Rheine: Professor Paul Cullen sprach über gentechnische Chancen und Irrwege

(www.conservo.wordpress.com)

Von Felizitas Küble *)

Im Rahmen der kirchlich-ökumenischen „Woche für das Leben“ veranstaltete die Aktion Lebensrecht für alle (ALfA) gemeinsam mit den Christdemokraten für das Leben (CDL) am Dienstag (7. Mai) einen Vortragsabend mit dem Bioethik-Experten und Molekularbiologen Prof. Dr. Paul Cullen zum Thema „Vom Retortenbaby zum Mischwesen. Irrungen und Wirrungen in der Reproduktionsmedizin.“

Der Münsteraner Mediziner engagiert sich als Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“ deutschlandweit für den Respekt vor der Unanstastbarkeit der Menschenwürde vor und nach der Geburt. Dabei informiert er kompetent und auch für Laien verständlich über die Chancen und Gefahren der modernen Reproduktionsmedizin. 

mohrCordula Mohr (siehe Foto)

eröffnete als Vorsitzende des ALFA-Regionalverbands Nordmünsterland die Abendveranstaltung im gut besuchten Pfarrheim St. Antonius in Rheine und bedankte sich besonders bei Pfarrer Meinolf Winzeler, der selber anwesend war, für die Verfügungstellung des Pfarrsaales.

Es gehe bei dem Vortrag darum, so erklärte sie, wie wir „mit unserem Menschsein und mit der Schöpfungsordnung Gottes verantwortlich umgehen können“. Es bringe unabsehbare Gefahren und Risiken mit sich, sich hierbei auf ein „Spiel mit dem Feuer“ einzulassen.

habeck

Der Autor: Thomas May

Dr. Cullen (siehe Foto) sprach in seinem Vortrag, der durch Info-Grafiken und Schaubilder auf der Leinwand illustriert wurde, ein breites Spektrum brisanter bioethischer Herausforderungen an. Als „Startschuss“ des gentechnischen Neulands in der Fortpflanzungsmedizin bezeichnete er die Geburt des ersten „Retortenbabys“ am 25. Juli 1978 in Nordengland.

Nach wie vor seien Großbritannien  – und inzwischen auch China – weltweit die Vorreiterstaaten für „revolutionäre“ Verfahren.  Der Redner schilderte die Problematik der neuesten Gen-Schere  – CRISP/cas9 genannt  – über das „Sozial Egg Freezing“  – auf Zeit eingefrorene Eizellen, etwa um Karrierewünsche nicht vor dem Kinderkriegen stören zu lassen  –  bis hin zu Auswüchsen in Richtung „Designer-Baby“ oder gar Tier-Mensch-Mischwesen, sogenannte „Chimären“.

Der Medizinprofessor sieht nicht im gentechnischen Fortschritt als solchem das Problem, sondern in seiner Anwendung jenseits von Lebensrecht und Menschenwürde, etwa hinsichtlich der vorgeburtlichen Diagnostik im Dienste von Selektion und Abtreibung oder der vielen überzähligen Embryonen infolge künstlicher Befruchtung, die hierzulande aufgrund des Embryonenschutzgesetzes zwar „nur“ eingefroren, in manch anderen Teilen der Welt aber vernichtet würden.

Zudem wisse man nicht, wie lange das Embryonenschutzgesetz in Deutschland aufrechterhalten werde. Kritisch äußerte sich Dr. Cullen auch über vielfach übertriebenen Erwartungen an die Reagenzglas-Befruchtung (In Vitro Fertilisation), denn fünf von sechs betroffenen Frauen, die sich der zermürbenden IVF-Behandlung unterziehen, bringen kein Kind zur Welt.

Der Referent erwähnte zudem die gesundheitlichen Risiken sowohl für die Mutter als auch für das IVF-Kind – auch hinsichtlich späterer Langzeitfolgen.

Aus Sicht des Arztes sollte sich die Reproduktionsmedizin, die sich auf künstliche Methoden fixiere, stärker mit den natürlichen Chancen und Lösungen bei unerfülltem Kinderwunsch befassen.

Auf eine Nachfrage in der Diskussionsrunde hin bestätigte er, dass die Natürliche Empfängnisregelung (NER) eine stärkere Wertschätzung erfahren sollte, da sie nicht allein die Geburten reguliere, sondern auch den Zeitpunkt des Eisprungs genauer eingrenzen und damit die Chancen einer Befruchtung erhöhen könne.

Zugleich stellte der Mediziner klar, dass der gentechnische Fortschritt neben bedrohlichen Entwicklungen bei richtiger Anwendung auch therapeutische Erfolge ermöglicht. So sei etwa die Genschere  – eine Art „Zerschneiden“ der DNA – in der Tier- und Pflanzenzucht sinnvoll einsetzbar. Positiv zu werten seien auch die Möglichkeiten einer Gen-Therapie für das ungeborene Kind im Mutterleib, was „Heilung statt Abtreibung“ ermögliche.

Grundsätzlich sei der Mensch – auch als Embryo – kein Verbrauchsgegenstand und das menschliche Genom keine Spielwiese für verantwortungslose Experimente.

