Der Sultan als Geheimer Kommerzialrat – Volkswirt Recep Tayyip E.: Offenbarungseid eines Irren(den)

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmes

Kleine Vorbemerkung:

Früher auch bei uns, heute noch in Österreich wurde und wird der Titel „Kommerzialrat“ verdienten Fach-Persönlichkeiten von Staats wegen verliehen – und von den Empfängern mit größtem Stolz getragen. In Deutschland speilt dieser Titel keine Rolle mehr, in Österreich aber immer noch. Und es geht das Gerücht, daß Sultan Erdogan sozusagen von hinten dieses Ehrenetikett heimlich in die Türkei eingeführt hat.

Nach (zumindest) österreichischem Recht gibt es jedoch eine kleine Hürde:

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

– Es muß sich um einen herausragenden Vertreter seines Berufes handeln, und

– es müssen nachweisbare Leistungen auf dem jeweiligen Gebiet bzw. ausgezeichneter Verwendungserfolg bei öffentlich Bediensteten vorliegen.

Diese beiden Kriterien erfüllt der Präsident aller Türken, Recep Tayyip I., ganz offensichtlich nicht, so daß ich mich gezwungen sah, auf die Hilfskonstruktion eines „Geheimen“ Kommerzialrats zurückzugreifen. Denn Erdogans „Verdienste“ um die wirtschaftliche Prosperität kennt niemand, also sind sie „geheim“.

—–

Eine Krise namens Erdogan

Daß seine letztjährigen „Verdienste“ um die Volkswirtschaft seines Landes möglichst weiterhin geheim bleiben sollten, müßte Erdogan ein Herzensanliegen sein. Denn man

sollte sich vor Augen halten, wer am Bosporus das Sagen hat – und somit verantwortlich für die galoppierende Krise ist.

Diese Krise trägt einen Namen: Erdogan – und nicht eine von ihm lautstark beschworene „internationale Verschwörung“ und auch nicht internationale Spekulanten, die sein Land an den Abgrund getrieben hätten. Nein, nein, verantwortlich sind allein der Verlust an Realitätssinn und der enorm gewachsene Größenwahn des türkischen Präsidenten.

Mehr Konsum und eine lockere Kreditpolitik

Das eigentliche Problem nämlich sitzt im Präsidentenpalast. Denn dort herrscht ein Autokrat, der nicht nur rechtsstaatliche Prinzipien mit Füßen tritt. Er versperrt sich auch einer stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik. In der einfachen Ökonomie Erdogans zählt nur hohes Wachstum. Um dieses Wachstum zu fördern, setzt Erdogan einseitig auf mehr Konsum und eine lockere Kreditpolitik. Daß das Land dadurch in Schieflage gerät, wird ignoriert. Und wenn die Schieflage allzu offenkundig wird, werden dunkle ausländische Mächte verantwortlich gemacht. Kein Wunder, daß die Investoren die Türkei meiden und sich sich von der Lira verabschieden.

Immer tiefer in die Wirtschafts- und Währungs-Krise – Vertrauen fehlt

Dabei schliddert die türkische Wirtschaft immer tiefer in die Krise. Tatsächlich steigen die Preise in der Türkei rasant. Im September (2018) stand die Jahresinflation bei rekordhohen 24,5%, seit Anfang dieses Jahres hat die Währung rund 37 Prozent ihres Wertes verloren!

Und weil die Währung im Außenhandel immer weniger zählt, verteuern sich die Importe. Entsprechend steigt die Inflation.

Dieser galoppierende Wertverfall ist allerdings, wie auch der jüngste Währungszerfall, primär ein Resultat der verfehlten Wirtschaftspolitik der letzten Jahre und nicht, wie Staatschef Erdogan und auch sein Schwiegersohn Albayrak – der dem Alten gerne laut Beifall spendet – immer wieder betonen, die Schuld böswilliger Spekulanten und Inflationsgewinner. Die Rückkehr des Landes auf die Siegesstraße führt über makroökonomische Kurskorrekturen und nicht über staatliche Preispolitik. Daran können auch martialische Kampfansagen und aufmunternde Hashtags nichts ändern.

Den Investoren fehlt das Vertrauen in die türkische Lira. Vertrauen läßt sich nicht per Dekret verordnen.

Es zeugt von der Borniertheit Erdogans, derweil von einem „Wirtschaftskrieg“ zu faseln, den er gewinnen werde. Hier spielt sich kein Krieg ab, sondern es handelt sich um eine klassische Wirtschafts- und Währungskrise. Viele der derzeitigen türkischen Probleme sind hausgemacht.

