Biederfrau und die Brandstifter

Von Philolaos *)

Biederfrau und die Brandstifter

von Notan Dickerle, Anwärter auf den Leuchtturmpreis für mutigen Journalismus gegen “Bunt”

Vor 60 Jahren, am 28. September 1958, erlebte die letzte Fassung des Dramas “Biedermann und die Brandstifter” des Schweizer Schriftstellers Max Frisch an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main ihre Uraufführung – ein Stück von unglaublicher Aktualität. Bereits zehn Jahre vorher hatte Frisch eine Prosaskizze des Stoffs erstellt, einige Jahre später ein Hörspiel. Die Uraufführung als Theaterstück am Schauspielhaus Zürich befriedigte den Autor nur wenig, so daß er ein Nachspiel hinzufügte.

Gottlieb Biedermann ist Haarwasserfabrikant. Mit seinen Mitarbeitern ist er nicht zimperlich, soeben hat er seinen Angestellten Knechtling entlassen. Er wundert sich über die zahlreichen Fälle von Brandstiftung, bei denen die Täter stets nach dergleichen Methode vorgehen: Getarnt als harmlose Hausierer nisten sie sich auf dem Dachboden des Hauses ein, das sie später niederbrennen. Da kündet das Dienstmädchen Besuch an, einen Hausierer, der sich als Josef Schmitz vorstellt, ehemaliger Ringer und Obdachloser. Er klagt, dass er stets für einen Brandstifter gehalten werde, und appelliert an Biedermanns Menschlichkeit. Biedermann gefällt sich in der Rolle des Menschenfreundes und läßt gegen die Bedenken seiner Gattin Babette Schmitz auf dem Dachboden seines Hauses nächtigen. Auch dessen Freund Eisenring nimmt er wenig später auf. Biedermann stellt fest, daß seine beiden Gäste auf dem Dachboden Benzinfässer einlagern und mit Zündschnur und Zündkapseln hantieren. Als sich die Polizei, die ihn vom Selbstmord Knechtlings in Kenntnis setzt, mißtrauisch nach den Fässern erkundigt erklärt Biedermann, diese enthielten kein Benzin sondern Haarwasser; man dürfe doch nicht von jedem Menschen nur das Schlechteste denken. Als er sie zum Abendessen in seinem Haus einlädt (zu dem auch noch ein “Dr. Phil.” erscheint, den Eisenring den “Weltverbesserer” nennt) erklären die beiden Herren offen, Brandstifter zu sein. Biedermann hält das für einen Scherz, verbrüdert sich mit ihnen und gibt ihnen selbst die verlangten Streichhölzer. Selbst als sein Haus bereits brennt will er nicht wahrhaben, daß es sich bei Schmitz und Eisenring tatsächlich um Brandstifter handelt.

Ganz offensichtlich ist das Stück ein Gleichnis, das vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit die unterschiedlichsten hochdramatischen Interpretationen erfuhr: Friedrich Torberg sah darin eine Satire gegen den Kommunismus und seine Infiltrationstechnik, Helmuth Karasek eine Parabel auf die Machtergreifung Hitlers, der in “Mein Kampf” auch seine wahren Absichten verriet, ohne daß man ihm glaubte. Friedrich Luft bezog das Drama auf die Atombombe bzw. jede Art von politischem Extremismus. Der Autor selbst dämpfte den Furor der Literaturkritik: seine Brandstifter seien schlicht “Pyromanen”, ihre Tätigkeit daher apolitisch, sie gehörten vielmehr in die Kategorie “Dämonen”.

Dämonen: eine eigenwillige, vollkommen aus der Mode gekommene Vorstellung, immerhin versehen mit der Autorität ihres Schöpfers. Was Max Frisch wohl gesagt hätte, wenn man seine Titelfigur zur “Biederfrau” modifiziert hätte, dargestellt als Kanzlerin mit der Raute, die entgegen besserer Einsicht die Brandstifter ins Land lässt und ihnen auch noch alles Nötige zukommen lässt, um ihre Dämonen auszuleben? Soweit ersichtlich hat kein Theater eine Inszenierung mit dieser naheliegenden Interpretation im Programm – sie würde dem Intendanten und/oder dem Regisseur wahrscheinlich auch Kopf und Kragen kosten! Der 1991 verstorbene Frisch dürfte Angela Merkel niemals begegnet sein. Was er in zahlreichen Gesprächen über seinen Titelhelden ausführte könnte aber auch ein (zumindest teilweises) Erklärungsmodell für die Rautenfrau sein: “Wenn Sie mich fragen, ich finde diesen Gottlieb keinen Bösewicht, wenn auch als Zeitgenossen gefährlich. Um ein gutes Gewissen zu haben – und das braucht er, um Ruhe zu haben – belügt er sich halt… Gottlieb möchte als guter Mensch erscheinen. Er glaubt sogar, daß er das sei: indem er sich selbst nicht auf die Schliche kommt.”                                              * (Quelle: https://bayernistfrei.com/2018/10/04/biederfrau-und-die-brandstifter/)

www.conservo.wordpress.com         6.10.2018

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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Eine Antwort zu Biederfrau und die Brandstifter

  1. gebenhoeh schreibt:

    Biedermann und die Brandstifter – In der Tat eine aktuelle Parabel. Siehe auch hier:
    http://altmod.de/2015/11/biedermann-und-die-brandstifter/230/

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