Martin Luther – ein Meister aus Deutschland

(www.conservo.wordpress.com)

Von altmod *)

Bald ist es vorüber, das große Luthergedenkjahr. Doch dürfen dieses Jahr dank Luther alle, die schon länger hier leben, und nicht nur wie bisher die Dunkeldeutschen allein, am 31. Oktober einen arbeitsfreien – einen Feier-Tag begehen.

Als ich noch zur Schule ging, seinerzeit in Bayern, war auch in katholischen Gebieten der Reformationstag zumindest ein schulfreier Tag, die Ämter waren geschlossen und aus den evangelischen Kirchen klang mächtig „Ein feste Burg ist unser Gott!“ nach draußen. Das Reformationsgedenken ist inzwischen – mit Ausnahme diesen Jahres – regelrecht verdunstet, und seit geraumer Zeit rückte am 31. Oktober immer mehr ein aus den USA importierter Humbug namens Halloween ins Bewusstsein der bunten Spaßgesellschaft mit ihren verzogenen Blagen.

Ein Weblog-Autor mit meinem Anspruch kann diesen Gedenktag nicht übergehen und sollte dem Magister Luther die angemessene Ehrenerweisung zukommen lassen; aber wie es einer zwiespältigen Persönlichkeit gemäß sei.

Manch einer möchte Luther gerade in diesem Gedenkjahr von dem von seiner Kirche gigantisch aufgerichteten Postament holen; was die Ev. Kirche mit Luther in diesen Zeiten anstelle sei „banal, erbärmlich, albern“ schreibt ein Kritiker. Da wollten wir uns schon anschließen, ist uns doch jeder übertriebene Bahöl per se verdächtig. Doch Ehre wem Ehre gebührt.

Der Sprachmeister
Für nicht Wenige ist Luther der „Der Genialste Sprachschöpfer aller Zeiten“. Zumindest für das Deutsche kann man das wohl gelten lassen. Bezüglich der Sprachmacht Luthers schreibt auch der oben zitierte theologische Kritiker: „Er hat die Menschen erreicht, weil er ihre Sprache sprach.“

Wie das?
Seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche war ein nicht zu übertreffender Erfolg. Zu Luthers Lebzeiten wurde das Buch 500.000mal gedruckt; in einer Zeit, in der im Volk kaum einer des Lesens oder Schreibens mächtig war. Übertragen auf heutige Verhältnisse wäre das eine gigantische Auflage und Reichweite – ein Jahrhundertbestseller.

Luther schuf nicht nur eine Fülle neuer Redewendungen und Metaphern, die aus dem Deutschen nicht mehr wegzudenken sind. Man denke an: wetterwendisch, kleingläubig, friedfertig, lichterloh, auf eigene Faust, für immer und ewig, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Treffsichere Redewendungen, die sofort ins Ohr gehen: „Ein Herz und eine Seele“, „der große Unbekannte“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „im Dunkeln tappen“, „auf Sand bauen“.

Dazu Sprichwörter, die Luther dem Volksmund entnahm: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ – „Hochmut kommt vor dem Fall.“ – „Recht muss Recht bleiben.“ – „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“

Er liebte und schuf klangvolle Alliterationen und Bilder wie „Schmach und Schande“, „Leib und Leben“, „fressendes Feuer“. Nächstenliebe, Herzenslust, Ebenbild, Morgenland, Feuertaufe, Judaslohn, Bluthund, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Lockvogel, Lästermaul, Gewissensbisse.

In einer Zeit, als in Deutschland 20 verschiedene Dialekte gesprochen wurden und es eine bedeutsame Sprachgrenze zwischen dem Nieder- und Oberdeutschen gab, verstand es Luther, mittels seiner Weise die Sprachgrenzen zu überbrücken. Wobei ihm auch die sächsische Kanzleisprache dienlich war.