Erdogan hat mit seiner auf kurzfristige Wachstumserfolge ausgerichteten Wirtschaftspolitik gerade in den Jahren des billigen Geldes zu wenige (bis keine) strukturellen Reformen (vor allem im industriellen Bereich) versucht, und jetzt kehren ausgerechnet die so wichtigen Investoren ihm eiskalt den Rücken zu, wobei der Sultan obendrein mit enorm steigenden Zinsen regelrecht gewürgt wird.

Der weitere Absturz der Währung wird den Druck auf die Türkei – und damit auf Erdogan – erhöhen. Unsicherheit bei den Wirtschaftspartnern macht sich breit: Wichtig für die Attraktivität der Türkei als Investitionsstandort und Exportmarkt sind nämlich vor allem Rechtssicherheit, die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank sowie eine stabile Zahlungsbilanz. Potentielle Investoren setzen bezüglich der Türkei in diesen Fragen zu Recht sehr große Fragezeichen.

Zudem hat sich Erdogan immer mehr von der EU und deren Regeln entfernt, was die Investorensuche zusätzlich schwierig macht. Und Erdogans offene Einflußnahme auf die Entscheidungen der Zentralbank, verbunden mit der schwachen Vorstellung seines Schwiegersohnes und Finanzministers Albayrak, tun ein Übriges, Investoren abzuschrecken. Erdogans jüngste „Bekenntnisse“ zu EU-Europa und (hört, hört!) auch zu Deutschland klingen da eher wie leere Worthülsen; man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Ohne Europa keine Lösung

Dem Präsidenten Erdogan müßte endlich klargemacht werden, daß sein Land ohne Europa wirtschaftlich nicht überleben kann. Die EU sollte daher jeden Beistand an strenge Bedingungen knüpfen, damit möglicherweise Milliarden-Kredite nicht in ein Faß ohne Boden gekippt werden. Erdogan will nämlich offensichtlich ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds unter allen Umständen vermeiden, da solche Programme i.d.R. an strenge Bedingungen – und Kontrollen – geknüpft sind.

Die EU ist der mit Abstand größte Handelspartner der Türkei – und auch immer noch der größte Investor. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben Banken weltweit rund 224 Milliarden Dollar an Geschäftspartner in der Türkei verliehen, umgerechnet knapp 200 Milliarden Euro. Die Forderungen von Banken in Deutschland gegenüber Geschäftspartnern in der Türkei belaufen sich auf rund 21 Milliarden Euro (Stand Juni 2018). Grund genug, auf stabile Verhältnisse in der Türkei zu bestehen.

Nicht ohne grundsätzliche Kurskorrektur

Wenn der unsägliche Kurs, den Erdogan eingeschlagen hat, nicht von Grund auf korrigiert wird, ist jede Hilfe ein Füllen löchriger Fässer. Der „stolze Mann vom Bosporus“ gerät zunehmend zur Karikatur. Auf Hilfe kann er allenfalls hoffen, wenn er endlich nach marktwirtschaftlichen Regeln spielt und sich Europa wieder öffnet. Und diese Hilfe müßte unter der Aufsicht internationaler Wirtschafts- und Finanzfachleute erfolgen. Das aber wird mit dem stolzen, hochfahrenden aber kranken Mann am Bosporus, Recep Tayyip Erdogan, kaum möglich sein.

Lieber Obertürke Recep, so wird das nichts mit dem Kommerzialrat, und „Geheim“ schon gar nicht! Inzwischen ist nun wirklich nicht mehr geheim, daß Erdogan nebst Schwiegersohn von Wirtschaft nichts verstehen. Servus, Recep…

www.conservo.wordpress.com     12.10.18

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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4 Antworten zu Der Sultan als Geheimer Kommerzialrat – Volkswirt Recep Tayyip E.: Offenbarungseid eines Irren(den)

  1. ceterum_censeo schreibt:

    Lieber Peter Helmes – sehr schön gesagt, wo der ‚Sultan‘ vom Bosporus resp. Ankara sich nun auch als ‚geh. Kommerzialrat‘ geriert.

    Aber eine – ketzerische – Frage habe ich doch:
    „… setzt Erdogan einseitig auf mehr Konsum und eine lockere Kreditpolitik. Daß das Land dadurch in Schieflage gerät, wird ignoriert.“
    Richtig – aber wo eigentlich ist da der Unterschied zu Deutschland und ‚E-U-(Eu)ropa‘ – sprich: ‚Eh-Uh- ropa‘?

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  2. conservo schreibt:

    Haha, lieber c-c, gute Frage! Richtige Frage! Ich gebe sie der Zuständigkeit halber an die GröKaZ („Größte Kanzlerin aller Zeiten“) weiter. (Und Antwort wird uns gewiß nimmer zukommen.) Lb. Gr. PH

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  3. Semenchkare schreibt:

    Sehr Gut!
    Das sollte man ausdrucken und verteilen….

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