellhaufen mit einem Menschen gleichsetzt und dessen bedingungslosen Fortbestand fordert. Hat der Autor dieses Artikels jedes klare Denken und jedes Mitgefühl mit einem schwer behindert zur Welt gekommenen Menschen samt seinen Eltern verlernt? Ist er genauso verblendet und religiös extremistisch, wie ein islamischer Terrorist, dem ebenfalls das Leid seiner Mitmenschen völlig gleichgültig ist? Das Sterben ist unser aller Schicksal und auch das Sterben im hohen Alter kann trotz aller medizinischer Fortschritte extrem grausam sein. Es gibt auch heute noch Fälle von Zuckerkranken, die unter enormen Schmerzen bei lebendigem Leib verfaulen, denen eine absterbende Extremität nach der anderen amputiert werden muss, bis schließlich ihr Herz versagt. Sofern ein schwer behinderter Mensch seine Lage überhaupt begreifen kann sollte man sich fragen: Wie wird er selbst seine Lage beurteilen, wieviel Kummer und Leid wird ihm sein Dasein bereiten? Wollen wir das ihm selbst und seinen Eltern wegen einer unhaltbaren religiösen These zumuten?

    • Der Kommentar zeigt mit dankenswerter Klarheit die Unterschiede zwischem katholisch geprägten Gedankengut und einem rechten Denken auf, welches sich deutlich aus anderen Quellen speist. Mag beide Strömungen das eine oder andere in diesen Zeiten der globalen Transformation verbinden, so bleibt der Kommentar ein eindrucksvolles Zeugnis, dass katholisches, konservatives und rechtes Gedankengut (aller Schattierungen) beileibe nicht identisch sind. Vielleicht ist die Bezeichnung des Lebensschutzes als „religiösen Fundamentalismus“ und dessen Gleichsetzung mit islamistischen Terror nur der sprachlichen Unzulänglichkeit oder der Kirchenfeindlichkeit des Kommentators geschuldet, macht aber deutlich, dass das christliche Menschenbild nicht nur von links attackiert wird. Diese Erkenntnis sei manchem ins Stammbuch geschrieben…

      • greypanter schreibt:

        Greypanter war in seiner Jugend überzeugter Katholik, hatte als Student sogar eine Gruppe des Neudeutschlandbundes geleitet. Das Studium lehrte ihn jedoch klare Logik, welche besagt, dass nur das eigene Wissen die Unterscheidung zwischen Gut und Böse erlaubt. Bei dieser Entscheidung die wissenschaftliche und geschichtliche Erkenntnis auszublenden, lässt einen als unehrlichen, verlogenen Menschen durchs Leben gehen. Aus dieser Erkenntnis zog Greypanter die Konsequenz und trat aus der Kirche aus. Seine Grundüberzeugung behielt er jedoch anhand der historischen Fakten bei: Dass die christliche Ethik von allen Gesellschaftslehren die geeignetste Grundlage für das glückliche Zusammenleben der Menschen ist.
        Greypanter kann in dieser Hinsicht als konservativ bezeichnet werden, jedoch keinesfalls als „rechts“. Er vertritt wirtschaftsliberale Thesen, wie auch Thesen des sozialen Ausgleichs und einer auf Ehrlichkeit und Verlässlichkeit bauenden Ethik. Er betrachtet es als schädliche Lebenslüge, wenn fremd oktroyierte religiöse Thesen über die eigenen Erkenntnismöglichkeiten und Lebenserfahrung gestellt werden.

    • greypanter schreibt:

      Was bedeutet „Lebensschutz“?

      Bei der Definition dieses Begriffs kann auf fundamentale menschliche Erwartungen und daraus resultierende Verhaltensweisen zurückgegriffen werden: Für jeden Menschen ist es von Vorteil, wenn er nicht ständig Angriffen auf sich selbst und sein Eigentum durch andere Menschen ausgesetzt ist. Ein friedliches Zusammenleben bei dem sich eine Gesellschaft auf den gemeinsamen Schutz von Leben, körperliche Unverletzlichkeit und Eigentum verständigt, verhindert Auseinandersetzungen und macht die ständige Kampfbereitschaft samt Bewaffnung überflüssig. Der Lebensschutz bezieht sich dabei auf die Individuen einer Gesellschaft, welche sich auf die Einhaltung dieser Regen verständigt hat. Das Ungeborene ist noch kein Idividuum im Sinne seiner ursprünglichen Definition durch Aristoteles. Trotzdem lässt sich der Schutz des Ungeborenen aus einer naturalistischen oder fundamentalen Gesellschaftslehre, wie oben skizziert ableiten, indem die zukünftigen Eltern des Ungeborenen ebenfalls Anspruch auf Schutz ihres noch ungeborenen Kindes erheben können. Demzufolge resultiert der Schutz des Ungeborenen aus dem Schutzbedürfnis und nach jetziger Rechtsauffassung legalen Anspruch seiner zukünftigen Eltern. Ungeklärt bleibt jedoch die Frage, ob die Gesellschaft gegen den Willen der zukünftigen Eltern einen Schutzanspruch auf das noch ungeborene Leben geltend machen kann. Schließlich zwingt damit die Gesellschaft der schwangeren Frau die großen Unannehmlichkeiten einer Schwangerschaft und die äußerst schmerzhaften Geburtswehen auf. Beiden Eltern wird weiterhin die Last der Jahrzehnte dauernden Fürsorge für das möglicherweise ungewollte Kind aufgezwungen. Darüber gehen die Meinungen seit Jahrzehnten auseinander, was durch die hohe Zahl von erlaubten Schwangerschaftsabbrüchen belegt ist. Diese stehen sicherlich zu Recht in der Kritik, weil bei diesen oftmals nur Gesichtspunkte der Schwangerschaft und Geburt maßgeblich sind. Schließlich besteht ja in den meisten Fällen der Ausweg einer Adoptionsfreigabe. Ganz anders verhält es sich jedoch mit der Geburt eines behinderten Kindes, für das die Chance einer Adoption äußerst gering ist und von der Gesellschaft als extrem unmoralisch verurteilt würde. Daher sollte die weitaus stärkere Beeinträchtigung des Lebensglücks eines Ehepaares durch die Geburt eines schwer behinderten Kindes als verständlicher und akzeptabler Wunsch nach Pränataler Diagnostik und einem gegebenenfalls erfolgenden frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch respektiert werden. Die lebenslange Fürsorge für ein behindertes Kind schließt in dem meisten Fällen das andernfalls in Aussicht stehende Lebensglück durch eine erneute Schwangerschaft mit der darauf folgenden Geburt eines nicht behinderten Kindes aus. Wie herzlos ist es doch, einem Ehepaar dieses Lebensglück aus „religiösem Fundamentalismus“ verwehren zu wollen.

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