Bei der ausführlichen Fragerunde nach dem Vortrag Cullens, der mit großem Beifall bedacht wurde,  zeigte sich das rege Interesse der Zuhörer und das breite Themenspektrum, das von der Bevölkerungsentwicklung über die Frage nach der politischen Interessenvertretung für den Lebensschutz bis hin zur Sorge um die Zukunft all der eingefrorenen Embryonen reichte.

DIESER TAGUNGSBERICHT von Felizitas Küble wurde am 10. Mai fast vollständig in der „Münsterländischen Volkszeitung“ veröffentlicht – diese Tageszeitung gehört zur Pressegruppe der „Westfälischen Nachrichten“
Original: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/13/rheine-professor-paul-cullen-spricht-ueber-gentechnische-chancen-und-irrwege/
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*) Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk (CHR) in Münster – eine Aktionsgemeinschaft katholischer und evangelischer Christen zur christlichen Öffentlichkeitsarbeit. Küble verantwortet auch das „Christliche Forum“ (https://charismatismus.wordpress.com)
www.conservo.wordpress.com    16.05.2019

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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9 Antworten zu Rheine: Professor Paul Cullen sprach über gentechnische Chancen und Irrwege

  1. Pingback: Ein Phänomen spaltet Deutschland und Europa: Merkels Eiserner Vorhang zieht sich durch Familien und Freundschaften – Willibald66's Blog/Website-Marketing24/Verbraucherberatung

  2. POGGE schreibt:

    Durch CRISPR-Therapeutic-Genome-Editing-Gentechnik-Medizin, Mittels CRISPR-Therapeutic-Genome-Editing-Gentechnik-Medizin können Krebskrankheiten geheilt werden !

    CRISPR-Therapeutic-Genome-Editing-Gentechnik-Medizin

    http://www.editasmedicine.com/areas-of-research/cancer

    http://www.editasmedicine.com/genome-editing

    http://www.editasmedicine.com/crispr

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4492683/

    Bloomberg Technology – Companies Racing to Use Crispr to Fight Disease:

    Ausserdem spielt Gentechnik-Medizin heute eine wichtige Rohle in der Biologischen-Kriegsführung und IM SCHUTZ VOR Biologischer-Kriegsführung !

    Biowaffen sind Gefährlicher als Atomwaffen !

    http://prep.recentr.com/2017/03/01/biowaffen-sind-gefaehrlicher-als-atomwaffen/

    EURONEWS hitech – Strahlenresistente Superbakterie gibt Geheimnis preis !

    http://www.esrf.eu/UsersAndScience/Experiments/MX/Research_and_Development/Biology/Deinococcus_radiodurans

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  3. POGGE schreibt:

    NEBEN DER GENTECHNIK (BIOTECHNOLOGIE) GIBT ES INZWISCHEN AUCH DIE NANOBIOTECHNOLOGIEN DIE SOGAR NOCH MEHR MANIPULATIONS-EINGRIFFS-MÖGLICHKEITEN IN BIOLOGIEN DES MENSCHEN BIETET !

    Nanobiotechnology: Concepts, Applications and Perspectives von Christof M. Niemeyer, Chad A. Mirkin (Chemistry) (Englisch) Gebundenes Buch – 28. Januar 2004

    https://www.amazon.de/Nanobiotechnology-Concepts-Applications-Perspectives-Chemistry/dp/3527306587?ref=pf_vv_at_pdctrvw_dp

    ISBN-10: 3527306587
    ISBN-13: 978-3527306589

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  4. pogge schreibt:

    NEBEN DEM EINSATZ VON GENTECHNIK (BIOTECHNOLOGIE) UND NANOBIOTECHNOLOGIEN IN DER MEDIZIN-INDUSTRIE UND DEM MEDIZINISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFT KOMMT ZUSÄTZLICH AUCH NOCH DER EINSATZ VON DIESEN TECHNOLOGIEN IM BEREICH BIOLOGISCHEN-WAFFEN (BIOWAFFEN) UND ABC-ABWEHR AUCH NOCH HINZU !

    Auch im Bereich der Biologischen-Kriegsführung und Biochemischen-Kriegsführung haben diese Technologien neue revolutionäre Wirkungsmöglichkeit !

    Auch Schon die ALTEN BIOLOGISCHEN-WAFFEN (BIOWAFFEN) im Bereich der Biologischen-Kriegsführung stellten eine sehr viele grössere Bedrohnung dar als Nuklearwaffen !

    Die NEUEN BIOLOGISCHEN-WAFFEN (BIOWAFFEN) die auf den technologischen Grundlagen Solcher MODERNEN GENTECHNOLOGIEN (BIOTECHNOLOGIEN) UND NANOBIOTECHNOLOGIEN heute enwickelt werden sind noch Mächiger !

    Biowaffen sind Gefährlicher als Atomwaffen !

    http://prep.recentr.com/2017/03/01/biowaffen-sind-gefaehrlicher-als-atomwaffen/

    Biowaffen sind Gefährlicher als Atomwaffen !

    Bill Gates sprach kürzlich über etwas, das auch viele andere Sicherheitsexperten bereits geäußert haben: Biowaffen sind gefährlicher als Atomwaffen.

