Große Koalition und Umschwung in den Medien

(www.conservo.wordpress.com)

Von Nicolaus Fest *)

Die Große Koalition steht, das Echo ist uneingeschränkt verheerend. Die CDU habe sich aufgegeben, eine Demütigung erlebt, sich über den Tisch ziehen lassen. Im Kabinett sei sie strukturell geschwächt, programmatisch nur noch eine Hülle. Angela Merkel habe Ministerien gegen Machterhalt getauscht.

Auch die SPD sei inhaltlich entleert. Ihr wie der Union wäre es nur um Posten gegangen, mit der drolligen Volte, dass für einen Moment ausgerechnet derjenige Außenminister werden sollte, der die Fortsetzung der Koalition wie auch die Übernahme eines Ministeramtes kategorisch ablehnte. Noch während dieser Text entsteht, kommt allerdings Entwarnung: Martin Schulz verzichtet auf den Ministerposten. Schon zuvor nannte ihn die WELT einen “hohlen Selbstbespiegler”, der die eigene Partei wie auch das gegebene Wort gering achte. Charakterlos, schamlos, haltungslos waren andere Einschätzungen. Innerhalb von knapp einem Jahr ist die 100-Prozent-Hoffnung der SPD zu 100 Prozent gescheitert.

Desaströs auch das Urteil zum Koalitionsvertrag. Tenor: KeinAufbruch, keine Vision, nichts. Ein “Dokument der Erschöpfung”, ein lustloses “Klein-Klein”, das alle wichtigen Probleme ausspare: Einwanderung, Sicherheit, Islam, Zukunft der Arbeitsplätze, Zukunft des Sozialstaats.

Doch bei allem Verständnis für das einhellige Urteil: Ist die scharfe Kritik an Merkel und Schulz berechtigt? Haben sie nicht genau das gemacht, was fast alle Medien monatelang forderten: Eine Regierung auf die Beine zu stellen, die das große Werk der grenzenlosen Humanität und der europäischen Einigung fortsetze, und am besten wieder im Rahmen einer GroKo?

Erinnern wir uns: Schon der Wahlkampf war eine Farce, die der politischen Vernunft wehtat. Attentate, Messermorde, Vergewaltigungen spielten im Auftritt der Altparteien keine Rolle. Auch nicht die aberwitzigen Kosten der illegalen Zuwanderung, die überall sichtbare Islamisierung, die Dauerkrise von Euro und EU, die soziale Benachteiligung der Deutschen. Dass die AfD sie zum Thema machte, wurde von den Medien skandalisiert und damit dem Unerhörten, Ungezogenen, Alarmistischen zugeordnet, über das man nicht reden müsse; zudem seien derartige Fragen angeblich rassistisch, völkisch, anti-human, was auch immer. Alle deutschen Medien, von zwei oder drei Publikationen mit geringer Reichweite abgesehen, votierten klar für ein “Weiter so”.

Dann kam der 24. September. Der Einzug der AfD in den Bundestag war für viele Journalisten ein Schock. Dass hinter dem Erfolg ein konservatives Bedürfnis stehen könne, der gleichsam stinknormale Wunsch nach Erhalt der gewohnten Lebensverhältnisse, nach Sicherheit und Ordnung, wollten viele nicht sehen. Wieder wurde die Maschinerie der AfD-Verunglimpfung angeworfen, bei gleichzeitiger Diffamierung der Wähler. Auch jetzt ging es nicht um die von der AfD aufgeworfenen Fragen, sondern allen Ernstes darum, ob man den – fast von allen Talkshows ausgeschlossenen Konservativen – nicht zu viel (!) Raum in den Medien gegeben habe. Als sei der skandalöse Katzentisch für Frau von Storch bei “Hart, aber fair” schon ein zu großes Entgegenkommen gewesen, oder das Verschweigen der AfD-Positionen, wie es selbst ein intellektuelles Blatt der 30er-Zone wie “Auto, Motor & Sport” für notwendig hielt, unter klarem Verstoß gegen den Pressekodex.