Seine Leistung würdigten viele Meister unsere Sprache nach ihm. Jacob Grimm etwa schreibt 1822: „Luthers Sprache muss in ihrer edlen, fast wunderbaren Reinheit, für Kern und Grundlage der neuhochdeutschen Sprachniedersetzung gehalten werden“. Heinrich Heine: „Wie Luther zu der Sprache gelangt ist, in der er seine Bibel übersetzte, ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Diese Schriftsprache gibt unserem politisch und religiös zerstückelten Deutschland eine literarische Einheit.“

Daran kann wohl nicht gezweifelt werden.

Luther fand seine deutsche Bibelsprache, indem er auch „dem Volk aufs Maul schaute“. Und Luther war in Manchem das, was man heute einen Populisten nennen würde.

Er war, obschon man ihn gern als Modernisierer bezeichnen wollte, gleichwohl ein Kind und Gefangener seiner Zeit am Ausgang des Mittelalters – und das Gegenteil von „modern“.

Der Antisemit Luther

Vielleicht sollte man Luther besser als Antijudaisten bezeichnen; Antisemit ist ja eher eine Sprachschöpfung unserer Zeiten. Luther pflegte jedoch einen persönlichen Judenhass.

Kann man den religiös bedingten Anti-Judaismus (Alteuropas) neben dem rassistischen Antisemitismus der Moderne beiseiteschieben? Mancher sagt, Luther habe hier statt «Güte und Milde, Hass und Vernichtung der Menschenwürde gepredigt.»

Richtig, denn Luther predigte in der Tat erbarmungslos gegen die Juden und forderte die Obrigkeiten unerbittlich auf, sie zu vertreiben.
Falsch, wenn man unter «Vernichtung der Menschenwürde» die physische Ausrottung aus rassistischen Gründen versteht.

Luther im Original:
«Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen sind und solches öffentliches Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilligt haben …

Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf daß sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande, wie sie rühmen, sondern im Elend (= Ausland) und gefangen, wie sie ohne Unterlaß vor Gott über uns Zeter schreien und klagen.

Zum dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.
Zum vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren …

Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herren, noch Amtleute, noch Händler oder desgleichen sind. Sie sollen daheim bleiben …

Zum sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod und lege es zur Verwahrung beiseite. Und dies ist die Ursache: Alles, was sie haben (wie droben gesagt), haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst keine andere Nahrung haben …

Zum siebenten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen, wie Adams Kindern Gen 3 (19) auferlegt ist. Denn es taugt nicht, daß sie uns verfluchte Gojim wollten im Schweiße unseres Angesichts arbeiten lassen und sie, die heiligen Leute, wollten es hinter dem Ofen mit faulen Tagen, Festen und Pomp verzehren.»

Folgende Fragen seien erlaubt:
Was meinte Luther, als er nahelegte, mit Juden «nach aller Unbarmherzigkeit» umzugehen, «wie Mose tat in der Wüste und schlug dreitausend tot …»?!
Was meinte er, als er gefragt, ob er Juden ohrfeigen würde, gestand, er würde einen Juden «niederwerfen und im Zorne erstechen. Wenn man einen Räuber nach menschlichem und göttlichem Recht zu töten befugt ist, so darf man doch viel eher einen Gotteslästerer umbringen» ?!

Was meinte er, als er seinen vierten Ratschlag gab, «daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren …»?
Bei Leib und Leben, das heißt bei Todesstrafe.

Natürlich hat Luther den Weg nach «Auschwitz» nicht gewiesen, hat aber fraglos damit irgendwie zu tun. Man braucht nicht auf Julius Streicher vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal verweisen, der sagte: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn er noch lebte.“

Es gibt dazu ehrlichere Gewährsmänner als den Erznazi Streicher.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Melvin Lasky, ein junger amerikanischer Schriftsteller, Karl Jaspers in Heidelberg, sprach etwas verlegen-verbindlich über Deutschlands große kulturelle Tradition, nannte Lessing, Goethe, wurde jedoch von Jaspers brüsk unterbrochen und sah sich nach einem kurzen Griff des Gelehrten hinter sich ins Bücherregal mit Luthers «Von den Juden und ihren Lügen» konfrontiert. «Das ist es», sagte Jaspers. «Da steht das ganze Programm der Hitler-Zeit schon!» Und schrieb auch später in «Die nichtchristlichen Religionen und das Abendland»: «Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.»

