Vom Denken und Denkern

(www.conservo.wordpress)

Von Jürgen Fritz

Von Jürgen Fritz

„Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es“, meinte der britische Mathematiker, Logiker und Philosoph Bertrand Russell einmal. Warum tun sich viele damit so schwer und was genau ist überhaupt denken?

Das Alleinstellungsmerkmal

Eigentliches, reines Denken findet man nur bei einer Gruppe von Wesen. Sonst nirgends. Das unterscheidet diese Wesen essenziell von allen anderen. Gleichwohl scheint es vielen dieser Wesen alles andere als leicht zu fallen, diese besondere Tätigkeit zu vollziehen. Denken (im eigentlichen, im engeren Sinne) ist dabei etwas anderes als sich erinnern, als assoziieren, als sich etwas ausmalen oder die Phantasie spielen lassen. Das finden wir zumindest ansatzweise, wenn nicht sogar mehr auch bei Hunden, Katzen, Eichhörnchen und erst Recht bei Schimpansen und Delphinen, vielleicht sogar bei Fröschen, Vögeln und Eidechsen, bei Bakterien wohl nicht.

Auch jemand, der sich Sorgen macht, der Ängste hat, die ihm ständig durch den Kopf gehen und der sich ausmalt, was alles Schlimmes passieren kann, was ihm dann das Herz eng macht, ist deswegen kein Denker, sondern jemand, der Angst hat (eine Emotion) und die Angst nicht aus seinem Kopf bekommt. Also nicht alles, was im Kopf vor sich geht, ist deswegen schon Denken und nicht alles was einem durch den Kopf geht, schon ein Gedanke. Denken Sie einfach an eine Gewehrkugel, die just diesen Weg nehmen könnte, aber sicherlich kein Gedanke ist. Was aber ist nun das eigentliche Denken, welches wir nur bei diesen einen Wesen finden?

Denken und die Kunst der Kritik

Denken heißt im Grunde Fragen stellen und diese über just jene besondere Tätigkeit zu beantworten suchen. Reines Denken heißt Antworten finden auf zuvor gestellte Fragen, heißt nach Erkenntnis streben, heißt Wissen wollen, wie es wirklich ist, mithin neugierig sein. Reines Denken heißt im Grunde auch immer – sei es explizit oder implizit – die Wahrheitsfrage zu stellen. Der Denker will wissen, wie die Dinge wirklich sind und wie sie zusammenhängen. Er strebt nicht nach einem Ich-, Menschen- oder Weltbild, welches ihm möglichst angenehme Gefühle bereitet, sondern er ist, wenn er ein echter Denker ist, immer daran interessiert, wissen zu wollen, was wirklich ist.

Das heißt auch, er ist kritisch, er hat ein kritisches Bewusstsein. Kritikfähigkeit bedeutet nichts anderes als die Fähigkeit zur Unterscheidung zu haben, hier die Unterscheidung: was stimmt und was stimmt nicht, was ist wahr und was klingt nur schön oder löst angenehme Gefühle aus, wie Trost, Geborgenheit, schmeichelndes Ich-Bild etc., stimmt aber gar nicht.

Wahrheitsorientierung

Der kritische Denker – und jeder Denker ist immer kritisch, ansonsten wäre er kein Denker – fragt immer: Stimmt das wirklich? Ist das wahr? Das heißt, er deckt Lügen, Scheinwahrheiten und Fehlvorstellungen auf. Macht er sich damit beliebt? Nein, natürlich nicht. Fast nie. Den Sokrates, den Meister aller Meister im Hinterfragen und entlarven, haben die Athener, damals die kultiviertesten und gebildetsten Menschen der Welt, zum Tode verurteilt, weil er ständig unangenehme Fragen stellte, Scheinwahrheiten, Fehlvorstellungen und Lügen aufdeckte. Dies empfinden Menschen generell eher unangenehm und die, die besondere Machtpositionen in der Gesellschaft inne haben, sei es in der Politik, der Religion oder sonstwo, mögen das überhaupt nicht, da es ihre Autorität untergräbt. Macht und Geist sowie Wahrheitsliebe sind meist keine guten Freunde.

Die Wesen, die als einzige fähig sind, diese besondere Tätigkeit auszuüben, stehen dieser nicht selten eher fremd gegenüber. Damit negieren sie aber zugleich – ohne dass ihnen das bewusst wäre – genau das, was sie auszeichnet und von allen anderen Wesen unterscheidet, was sie überhaupt erst zu diesen besonderen Wesen macht.