    Der zweite Weltkrieg steht symbolisch für konventionelle, mechanisierte Kriegsführung und den ersten Einsatz der Atombombe. Dagegen sind die Programme für biologische Kriegsführung in Vergessenheit geraten, obwohl sie mehrfach beinahe zum Einsatz kamen und ganze Länder hätten ausradieren können. Frankreich startete das eigene Biowaffenprogramm 1922, Russland 1926, Japan 1932, Italien 1934, Großbritannien und Ungarn 1936, Kanada 1938 und die USA 1941. Hitler hatte in Deutschland hingegen die Entwicklung von Biowaffen verboten; nicht etwa aus moralischen Bedenken, sondern eher wegen seinen Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg mit Seuchen an der Front und der Furcht vor Blowback, der Infizierung eigener Truppen.

    Blome

    Gleichzeitig mit dem Verbot der offensiven Biowaffenforschung befahl Hitler jedoch, die defensive Biowaffenforschung zu verstärken. So wurde 1943 die „Arbeitsgemeinschaft Blitzableiter“ gegründet, um unter der Leitung von Kurt Blome Abwehrmaßnahmen gegen Biowaffen zu entwickeln. Darüber hinaus war Blome ab 1942 auch für den Aufbau des Zentralinstituts für Krebsforschung in Nesselstedt bei Posen verantwortlich, das neben der Krebsforschung von Beginn an auch für Arbeiten zu Biowaffen vorgesehen war. Die zur Abwehr von Biowaffen vorgesehenen oft noch unreifen Impfstoffe wurden häufig an KZ-Häftlingen getestet. Hinter Hitlers Rücken wurde auch für die offensive B-Kriegsführung geforscht. Denn für gegebenenfalls erforderliche Abwehrmaßnahmen mussten die Erreger auch erzeugt und getestet werden. Insbesondere Heinrich Himmler war ein großer Befürworter der B-Waffen. So unterstützte er zum Beispiel einen Vorschlag Kliewes, Lebensmittel, die ungekocht gegessen werden, mit Bakterien zu verseuchen. Erst im Februar 1945 ließ Hitler prüfen, welche Folgen ein Austritt Deutschlands aus den Genfer Konventionen hätte. Da Deutschland in diesem Falle jedoch womöglich einem Bioangriff der Alliierten zum Opfer gefallen wäre, entschloss sich Hitler, nicht auszutreten.

    Kurt Blome arbeitete später für die US-Amerikaner.

    Kirschblüte

    Das Unternehmen Nächtliche Kirschblüte war eine geplante japanische Militärunternehmung mit biologischen Waffen im Jahr 1945 die gegen die USA gerichtet werden sollte, jedoch nicht durchgeführt wurde. Ziel war es, San Diego, Kalifornien mit pestinfizierten Flöhen zu verseuchen, als ein letzter Versuch, die Vereinigten Staaten von der Invasion der japanischen Hauptinsel abzubringen. Der Plan wurde nie durchgeführt, da die USA vorher Atomwaffen einsetzten.

    In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges plante die Einheit 731, eine Einheit der Kaiserlich Japanischen Armee für die Entwicklung von Biowaffen, einen Angriff auf die Vereinigten Staaten. Mit Pestbomben beladene Kamikaze-Bomber sollten ein schlecht verteidigtes, aber dicht besiedeltes Gebiet in den kontinentalen USA verseuchen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kapazitäten der japanischen Marine stark strapaziert und dem Zusammenbruch nahe. Daher sollten die Kamikaze-Flugzeuge mit im Verborgenen operierenden U-Boot-Flugzeugträgern an die Küste der USA transportiert werden, um dort zu starten. Das Zielobjekt war San Diego, das am 22. September 1945 angegriffen werden sollte.

    Es wurde der Marine nicht erlaubt die wertvollen Ressourcen in Form der I-400-U-Boote für einen Angriff zu verwenden, da der Verteidigung der japanischen Inseln in der Sommer 1945 die höchste Priorität eingeräumt worden war.

    Anfang August 1945 kapitulierte Japan und am 9. August verwendeten Mitglieder der Einheit 731 Sprengstoff bei dem Versuch alle Beweise für ihr Biowaffen-Programm zu vernichten. Im Jahre 1946 bereiteten die USA ein geheimes Abkommen mit Ishii und den Leitern der Einheit 731 vor, in dem sie im Gegenzug für aus den Menschenversuchen gewonnene Daten zur biologischen Kriegführung Immunität gegen Verfolgung als Kriegsverbrecher anboten. Ishii Shirō ist mutmaßlich für den Tod von über 300.000 Menschen verantwortlich.