Der verunmöglichte Aufklärer
Die Welt zitiert in einem Beitrag Margot Käßmann: „Luthers Freiheitsbegriff hat große Konsequenzen nach sich gezogen. ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ als Parole der Französischen Revolution hat im Gedanken der Freiheit eines Christenmenschen durchaus Wurzeln. Am Ende ist der Bogen bis zur Aufklärung zu spannen.“

Man darf sagen, er ist weder Freiheitsapostel noch Vorläufer der Aufklärung. Der amerikanische Luther-Biograf Richard Marius ist der Auffassung, Luther bedeute „eine Katastrophe für die westliche Zivilisation“-?
Starker Tobak.

Aber: Ende des 15. Jahrhunderts führen die Wiederentdeckung der Antike, das Studium des Aristoteles und die Verweltlichung der Kirchenhierarchie dazu, dass sich in der europäischen Elite ein toleranter Skeptizismus breitmacht, am besten verkörpert in den Humanisten um Erasmus von Rotterdam. Dieser Bewegung gegenüber vertritt Luther eine buchgläubige Intoleranz: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“

Die Vernunft ist für Luther „des Teufels Hure“. Kopernikus lehnt er ab, weil seine Erkenntnisse der Bibel widersprächen: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!“ Luther ist immer für die Schrift und nicht für den Verstand oder die Vernunft der Aufklärung: „will doch meinen Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi“. Nach Richard Marius hasste Luther jeden Skeptizismus.

Man darf Luther durchaus als Fundamentalisten bezeichnen, fraglos im Widerspruch stehend zum aufklärerischen Humanismus.

Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner schreibt:
»Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.«

Weitere Zitate von Luther selbst:
„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“

„Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.“

„Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.“

„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird“.

Hexen könnten „Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen, … ein Kind verzaubern, … geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen … Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder …“

„Das ganze Leben solle Buße sein.“

„Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst – das ist wahre Herzensbuße – bestehen bleibt … Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen …“

Selbsthass statt Befreiung: Was für eine finstere Lehre, meint denn der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Essay „Nach Gott“. Sloterdijks Beitrag zum „lutherbesoffenen Reformationsjubiläum“!?

Sloterdijk ist wie der Lutherbiograph Richard Marius bekennender Atheist. Er spricht vom Drama der menschlichen Existenz in der neurotischen Fixierung des Protestantismus auf Sünde und Buße.

Sloterdijk sieht Luther als „Neurotiker“ und „christlicher Salafist“: „Im Hinweis auf die unvertretbare, unkäufliche, unmanipulierbare Buße ist das ganze Programm der Reformation enthalten“. Der Ablasshandel war Luther der Dorn im Auge. Für Luther, der sich in Rom selbst als eifriger Ablassjäger im Heilsdienst der eigenen Seele betätigte, und die ihm nachfolgenden Ideologen des Protestantismus stellte der Ablasshandel vor allem einen Wechsel der Perspektive auf Sünde und Buße dar, die plötzlich lebensbejahend wirkte.

Luther wollte hinter diesen von der Kirche nach vielen Jahrhunderten erreichten Punkt eines menschlichen Daseins in der weltlichen Erlösungsmöglichkeit zurück. In der Beichte seine Sünden zu bekennen und sich durch die Absolution wieder mit Gott im Reinen zu wissen, erschien Luther als Widerspruch zum göttlichen Zwang des Menschen, ein irdisches Leben in der Erlösungsun-möglichkeit zu führen.

Mit seinem „sola gratia-Pathos“ habe Luther die Gläubigen zu einer „extremen Reue-Leistung“ genötigt: „Das Bereuen-Können ist selbst schon Werk der Gnade. Du sollst verloren sein, als ob du gerettet wärest.“

Zuchtmeister und Fürstenknecht
Beginnen wir wieder mit einem Zitat:
„Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“

„Los von Rom!“ War der Wunsch der deutschen Fürsten, der Ritter, Bürger und Bauern, auch um das Eigentum der Kirchen und Klöster an sich zu ziehen.