Dann folgten die Sondierungsverhandlungen. Von vielen Medien wurden sie eher mit Vorbehalten zur Kenntnis genommen, schon weil die FDP und Christian Lindner mitbestimmen sollten. Ein Mindestmaß an wirtschaftspolitischer Vernunft und EU-Skepsis war vielen Journalisten schon suspekt. Trost bot immerhin, dass so die AfD nicht die Oppositon führen und wichtige Posten in den Ausschüssen besetzen könne. Aber das Medienecho war eindeutig: Zweitbeste Lösung.

Die Sondierungen scheiterten, einen Moment herrschte Irritation. Aber bald schon wandelte sie sich in Euphorie. Zu guter Letzt konnte das große linke Projekt der GroKo doch noch verwirklicht werden, die Erhebung aller weltweit Beladenen auf den deutschen Sozialstandard. Mit Martin Schulz hatte man dafür einen Garanten, und mit dem Merkel-Freund Steimeier auch den subalternen Geburtshelfer im Schloss Bellevue. Dessen Drängen zur Großen Koalition wurde daher begeistert kommentiert, die harten Verluste von SPD und Union bei den Wahlen mal eben zum Regierungsauftrag umgedeutet.

Jetzt hat man das, was man wollte. Der Koalitionsvertrag entspricht genau dem, wofür SPD und CDU im Wahlkampf geworben haben: “Weiter so”, nichts verändern, die Kanzlerin führt mit ruhiger Hand. All das entspricht genau den Forderungen, für die die Medien monatelang trommelten. Wenn sie etwas anderes sagen, lügen sie sich in die Tasche. Hätte Schulz die Fortsetzung der GroKo am Wahlabend bestätigt, wäre das Medienecho auf den jetzt ausgehandelten Vertrag und die Postenverteilung vermutlich ganz anders ausgefallen.

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Ein Leser fragt, ob der Wechsel von Kurs und Geschützrichtung, den BILD mit ihrer harschen Kritik an Frau Merkel und der GroKo zeige, eine Reaktion auf meine Liebesgrüße im letzten Beitrag seien. Wohl kaum. Der Umschwung ist, wie oben beschrieben, allgemein. Dass er das Vertrauen in den Journalismus stärkt, kann man nicht behaupten. Mein Stück wurde im Übrigen mit viel Zuneigung aufgenommen, nicht zuletzt aus Redaktion und Verlag.

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Auch eine neue Erfahrung: Fast jedes Gespräch, das man in Asien mit informierten Leuten führt, beginnt mit der besorgten Erkundigung: “What is wrong with your country?”

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Anmerkung von conservo:

Zu N. Fests Artikel paßt folgendes Zitat:

„Das gegenwärtig zur Verfügung stehende Personal ist nicht sonderlich geeignet, gemeinsam zu regieren, weil beide Seiten nicht ausreichend wissen, was sie eigentlich wollen.“

(Bundeskanzler H. Schmidt in der „Zeit” zur Frage einer großen Koalition aus Union und SPD, 2005)

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(Wiedergabe auf conservo mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors. Das Original erschien hier: http://nicolaus-fest.de/grosse-koalition-und-umschwung-in-den-medien/)

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Der Journalist Nicolaus Fest arbeitete nach seinem 2. Staatsexamen und seiner Promotion zum Dr. jur. zunächst einige Jahre für das Auktionshaus Sotheby’s, dann für die Verlage Ebner Pressegesellschaft und Gruner + Jahr, von 2001 an für Axel Springer. Dort lange in der Chefredaktion von BILD, später bis zum Oktober 2014 stellvertretender Chefredakteur der BILD am SONNTAG. Seitdem freier Publizist. Politisch war immer ungebunden. Daher war der Wechsel in die Politik, den er im Herbst 2016 mit dem Eintritt in die Alternative für Deutschland vollzog, auch für ihn eine neue Erfahrung.
www.conservo.wordpress.com    8.3.2018

 