    Rinderkekse

    Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Großbritannien, auf direkte Weisung Winston Churchills, gezielt Versuche mit Krankheitserregern unternommen, um sie als Waffe weiterzuentwickeln. Im Laufe von englischen Biowaffenversuchen wurde Gruinard Island, eine unbewohnte Insel im Nordwesten Schottlands, mit Milzbrandsporen verseucht. Die Erreger waren als Reaktion auf die Gerüchte, dass sich biologische Waffen in japanischer/deutscher Entwicklung befänden, für Kampfzwecke getestet und über der ausschließlich von Tieren bewohnten Insel verstreut worden, auf die vorher noch zusätzlich 60 Schafe verbracht worden waren. Nahezu die gesamte Fauna wurde innerhalb eines Tages vollständig vernichtet. Dieses Experiment wurde in Zusammenarbeit mit den USA und Kanada durchgeführt. Großbritannien produzierte im Zweiten Weltkrieg Milzbrand in größeren Mengen als biologische Waffe. Man beabsichtigte, die Milzbrandsporen in Tierfutter einzuarbeiten und dieses über landwirtschaftlichen Gebieten in Deutschland abzuwerfen. Die USAentschlossen sich, für England Biowaffen zu produzieren, da England aufgrund der Nähe zu Deutschland als Produktionsstandort zu verwundbar gewesen wäre. 1944 gab die US-Armee eine Million 2-Kilogramm Anthrax-Bomben in Auftrag, die auf Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Aachen und Wilhelmshaven abgeworfen werden sollten. Durch eine Produktionsverzögerung war der Krieg jedoch bereits gewonnen, ehe es soweit kommen konnte. Experten hatten geschätzt, dass bei diesen Bombenanschlägen etwa die Hälfte der jeweiligen Einwohner an Milzbrand sterben würde.

    Tularämie in Stalingrad

    Die Sowjetunion begann schon 1926 mit der offensiven Biowaffenforschung. Eines der ersten Forschungszentren für Biowaffen errichtete die Sowjetunion auf der Insel Solowezki im Weißen Meer. Angeblich sollen hier auch Menschenversuche an Häftlingen durchgeführt worden sein. Diese Information ist jedoch umstritten. Es gibt Indizien, dass die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg kurz vor der Schlacht um Stalingrad deutsche Truppen mit Tularämie infiziert hat. Innerhalb einer Woche erkrankten in dem betroffenen Gebiet Tausende von Menschen an Tularämie. Von sowjetischer Seite kam die Meldung, dass dieses Phänomen auf natürliche Umstände, etwa mangelnde Hygiene, zurückzuführen sei. Doch während 1941 in der Sowjetunion 10.000 Tularämieerkrankungen auftraten, waren es 1942 bereits 100.000. 1943 lag die Zahl der Tularämieerkrankten wieder bei 10.000. Ebenso ein Hinweis auf einen möglichen Einsatz der Erreger ist, dass die Epidemie zunächst nur unter den Deutschen ausbrach und erst später – vermutlich durch einen Wechsel der Windrichtung oder Kleintiere, die durch die Fronten kamen – unter den Sowjets. Zudem erkrankten fast 70 Prozent der Opfer an Lungentularämie, welche nur durch die Verbreitung von Aerosolen verursacht wird. Des Weiteren forschte die Sowjetunion 1941 an dem Tularämie-Erreger. Bis auf diesen Vorfall, der wahrscheinlich nur als Experiment dienen sollte, ist kein Einsatz von biologischen Waffen im Zweiten Weltkrieg bekannt.

    Die sowjetische B-Waffenforschung profitierte nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl von gefangenen deutschen Forschern und Ingenieuren als auch von erbeuteten Aufzeichnungen der Forschung und Experimente der Einheit 731. Ein neues Forschungszentrum wurde in der Nähe von Moskau errichtet, in dem unter anderen an Tularämie, Anthrax und Botulinum geforscht wurde. 1973 startete die Sowjetunion ein Projekt mit dem Namen Biopreparat, welches in mehreren Forschungszentren durchgeführt wurde und über etwa 50.000 Mitarbeiter verfügte; und das obwohl die UdSSR die Biowaffenkonventionen unterzeichnet hatte.

    Wie auch die USA arbeitete die Sowjetunion trotz Unterzeichnung der Biowaffenkonvention unter dem Deckmantel der Erforschung infektiöser Keime weiterhin an ihrem Biowaffen-Programm und forschte neben einigen der oben genannten Erreger auch an hämorrhagischen Viren wie Ebola und Marburg und einigen südamerikanischen Vertretern wie Machupo (Bolivianisches hämorrhagisches Fieber) und Junin (Argentinisches hämorrhagisches Fieber). Darüber hinaus sollen sie noch an einer Ebola-Pocken-Chimäre gearbeitet haben.

    Am 2. April 1979 kam es zu einem Milzbrand-Unfall in Swerdlowsk, bei dem aufgrund einer defekten Belüftungsanlage Anthrax-Sporen in die Umgebung abgelassen wurden. Am 12. April wurde das Gebiet um Swerdlowsk unter Quarantäne gestellt. Das KGB vertuschte diesen Unfall in einer großangelegten Aktion. Er behauptete, die Epidemie wäre durch kontaminiertes Fleisch ausgebrochen. Erst 1992 gestand die russische Regierung unter Boris Jelzin den Unfall und seine Vertuschung. Am Ende des Kalten Krieges liefen zwei sowjetische Biowaffenforscher, Wladimir Passetschnik und Ken Alibek, in den Westen über und lieferten Informationen über das sowjetische B-Waffenprogramm. Alibek, der schon seit 1974 an B-Waffen forschte, berichtete von Modifikationsversuchen mit Anthrax. Diese sollen insofern gelungen sein, dass die Krankheit gegen Antibiotika resistent gemacht werden konnte. Die Sowjetunion entwickelten sogleich ein neues Antibiotikum dagegen, so dass sie ihre Truppen schützen konnte.