Daher genoss Luther den Schutz seiner Fürsten gegen Kaiser und Papst. Die geknechteten und in Leibeigenschaft gehaltenen Bauern hatten in ihn Hoffnung gesetzt, nicht nur aus der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen„.

Nach der Eskalierung der Bauernäufstände im großen Bauernkrieg 1524-1526 stellte Luther klar, dass sich die aufständischen Bauern zu Unrecht auf ihn beriefen und ermutigte die Fürsten, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen.

In der Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Obrigkeit auf:

„Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“

„Denn ein Fürst und Herr muß hie denken, wie er Gottes Amtmann und seins Zorns Diener ist (Röm. 13), dem das Schwert uber solche buben befohlen ist und sich ebenso hoch fur Gott versundiget, wo er nicht straft und wehret und sein Amt nicht vollfuhret, als wenn einer mördet, dem das Schwert nicht befohlen ist. Denn wo er kann und straft nicht, es sei durch Mord oder Blutvergießen, so ist er schuldig an allem Mord und Ubel, das solche buben begehen, als der, da mutwilliglich durch Nachlassen seins göttlichen Befehls zuläßt, solchen Buben ihre Bosheit zu uben, so er’s wohl wehren kann und schuldig ist. Darum ist hie nicht zu schlafen. Es gilt auch nicht hie Geduld oder Barmherzigkeit. Es ist des Schwerts und Zorns Zeit hie und nicht der Gnaden Zeit.“

Der historisch in Frage gestellte Spruch „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“, angeblich vor dem Reichstag in Worms ausgesprochen, dient für die Glorifizierung des Reformators bis heute, um seine Aufrichtigkeit, Unerschrockenheit und Freiheitsbekundungen gegenüber der Obrigkeit zu belegen.

Wie passt dazu eine Entscheidung Luthers, mit der er das Gegenteil belegt!?

1540 stimmte Luther in einem schon seinerzeit als skandalös anzusehenden „Beichtrat“ an den Landgrafen Philipp von Hessen dessen Doppelehe mit Christine von Sachsen und mit dem Hoffräulein Margarete von der Saale zu. Philipp war ehedem einer der mächtigsten politischen Verfechter der Reformation, sodaß Luther sich wohl aus Kalkül dem unsittlichen Begehren dieses Fürsten unterwarf. Luther erlaubte und rechtfertigte die fürstliche Bigamie; woran auch Philipp Melanchthon eingehend beteiligt war. Dieser „theologische Skandal“ wurde erst 128 Jahre später bekannt und veröffentlicht.

Allein das Gerücht über die Bigamie des Landgrafen führte damals bald zu einer Schwächung der protestantischen Sache, insbesondere des Schmalkaldischen Bundes. Melanchthon war über diese – auch seine – Abweichung von Christi Gebot „psychosomatisch krank“ geworden, wie man heute sagen würde, und nur Luthers „Gebete“ konnten ihn angeblich heilen.

Ist das, was ich hier alles zum Reformationsfest über Luther zusammengetragen habe, negativ wirkend für das Gedenken an den großen Magister aus Deutschland?

Kritiker werden einwenden, dass man doch Luther in seiner Zeit und Epoche verstehen müsse. Das ändert aber nichts an der Wirkung der Gedanken und Theoreme des Reformators: Die Auflösung der europäischen Einheit der Christenheit mit den späteren Glaubenskriegen und Zerstörungen der deutschen Lande für Jahrhunderte im 30-jährigen Krieg. Die fatale Obrigkeitshörigkeit der Deutschen mit Nachwirkungen bis heute. Und der auch religionsbegründete, mörderische Rassismus in deutscher Ausprägung.

Dagegen stehen: der Anstoß zur Entwicklung der deutschen Sprache als Welt- und Kultursprache durch die Luthersche Bibelübersetzung. Ohne Luther wohl nicht die großartigen Werke eines Johann Sebastian Bach und das, was auch Katholiken mit Luthers Hilfe als unser Liedgut schätzen. Mit seinem Appell „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“, indem er auffordert, eine gute Ausbildung der Jugend zu garantieren, legte er mit die Grundlage für das spätere, öffentliche Schulwesen in Deutschland.