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Über conservo

„Conservo“ ist seit 59 Jahren politisch tätig und hat dabei 25 Jahre hauptamtlich in der Politik gearbeitet. Er ist ein katholischer, fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 22 Jahren als selbständiger Politikberater sowie Publizist und war 21 Jahre lang freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er ist außerdem Verfasser von bisher 44 Büchern und Paperbacks sowie regelmäßiger Kolumnist mehrerer Medienorgane und Blogs. conservo ist stolz au sein Vaterland und ein überzeugter Europäer - für ein Europa der Vaterländer auf christlich-abendländischem Fundament. Als (neben F.J. Strauß und Gerhard Löwenthal u.a.) Mitbegründer der Deutschen Konservativen e. V., Hamburg, und deren Chefkorrespondent spricht und schreibt er grundsätzlich auch in deren Sinn, d. h. die Meinungen von conservo entsprechen der grundsätzlichen Linie der Deutschen Konservativen e.V.
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6 Antworten zu Große Koalition und Umschwung in den Medien

  1. karlschippendraht schreibt:

    Michel , Du bekommst was Du verdienst !!!

  2. Runenkrieger11 schreibt:

    Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

  3. Freya schreibt:

    Es ist doch immer wieder spannend, wie Geschichte sich wiederholt. Jetzt rottet sich eine ganz kleine Handvoll Wahlverlierer, die jeden Impuls aus dem Volk umdeutet wie „Denkzettel“ in „Wählerauftrag“ zusammen, um ihr Rest-Zerstörungswerk in Deutschland noch schnell zu vollbringen. Kommt das irgendjemandem bekannt vor?

  4. greypanter schreibt:

    Aus meiner Sicht wird die jetzige Legislaturperiode nicht anders verlaufen, als die vorherige: Wir haben eine SPD-Regierung mit einer CDU-Kanzlerin. Weiterhin wird sich Frau Merkel bemühen, jeden Wunsch der Grünen zu erfüllen, ehe er von dieser Partei im Parlament zur Sprache gebracht wird. Mutti kann alles, weiß alles, macht alles.

    Das überflüssige Parlament nickt alles ab und wärmt sich gelegentlich mit Polemik gegen die AfD auf, damit die Kiefer außer mampfen noch ab und zu die Klappe groß aufsperren dürfen.

  5. greypanter schreibt:

    Die AfD sollte in der Redezeit vor der Kanzlerwahl deutlich sagen, dass sich die CDU/CSU selbst aufgibt, sich lächerlich macht, wenn sie als stärkste Fraktion des Bundestags diesem Programmdiktat der SPD, einer in Auflösung begriffenen Partei zustimmt. Jedem Abgeordneten der CDU/CSU ist dringend zu empfehlen, gegen diese Koalition zu stimmen. Andernfalls wird schon bei der Landtagswahl in Bayern die Quittung niederschmetternd sein. Die AfD könnte dann zwar einen großen Wahlerfolg in Bayern verbuchen, doch viel wichtiger als Bayern ist Deutschland.

  6. Machtgeilheit, Islamisierung, Duckmäusertum der Bevölkerung, Feigheit und Einseitigkeit der interessengrleiteten Medien, Zensur Maas-los…., hurra, wir haben unsere DDR wieder..

    Wenn die Bevölkerung das alles zulässt, nicht auf die Straßen geht, dann soll sie für ihre Dummheit und Feigheit bezahlen.

    Also geht weiter arbeiten bezahlt die Islamisierung und eure eigene Abschaffung und hört auf zu jammern, ich kann es nicht mehr hören…

    Ich war in Kandel.
    In Berlin.
    In Hamburg und auch sonst bei vielen Demos… ABER WO SEID IHR, WENN ES DARUM GEHT ETWAS ZU VERÄNDERN, WOOOO bleibt ihr denn, ihr FEIGLINGE?
    Merkt ihr nicht das die das nur deswegen tun, weil ihr zuhause 🏡 sitzt?
    Worauf wartet ihr?
    Was hält euch zurück?

    Wenn ihr ein Islamische Gesellschaft wollt, dann bleibt daheim und lernt den Koran auswendig.., wenn nicht, dann bewegt euren feigen Hintern… Und nehmt mir die offenen Worte nicht so krum, viele waren bei den letzten Demos dabei, Linksextremisten und Polizei zusammen gearbeitet. Kritiker werden alle als Nazis gestempelt….
    Lasst uns dagegen vorgehen, sonst ergeht es uns wie die ehemalige DDR, die Fdj Agitationsschwätzerin und Staatsratsvorsitzende haben wir ja schon….

    Seufz.😢😢

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