    US Army Fort Detrick

    US Army Fort Detrick, das US-Biowaffenforschungszentrum, wurde 1950 ausgebaut und eine weitere Forschungsanlage wurde in Pine Bluff errichtet. Die Biowaffenforschung wurde auch dadurch intensiviert, dass 1950 der Koreakrieg ausbrach. Geforscht wurde unter anderen an infizierten Mücken, die für eine mögliche Freilassung in den Gebieten von Feinden vorgesehen waren. Im September 1950 versprühten zwei US-U-Boote an der Küste von San Francisco Serratia marcescens, um herauszufinden, wie viele Bewohner sich damit infizieren würden.

    Auch Biowaffen wurden an Menschen, meist Strafgefangenen oder Minderheiten, erprobt. So kam es in den 1970er Jahren zu B-Waffen-Versuchen an 2200 Adventisten, die aus Gesinnungsgründen den Dienst an der Waffe verweigerten. Ein erheblicher Teil der durchgeführten Versuche dürfte nach wie vor im Dunkeln liegen. Über die Vorgänge in Fort Detrick wurden lediglich 2–3 CIA-Offiziere eingeweiht, eine Dokumentation der Arbeit sei kaum erfolgt. Gefährliche Unfälle hat es in Fort Detrick gegeben, einige davon sind nachweisbar. So sind 1981 zwei Liter mit Chikungunya-Virus entwendet worden – genug um damit die Weltbevölkerung mehrfach umzubringen. Die Tatsache gelangte durch Indiskretion eines ehemaligen Mitarbeiters an die Öffentlichkeit.

    http://prep.recentr.com/2017/03/01/biowaffen-sind-gefaehrlicher-als-atomwaffen/

    Biowaffen und Flüchtlingsströme

    Recentr-TV (04.08.2014) Biologische Kampfstoffe

    ABER NICHT NUR IN DER BIOLOGISCHEN KRIEGSFÜHRUNG SIND NEUE GEFÄHREN UND NEUE CHANCEN MÖGLICHKEIT ENTSTANDEN !

    AUCH SCHON IN DER ZIVILEN MEDIZIN-WIRTSCHAFT, GESUNDHEITSWIRTSCHAFT, KRANKHEITSWIRTSCHAFT, LANDWIRTSHAFT UND NAHRUNGSMITTELWIRTSCHAFT WERDEN DIESE NEUEN TECHNOLOGIEN ZUM NACHTEIL UND SCHADEN DER MENSCHEN EINGESETZT !

    Die Gefahren von Impfstoffen zum Einatmen

    Die Royal-Society kontrolliert dein Essen, deine Medikamente, deine Gesundheit und deine Krankheiten

    BEREITS GANZ AM ANFANG BEIM START DER MEDIZINISCHEN-FORSCHNUNGSINDUSTRIEREN WURDEN DIESE FORSCHUNGEN GESTEUERT UND KONTROLLIERT VON PERSONENKREISE DIE NICHT UNBEDINGT DASS WOHL DER MENSCHEN IM SINNEHATTEN !

    Das erleuchtete und adelige Umfeld des Mikrobiologen Robert Koch

    Der Menschen und Seine Biologisch sind zu einem Produkt geworden dass von der Obrigkeit gesteuert wird und benutzt wird wie man gerade will !

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  5. POGGE schreibt:

    Die Grünen fallen nach und nach um beim Thema Gentechnik in der Landwirtschaft ! Es heißt nun, Studien würden zeigen, dass es keine pauschalen Nachteile geben bei Gentechnologisch-Veränderten-Organismen in der Landwirtschaft ! Soll wohl heißen, Die Grünen führen zu künftig nur noch Krieg gegen das Auto und Wohlstand und Freiheit und Gerechtigkeit und gegen alle Deutschen ! Gerade die gründe Jugend prescht hier vor ! Die Presse zitiert zum Beispiel Hauke Köhn, Biologiestudent an der Welfen-Universität Hannover ! Auch Star Robert Habeck tendiert mehr in die Richtung und meint, dass man damit arme Leute ernähren kann die unter dem Klimawandel leiden ! Kaum zu fassen !

    http://recentr.com/2019/05/17/der-kommentierte-newsblitz-recentr/

    Die Grünen VERRATEN Ihre ursprüngliche FAKE-Grundlage den FAKE-Naturschutz !