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*) Jürgen Fritz zählt zu den renommiertesten politischen Bloggern (https://juergenfritz.com/). Es ist mir eine Ehre und Freude, ihn seit Oktober 2017 zu den Gastkommentatoren von conservo zählen zu dürfen.
Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie (Schwerpunkte: Erkenntnis-/Wissenschaftstheorie und Ethik), Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Für seine philosophisch-erziehungswissenschaftliche Abschlussarbeit wurde er mit dem Michael-Raubal-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet.
www.conservo.wordpress.com   23.11.2017

Über conservo

ÜBER MICH, CONSERVO Liebe Leser, dieser Blog ist ein besonderer Blog. Er wurde 2010 von Peter Helmes gegründet, und ich führe ihn seit dem 1.11.2020 in seinem Sinne fort. Dieser Blog ist konservativ, er ist christlich, und er ist abendländisch. Allein das macht ihn in den diesen unruhigen Zeiten zu einem Exoten. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12) Heute steht alles auf dem Kopf. Was früher noch galt, gilt heute nicht mehr. Grenzen wurden aufgehoben, Geschlechter abgeschafft, die traditionelle Familie ist unter Dauerbeschuss, wer am meisten Minderheitenmerkmale auf sich vereint, darf – zumindest in Deutschland – fordern, was er will. Das Christentum steht weltweit mit dem Rücken zur Wand. Lau sind sie geworden – die Christen hier im Lande, aber auch die orientalischen Christen, die sich nach der Flucht aus dem Orient hier ein neues Leben aufbauen konnten, und dennoch angesichts der Islamisierung schweigen. Finanzstarke und einflussreiche Interessengruppen unter Klaus Schwab, Bill Gates, George Soros u.v.m. setzen weltweit den Great Reset mit seiner neofeudalistischen Ökodiktatur mittels Massenmigration, Globalisierung, Plandemien und mit Hilfe gekaufter Politiker, Journalisten und „Sozialen“ Medien gegen die Interessen der Völker mit nie gekannter Brutalität durch. Die geistige und seelische Not der Menschen steigert sich tagtäglich inmitten dieser finsteren Zeit. Gerade westliche Menschen scheinen jeglichen Halt, Glauben und ihre natürliche Wehrhaftigkeit verloren zu haben. Jeder wird im Leben auf seinen Platz gestellt. Jedes Volk hat sein Schicksal und muss es in seinem eigenen Land bewältigen. Migration und der entgrenzte Einheitsmensch sind nicht unsere Bestimmung. Dennoch wird erneut versucht, dem Menschen als freiem und göttlichem Wesen unter Tarnworten wie „Solidarität“, „Vielfalt“ und „Humanität“ die teuflische Gleichheitslehre des Kommunismus aufzuerlegen. Dies ist wider die Natur und wider jedes menschliche und göttliche Gesetz. „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.“ (Luk, 1 - 3) Dank Peter Helmes analysieren langjährige, hervorragende Kolumnisten, basierend auf christlichen Werten, in aller Klarheit das heutige Tohuwabohu aus verschiedensten Blickwinkeln: Die Geißel der Globalisierung, geostrategische Interessen, die Massenmigration und importierte Gewalt, das Versagen der Politiker und der Verlust unserer Werte, Kultur und Heimat. Die Kolumnen wie auch die Diskussionen sind offen, respektvoll und tabufrei; denn nur so kann man die drängenden Themen der Zeit in der Tiefe analysieren, Machtstrukturen herausarbeiten und Roß und Reiter benennen. Nur so können wir uns auf uns selbst und unsere Stärken rückbesinnen und Deutschland, unsere Heimat, verteidigen. „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh, 32 – 33) Nochmal: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Deshalb sind unsere westlichen Wurzeln, Werte und unser Glauben nötiger denn je. Sie geben uns den Rückhalt, um aufzustehen und zu sagen: „Nein. Bis hierher und nicht weiter. Es ist jetzt genug!“ Wie schon Peter, lade ich Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren und zu kritisieren. Eine kleine Regel muss ich leider einbauen. Unterschiedliche Ansichten können durchaus in aller Härte debattiert werden. 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3 Antworten zu Vom Denken und Denkern

  1. jheinke schreibt:

    „Das gilt jedoch gleichermaßen auch für Ideologie !“
    Vollkommen richtig.
    Und wenn Marx meinte, Religion sei Opium für das Volk, dann hat er einfach nur eine andere Droge verordnet.
    Wie schlimm Drogen das Denken vernebeln, kann man wunderbar am rot-grünen Rand des Bundestages beobachten.

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  2. karlschippendraht schreibt:

    ………Religion ist, das zu tun, was einem gesagt wird, egal was richtig ist.“………
    Das gilt jedoch gleichermaßen auch für Ideologie !

    Nun gibt es Menschen , die gehorchen weil sie nicht denken können und es gibt Menschen , die gehorchen weil sie zwar denken können , aber zu feige sind , den Gehorsam zu verweigern .

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  3. jheinke schreibt:

    Was an dieser Stelle ganz entschieden noch fehlt:
    Nur wer denkt, kann moralisch (ethisch) handeln.

    Was bedeutet dann das Zitat von H. L. Menken:
    „Moral ist, das zu tun, was richtig ist, egal, was einem gesagt wird.
    Religion ist, das zu tun, was einem gesagt wird, egal was richtig ist.“

    Könnte man dann (freilich überspitzt) sagen:
    Wer nicht denkt, ist unmenschlich?
    Und gar: Wer gläubig ist, ist unmenschlich?

    Nioch krasser: Wer nicht denkt, handelt tierisch.
    Wer im Sinne eine Buchreligion gläubig ist, handelt vielleicht / zufällig nicht unmoralisch, aber er handelt ganz sicher nicht-moralisch – nicht aus eigener moralischer Verantwortung, sondern aus Gehorsam.

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