Wie Margot Käßmann mit Luther „den Bogen bis zur Aufklärung zu spannen“ ist wohl überkommen; und für die Greuel der Französischen Revolution und für Hitler wollen wir ihn auch nicht verantwortlich machen.

Es bleibt genügend, um Martin Luther zu feiern.

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 *) „altmod“ ist Blogger (altmod.de) und Facharzt sowie regelmäßiger Kolumnist bei conservo
Audio-Player: http://altmod.de/wp-content/uploads/2017/10/Ein-feste-Burg-ist-unser-Gott.mp3,
Min. 00:00 – 04:39
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Literatur zu „Luther – Ein Meister aus Deutschland“
http://www.conservo.wordpress.com   29.10.2017

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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9 Antworten zu Martin Luther – ein Meister aus Deutschland

  1. Aufbruch schreibt:

    Ist es eigentlich gelungen festzustellen, was Luther wirklich wollte? Nur der Kampf gegen den durch Geld erkauften Sündenerlass wäre zu simpel, um Luther die Bedeutung beizumessen, die ihm zugeschrieben wird. Seine profanen Verdienste um die deutsche Sparache sind unbestritten. Ebenfalls die um die Bibilübersetzung. Ansonsten?

    Luther traf mit der Kritik am Ablasshandel und damit der Kritik an Rom den Nerv der Zeit. Er entkoppelte die kitchliche Macht von der weltlichen. Die weltliche dankte ihm dafür, indem sie in großem Maße den Katholizismus verwarf und dem Protestantismus huldigte. Alles, was heute um Luther herum passiert, ist einerseits die Hochachtung vor dem Sprachschöpfer und dem Bibelübersetzer und andererseits die Befreiung der weltlichen Macht von Rom. Es ist daher dem Protestantismus immanent, auch der weltlichen Macht zu huldigen. Nicht immer zum Guten.

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  2. jheinke schreibt:

    Clever geschrieben von dem Katholiken altmod: Zahllose Hinweise, was für ein finsteres, aus heutiger Sicht verbrecherisches Denken Luther umtrieb, aber ihn doch einen wichtigen, großen Mann nennen: So bleibt das Ziel des Artikels, nämlich Luther zu schmähen und herabzuwürdigen, dem unaufmerksamen Leser unerkannt.
    Die wichtigste, großartigste Leistung Luthers, die ihn zu einer der bedeutendsten Figuren der deutschen, ja der europäischen Geschichte macht, bleibt hingegen unerwähnt:
    Die Befreiung des Christenmenschen von dem Allmachtsanspruch der katholischen Kirche, die ihre Untertanen in der größtmöglichsten Unfreiheit hielt, indem sie behauptete, dass der Weg zu göttlicher Erlösung nur über sie und ihre Priester möglich sei. Die damit sich und ihrem Klerus das ungeheuerliche Machtmittel in die Hand gegeben hatte, über das Seelenheil oder die ewige Verdammnis bestimmen zu können – und dieses Machtmittel hemmungslos anwandte.
    Der Autor unterlässt es vor allem, darauf hinzuweisen, dass die in der Tat entsetzliche Einstellung Luthers zu Juden oder zu Untertanen der Fürsten sich vollkommen mit der Haltung der katholischen Kirche seiner Zeit deckte. Erst als Christen sich von der Macht und Unterwerfung der Katholischen Kirche befreien konnten, haben sie angefangen, diese Haltung zu hinterfragen und zu korrigieren.
    Sicher, es ist zuviel verlangt von einem katholischen Gläubigen, sich zu den Verbrechen seiner Kirche zu bekennen mit ihren Massenmorden an Hexen, Andersgläubigen, der Ausrottung von Katarern, Valdensern und vielen anderen, der offiziellen Legitimierung von Tötung und Versklavung Andersgläubiger, was nahezu zur Ausrottung der indigenen Bevölkerung Mittel- und Südamerikas geführt hat. (Mit seiner Bulle vom 18. 6.1452 legitimierte Papst Nikolaus V. den portugiesischen König, » … die Länder der Ungläubigen zu erobern, ihre Bewohner zu vertreiben, zu unterjochen und in die ewige Knechtschaft zu zwingen.«)
    Dem Leser sei klar, dass hier eine Propagandaschrift vorliegt eines Anhängers einer bis heute zutiefst freiheitsfeindlichen Ideologie, deren oberster Vertreter heute der Massenimmigration das Wort redet und damit dem Untergang unserer jahrtausende alten europäischen Kultur.
    Um dem Einwand zuvor zu kommen, ich betreibe nur den Versuch, den Begründer des Protestantismus rein zu waschen: Ganz gewiss nicht.
    Ich bin kein Christ.