    Damit dass diese „ZURÜCK IN DIE STEINZEIT DIE GRÜNEN“ Ihre ursprünglichen Start-Themen wie „WIE GEGEN Gentechnik in der Landwirtschaft“ und Naturschutz weg fallen lassen und weg verraten tuen auf Duck von Oben, auf Duck von Internationalen Globalistischen Überregierungsmachteliten, Damit kann die AfD die grünen stellen und vorführeren als verräter-partei und vernichtungspartei die den Deutschen dass Grün vom Himmel LÜGEN TUT UM NUR AN DIEHERRSCHER-POSTEN ZUKOMMEN !

    http://recentr.com/2019/05/17/der-kommentierte-newsblitz-recentr/

    Liken

  6. POGGE schreibt:

    Revolution aus dem Genlabor

    https://static.swissquote.com/sites/swissquote.com/files/documents/swi_1_de_.pdf Auf Seite 30

    Revolution aus dem Genlabor

    Die Techniken der Genom-Editierung werden viele Branchen wie etwa das Gesundheitswesen oder die Landwirtschaft und die Viehzucht drastisch verändern. Ihr Einsatz nach industriellem Massstab weckt berechtigte Ängste, trotz aller Potenziale. Wie weit dürfen wir gehen?

    Revolutionär»: Oft wird dieser Begriff leichtfertig verwendet, wenn von neuen Techniken die Rede ist. Doch nicht in diesem Fall. Mit der Entwicklung von molekularbiologischen Werkzeugen zur Genom-Editierung, die zielgerich-tete Eingriffe in die DNA von Pflan-zen, Tieren und Menschen ermögli-chen, steht die Biotech-Branche vor Veränderungen ungeahnten Ausmas-ses. Hornlose Rinder, muskulöse Schafe und ungefährliche Moskitos sind nur einige Beispiele für Kreatu-ren, die dank des schwindelerregen-den Fortschritts der Wissenschaft das Licht der Welt erblicken.«Wir erleben eine Revolution, die gerade erst begonnen hat», bestätigt Hervé Ronin, Partner bei der Invest-mentbank Bryan, Garnier & Co. «Die Technologien haben den Forschungs-sektor bereits völlig transformiert. Jetzt schaffen sie den Sprung aus Die Techniken der Genom-Editierung werden viele Branchen wie etwa das Gesundheitswesen oder die Landwirtschaft und die Viehzucht drastisch verändern. Ihr Einsatz nach industriellem Massstab weckt berechtigte Ängste, trotz aller Potenziale. Wie weit dürfen wir gehen?BERTRAND BEAUTÉRevolution aus dem GenlaborSWISSQUOTE MÄRZ 201957dem Labor in die Industrie. Das Potenzial ist enorm.» Wie lässt sich dieser Enthusiasmus erklären? Stellen wir uns vor, die menschliche DNA wäre ein Buch mit 3,2 Milliarden Buchstaben. Ein Rechtschreibfehler an der falschen Stelle kann einen ganzen Satz SWISSQUOTE MÄRZ 2019«Wenn die Ergeb-nisse der ersten klinischen Prüfun-gen da sind, wird die Kapitalisierung dieser Unterneh-men im Erfolgsfall sprunghaft nach oben schnellen»Hervé Ronin, Partner bei der Investmentbank Bryan, Garnier & Counleserlich machen, was in diesem Fall zu Krebs oder einer Erbkrankheit führen kann. «Die Genom-Editierung funktioniert ein bisschen wie ein Lektor, der ein Manuskript korrigiert», erklärt Denis Duboule, Gentechniker an der Universität Genf (UNIGE) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL). «Sie ermöglicht beliebige Veränderungen an der DNA, wie das Löschen eines Worts oder das Ersetzen durch ein anderes, ohne dass der Rest des Satzes dafür verändert werden muss.»In der Medizin schürt diese Techno-logie natürlich viele Hoffnungen, da sie bestimmte erblich bedingte Erkrankungen und Krebsarten heilen, uns aber auch vom HI-Virus und von anderen Retroviren befreien könnte. So haben mehrere börsennotierte Biotech-Unternehmen wie Cellectis, CRISPR Therapeutics oder Sangamo bereits entsprechende klinische Prüfungen gestartet (lesen Sie dazu die Unternehmensporträts ab S. 59). «Die ersten Ergebnisse sind vielver-sprechend», so Hervé Chneiweiss, Forschungsleiter am CNRS. «Viel-leicht bin ich zu optimistisch, aber ich glaube, dass die ersten Medika-mente schon bis 2020 auf den Markt kommen werden.»HORNLOSE RINDER«Aus Investorensicht handelt es sich um einen faszinierenden Sektor, da das therapeutische Potenzial dieser neuen Medikamente enorm ist», so Hervé Ronin weiter. «Wenn die Ergebnisse der ersten klinischen Prüfungen da sind, wird die Kapitali-sierung dieser Unternehmen im 58Buch-Vergleich: «Wenn Sie ein Wort in einem Word-Dokument ändern wollen, tun Sie dies am einfachsten per Suchen und Ersetzen», so Hervé Chneiweiss. «Wenn Sie aber das Verb ≤haben› in einem Buch suchen, erhalten Sie Tausende Treffer und führen möglicherweise an falscher Stelle Änderungen durch.» Im Juli 2018 belegte eine in der Zeitschrift «Nature» veröffentlichte Studie, dass solche ungewollten Modifizie-rungen, «Off-target-Effekte» genannt, erheblich häufiger passie-ren als geplant, was zu Krebserkran-kungen führen könnte. Infolge dieser Bekanntgabe stürzte der Aktienkurs von CRISPR Thera-peutics zum Beispiel um 20 Prozent ab. Nach der Euphorie durch die Ergebnisse aus den Tierversuchen sorgte der Artikel in «Nature» bei den Investoren für Ernüchterung. 59Erfolgsfall sprunghaft nach oben schnellen. Ich empfehle vor allem Sangamo und CRISPR Therapeutics. Die beiden Firmen haben im Augen-blick die Nase vorn. Sie sind der Konkurrenz um einige Monate voraus.»US-amerikanische Biotechfirmen wie eGenesis oder Revivicor sind noch nicht so weit. Sie haben sich die Technologie zunutze gemacht, um Schweineembryos zu «vermensch-lichen». Ihr Ziel: Schweine zu erzeu-gen, deren Organe ohne Abstos-sungs- oder Erkrankungsgefahr in den Menschen transplantiert werden können.