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  3. juetz schreibt:

    In der Biographie von E. Metaxas, über D. Bonhoeffer kommt der Autor über Luthers Judenhass am Lebensabend zu sprechen, aufgrund von schweren Depressionen, und weil „die“ Juden sich so hartnäckig weigerten, sich bekehren zu lassen zu ihrem Messias, und dieser „Judenhass“ wäre keinesfalls rassistisch zu begründen. Die Nationalsozialisten haben das missbraucht.

    E. Metaxas schreibt, S. 123:

    “ Als Luther drei Jahre vor seinem Tod in seiner Schrift <> unter anderem dazu aufrief, die Synagogen und Schulen der Juden anzuzünden, ihre Häuser zu zerstören, ihre Gebetbücher und ihr Geld zu konfiszieren und sie Zwangsarbeiten verrichten zu lassen, war er verbittert. Er konnte sich die jüdische Ablehnung von Jesus Christus nur durch hartnäckige Verstockung erklären. So nahm er die ältere, verbreitete mittelalterliche Polemik wieder auf. Was hätte wohl der jüngere Luther von solchen Äußerungen gehalten ? Aber für Goebbels und seine Helfershelfer war es ein gefundenes Fressen, dass Luthers hässlichste Tiraden in Schirftform existierten, und sie veröffentlichten sie und gebrauchten sie mit hämischer Freude. Denn diese unchristlichen Ausfälle eines im Altevon Krankheit und Schwermut gezeichnetesn Mannes trugen die Imprimatur des großen deutschen Reformators. Die Hundertausende von guten, gesunden Worten, die er geschrieben hatte, interessierten die Männer in Braun weniger. “

    .. eine Seite vorher S,122, weiter vorne schreibt E. Metaxas:
    „.. Im Unterschied zu ihnen ( den Nazis, m.A. ) hat Luther aber nicht rassistisch gedact, sondern vom Glauben her. Anfangs hoffte er, dass die Juden sich zum Glauben an Jesus bekehren würden, wenn ihnen nur das reine Evangelium verkündet würde. … Die Einstellung des frühen Luther zu den Juden war, vor allem für seine Zeit, gradezu vorbildlich. Er fand die Art widerlich, wie die Christen die Juden behandelten. 1519 formulierte er: >> Wer, so frage ich, würde zu unserer Religion übertreten … wenn er sich von uns so grausam und feindselig behandelt sähe <<.

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  4. juetz schreibt:

    … und Luther zu verachten, nur weil er dieser Doppelehe zugestimmt hat .. aus welchen Gründen auch immer … ist ein bisschen billig.
    Die „Päpste“ sind alles andere als wahre Jesunachfolger gewesen.
    Sie sind der Welt verhaftet und befleißigen sich der Titel, die nur GOTT selbst zustehen.

    Die Römisch-Katholische Kirche unter diesem Jesuitenpapst setzt alles daran, wieder in ihre Vormachtsstellung zu kommen. Mithilfe des Islam.

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  5. juetz schreibt:

    http://www.freiewelt.net/nachricht/papst-franziskus-beklagt-dramatische-unfruchtbarkeit-in-europa-10072550/

    ..naja .. da der katholische Klerus zumindest nicht offiziell zur Fruchtbarkeit beitragen kann, hat der „Papst“ ja die richtige Idee: Mehr Zuwanderung.

    Und damit mehr Antisemitismus.

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  6. juetz schreibt:

    .. merkwürdig. Die zitierte Schrift fehlt .. Von den Juden und ihren Lügen …
    ..mal sehen .. ob sie jetzt auch wieder fehlt …

    Also ein Test.