    «Wir reden hier nicht von einem Nischenmarkt, sondern sicher von Hunderten Milliar-den von Dollar»Hervé Chneiweiss, Wissenschaftlicher Direktor am CNRS

    Doch die Genom-Editierung be-schränkt sich nicht auf die Medizin-branche. «Da alle Organismen, ob Pflanzen oder Tiere, eine DNA haben, gibt es zahllose Anwendungsmög-lichkeiten, zum Beispiel in der Viehzucht und der Saatgutindustrie», erklärt Hervé Chneiweiss. «Wir reden hier nicht von einem Nischenmarkt, sondern sicher von Hunderten Milliarden von Dollar.»So hat das amerikanische Biotech-Unternehmen Recombinetics eine hornlose Rinderart entwickelt, um die Zahl der Verletzungen in der Viehzucht zu minimieren. Die Firma Calyxt wiederum arbeitet an der Nutzung von Genom-Editierung zur Erzeugung von Saatgut, sogenannten «gen-editierten Organismen» (lesen Sie dazu den Kasten auf S. 61). 2019 soll ihr erstes Produkt auf den Markt kommen: ein Sojaöl, das weniger gesättigte Fette (die den Choleste-rinspiegel beeinflussen) enthält, dafür aber mehr Ölsäuren, denen nachgesagt wird, gut fürs Herz zu sein (lesen Sie hierzu das Interview mit dem Gründer von Calyxt, S. 62 und 63). Mit Verspätung haben die Branchengiganten – Monsanto, Bayer und DuPont – Patente für die verschiedenen Genome-Editing-Tech-niken erworben, um die anrollende Trendwelle nicht zu verpassen.

    EIN HOCHRISIKOSE EIN HOCHRISIKOSEKTORIn einem anderen Bereich versuchen Wissenschaftler, Hefen so zu modifizieren, dass sie Biokraftstoffe produzieren können. So weit die positive Seite der Bilanz, es gibt allerdings gleich mehrere «Aber». In der Medizin mussten die Forscher feststellen, dass die Techniken der Genom-Editierung nicht so präzise sind wie zunächst angekündigt. Deutlich wird dies mit unserem Buch-Vergleich: «Wenn Sie ein Wort in einem Word-Dokument ändern wollen, tun Sie dies am einfachsten per Suchen und Ersetzen», so Hervé Chneiweiss. «Wenn Sie aber das Verb ≤haben› in einem Buch suchen, erhalten Sie Tausende Treffer und führen möglicherweise an falscher Stelle Änderungen durch.» Im Juli 2018 belegte eine in der Zeitschrift «Nature» veröffentlichte Studie, dass solche ungewollten Modifizie-rungen, «Off-target-Effekte» genannt, erheblich häufiger passie-ren als geplant, was zu Krebserkran-kungen führen könnte. Infolge dieser Bekanntgabe stürzte der Aktienkurs von CRISPR Thera-peutics zum Beispiel um 20 Prozent ab. Nach der Euphorie durch die Ergebnisse aus den Tierversuchen sorgte der Artikel in «Nature» bei den Investoren für Ernüchterung.

    TECHNIKEN DER GENOM-EDITIERUNG DIE ÄLTESTE Die Ende der 1980er-Jahre entdeckten Meganukleasen sind die ersten Instrumente, die zum Genome-Editing entwickelt wurden. Mit ihrer Hilfe lassen sich sehr lange DNA-Sequenzen erkennen, wodurch besonders präzise Veränderungen am Genom möglich sind. Sie sind aller-dings extrem kompliziert in der Handhabung. Nur zwei Unternehmen, Cellectis und Precision BioSciences, nutzen diese Methode. DIE AM WENIGSTEN BEKANNTE Die 2003 entwickelten Zink-finger-Nukleasen (ZFN) sind etwas weniger kompliziert in der Anwendung als Meganuk-leasen, können aber teilweise zu Fehlschnitten im Genom führen. Das US-Unterneh-men Sangamo Biosciences setzt ZFN zu therapeutischen Zwecken ein. DIE MODERNSTE Die 2010 entdeckten TALEN (transcription activator-like effector nucleases) werden von dem Unternehmen Cel-lectis zur Entwicklung von Krebsmedikamenten und von Calyxt zur Erzeugung von gentechnisch verändertem Saatgut genutzt. DIE SPEKTAKULÄRSTE Die Entdeckung des CRISPR/Cas-Systems im Jahr 2012 war eine Riesensensation. Das System punktet mit drei Trümpfen: Es ist einfach, wo-durch Erbgutveränderungen massentauglich würden, es ist schnell, und es ist preis-günstig, etwa zehn Mal güns-tiger als andere Methoden. Der einzige Wermutstropfen: Das CRISPR/Cas-System führt zu unerwünschten Genveränderungen – eine Kinderkrankheit aus Sicht der Befürworter, ein No-Go für die medizinische Anwen-dung, sagen die Gegner.