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  7. gelbkehlchen schreibt:

    Guter altmod,
    was Sie da über Luther berichten, ist natürlich nicht gut. Besonders schlecht ist für mich, dass er sich gegen Thomas Müntzer, seinem reformatorischen Mitkämpfer und späteren Anführer der Bauernaufstände, gewandt hat. Denn so wie Luther die Autorität der Kirchenfürsten untergraben hat, ist Thomas Müntzer nur einen logischen Schritt weitergegangen und hat auch die Autorität der weltlichen Macht von Gottes Gnaden nicht mehr anerkannt.
    Aber die Fürsten waren die Schutzpatrone von Luther, und er hat es nicht gewagt, sich gegen seine eigenen Beschützer zu stellen.
    All das Negative, was Sie über Luther berichten, wird aber für mich 1000mal überstrahlt, von seinem Mut, die Autorität der Kirchenfürsten und des Papstes in Frage zu stellen, schon mit der Gefahr, wie Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.
    Worin bestand oder besteht die Autorität der Kirchenfürsten und des Papstes?
    Sie besteht und bestand einzig in der gepredigten Angst vor der ewigen Hölle. Mit dieser Angst bekamen und bekommen die Kirchenfürsten Macht über die Menschen, sie konnten ihren Machtinstinkt befriedigen, und mit dieser Macht, den Menschen bequem und faul auf der Tasche liegen und sie für sich arbeiten lassen. Allerdings gilt das nicht nur für die katholischen Kleriker, sondern für fast alle religiösen Führer, schon für die Priester im alten Ägypten.
    Besonders die Erlösungsmacht und Absolutionsmacht der Kleriker im von den Klerikern geschaffenen Bußsakrament verstärkte die Macht der Kleriker enorm und stellte zwischen den Menschen und Gott eben diese Kleriker, was Luther ja mit seinem „sola gratia“ und „sola fide“ überwinden wollte. Er stellte seine Rechtfertigungslehre, die er auf Paulus stützte und die besagte, dass allein der Glaube gerecht macht, gegen die Werkgerechtigkeit der katholischen Kirche, die gute Werke als Eintrittskarte für den Himmel verlangte. Ihr Zitat von Luther über die Juden, Herr altmod sollte man auf die Kirchenfürsten anwenden:
    „Zum siebenten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen, wie Adams Kindern Gen 3 (19) auferlegt ist. Denn es taugt nicht, daß sie uns verfluchte Gojim wollten im Schweiße unseres Angesichts arbeiten lassen und sie, die heiligen Leute, wollten es hinter dem Ofen mit faulen Tagen, Festen und Pomp verzehren.»“
    Auch was den Antisemitismus oder Antijudaismus anbelangt, hat sich die katholische Kirche nicht mit Ruhm bekleckert, ganz im Gegenteil, sie hat meistens mit den Mächtigen geheult. Vor allen Dingen als es um das Reichskonkordat mit Hitler ging, das den Klerikern die Kirchensteuern, also leistungsloses und bequemes Einkommen auf anderer Leute Schweißtropfen sicherte, hat die katholische Kirche ihre Schäfchen aufgefordert für die Wahl am 12.11.1933 doch Adolf Hitler zu wählen.
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/80-jahre-reichskonkordat-pakt-zwischen-vatikan-und-ns-regierung-fotostrecke-110403-4.html

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  8. juetz schreibt:

    Man kann über jeden dieser großen Männer etwas Negatives finden.
    Calvin zum Beispiel hat mit Hilfe der „Staatsmacht“ andere Gläubige, die seiner Theologie der Prädestination ( die ich nicht für richtig halte ) – die vom Kirchen“vater“ Augustinus herrührt – nicht zugestimmt haben, zu Tode gebracht. Obwohl er ebenfalls viele gute gesunde Worte geschrieben hat und viel für den Alltag getan.
    ( https://www.evangeliums.net/buecher/rezension_eine_frage_der_liebe.html )
    Wir müssen auch unterscheiden, zwischen denen an der Basis und den „Kirchenoberen“. Macht korrumpiert. Das wusste schon Brecht und hat etliche Stücke darüber geschrieben.
    Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral.

    Nicht jeder tritt ein und stirbt für das, was er glaubt.

    Wir werden sehen, wie es generell weitergeht mit der Einebnung der Religionen und wie weit die Römisch-Katholische Kirche alles vereinnahmt, um wieder zu herrschen und sozusagen Könige und Kaiser einzusetzen.
    Und wir werden selbst, die wir an den Heiland Jesus Christus glauben, alle geprüft werden, wie wir uns in der Verfolgung behaupten werden. Und die wird auch nach Europa kommen, denn für meine Begriffe geht es hauptsächlich darum, das Kreuz komplett abzuschaffen .. und ich glaube, dass ganz viele Attentate auch Aktionen sind, die unterstützt werden von Geheimdiensten, mit Verflechtungen, die wir niemals erfahren werden … – so wie im 3. Reich, zB der Reichstagsbrand, der immer noch nicht hinlänglich aufgeklärt ist – um die Menschen insgesamt so zu verängstigen, damit alles gleichgeschaltet werden kann. Wir sind ja auf dem besten Weg dazu.

    Der Glaube, wie ihn Luther aus der Bibel heraus wieder entdeckt hat, und was die Römisch-Katholische Kirche, die schon immer die Bibelgläubigen verfolgt hat – siehe Broadbent, Gemeinde Jesu – https://www.cbuch.de/broadbent-2000-jahre-gemeinde-jesu.html – versucht hat zu vertuschen, jahrhundertelang, wird ans Licht kommen .. immer und immer wieder, egal wer was versucht auszumerzen.
    GOTT kann sein Wort wohl bewahren und tut es auch. Und ER bewahrt die Seinen.
    Dem Einsatz von Luther, Tyndale, Jan Hus und vielen anderen haben wir zu verdanken, dass wir die Bibel selbst lesen und erforschen können und sollen … auch wenn viel Unfug damit getrieben wird und Irrsinniges „erfunden“ wird. Aber nicht Irrsinniger als der Katechismus der Katholischen Kirche, die sich erlaubt Andersgläubige zu verfluchen.

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  9. juetz schreibt:

    Betet so ein Mensch, der Macht haben will ?

    aus: Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu Dir. ( Tägliche Andachten über das Gebet ) von Martin Luther

    Aus Luthers Gebet, bevor er vor dem Reichtag erscheinen musste

    HERR, die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme heben empor die Wellen. Ps, 93,3.

    Ach, Herr, o Du mein Gott. Du, mein Gott, stehe mit bei gegen aller Welt Vernunft und Weisheit ! Tue Du es! Du musst es tun. Du allein – ist es doch nicht meine, sondern Deine Sache. Ich habe hier wegen meiner Person nichts zu schaffen und mit diesen großen Herren der Welt nichts zu tun und wollte wohl auch gute, ruhige Tage haben und unangefochten sein. Aber Dein, Dein ist die Sache, die gerecht und ewig ist. Stehe mir bei, Du treuer Gott.! Ich verlasse mich auf keinen Menschen, das wäre umsonst und vergebens, denn alles, was fleischlich ist, hinkt und schmeckt nach Fleisch. O Gott, Gott !
    O Gott, hörst DU nicht, mein Gott, bist Du tit ? Nein. Du kannst nicht sterben. Du verbirgst Dich allein. Hast Du mich dazu erwählt ?
    So frage ich Dich. Wenn ich es gewiss weiss, nun, so geschehe Dein Wille, denn mein Leben lang habe ich nie gegso große Herren auftreten wollen, habe es mir auch nie vorgenommen. Ach Gott, so steh mir bei in dem Namen Deines lieben Sohnes Jesus Christus, der mein Schutz und Schirm sein soll, ja, meine Felsenburg durch die Kraft und Stärkung Deines Heiligen Geistes !
    ( vgl. WA 35, 213, 38 – 214,14 )

    Und für Luther war die Obrigkeit ja von Gott eingesetzt, so wie es auch in der Bibel steht.
    Röm 13,1 – 4.

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