    He Jiankui, Professor an der Süd-Universität in Shenzhen (China), hat im November 2018 berichtet, dass er erstmals das Erb-gut von zwei Babys verändert habe. Die Forschergemeinde reagierte empört, weil er eine rote Linie überschritten hatte.

    Doch seitdem haben sich die Aktienkurse wieder erholt, wie Anne Moore berichtet. Sie verfolgt für die Investmentbank Bryan, Garnier & Co. die Entwicklungen in der Gesund-heitsbranche. «Die Editierungstech-niken sind weiterhin im Kommen. Allerdings dürfte der Prozess bis zur Markteinführung eines ersten Arzneimittels chaotisch verlaufen, begleitet von positiven wie von negativen Meldungen. Es geht um Hochrisikoinvestitionen, da niemand weiss, welches Unternehmen oder welche Technologie sich durchset-zen wird.» Die Experten sind sich jedoch einig: «Selbst wenn es noch einige Hürden zu bewältigen gibt, wird die Genom-Editierung irgend-wann Krankheiten heilen», so Anne Moore. MALARIAMÜCKEN AUSROTTENBleibt die brennende ethische Frage: Was werden wir tun, wenn die technischen Probleme gelöst sind? «Es sind sehr mächtige Instrumente, die mit Vorsicht eingesetzt werden müssen», bekräftigt Hervé Chneiweiss, Vorsitzender des Ethikkomitees INSERM. «In Argentinien und Uruguay wird beispielsweise auf Versuchsfar-men das Erbgut von Schafen und Kälbern verändert, um ihre Muskel-masse zu erhöhen und dadurch doppelt so viel Fleisch zu produzieren. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das sofort nachvollziehbar. Doch was für ein Leben werden diese optimierten Tiere führen, und welche Qualität wird das auf diese Weise für die Verbrau-cher erzeugte Fleisch haben?»2018 gelang es einer britischen Forschergruppe des Imperial College in London, die von der Bill & Melinda Gates Foundation gesponsert wird, eine Anopheles-Population, die Mückenart, die den Malariaparasiten überträgt, auszurotten, indem sie das Genom einiger Mücken veränder-te. Innerhalb weniger Wochen, das sind weniger als zehn Mückengene-61Sind «Gen-editierte Organismen» dasselbe wie gentechnisch ver-änderte Organismen? Diese Frage spaltet die Welt. Am 28. März 2018 gab US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue bekannt, dass sein Ministerium (USDA) die neuen, mittels Genom-Editierung ent-wickelten Pflanzenarten nicht reglementieren werde. Das heisst im Klartext, dass diese wie natür-liche Lebensmittel behandelt werden und der Verbraucher keine Chance hat, sie von einem wilden Gewächs zu unterschei-den. Der Europäische Gerichtshof hingegen sieht das ganz anders. Im Juli 2018 stellte er fest, dass «Gen-editierte Organismen» zu-künftig genauso reglementiert werden wie andere gentechnisch veränderte Organismen. Gen-editierte Organismen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt, da sie noch nicht auf den Markt gekommen sind. Es handelt sich dabei um Organismen, deren Erb-gut durch die kontrollierte Modifi-kation einzelner Gene mittels einer Technik zur Genom-Editierung verändert wird und nicht durch die Einfügung von Genen von aussen, wie das bei herkömmlich gentech-nisch veränderten Organismen der Fall ist. Für die Industrie ist die Frage nach dem rechtlichen Rahmen von grosser Bedeutung. Wenn diese Pflanzen einer völlig neuen Art denselben Status erhalten wie die «älteren» gentechnisch veränderten Organismen, müssen sie ein lang-wieriges und kostspieliges Zulas-sungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen. Darum hängt für die Unter-nehmen viel davon ab, ob sie die Re-gierungen von einem wohlwollen-den Kurs überzeugen können. «Die Saatgutindustrie betreibt intensive Lobbyarbeit», erzählt Yves Berthe-au, Forschungsleiter am franzö-sischen Naturkundemuseum in Paris (Muséum national d’histoire naturelle), ein Experte auf diesem Gebiet. «Sie spricht beispielsweise nicht mehr von negativ konnotier-ten ‹gentechnischen Veränderun-gen›, sondern von der ‹Editierung› oder ‹Korrektur› des Genoms. Das suggeriert, dass die DNA der Pflanzen fehlerhaft ist und verbes-sert werden muss.» In einem internen Dokument der Saatgutlobby mit dem Titel «How to talk about plant breeding inno-vation», das «Swissquote Maga-zine» vorliegt, wird die Strategie der Industrie, mit der die Regie-rungen überzeugt werden sollen, im Detail dargelegt. Dort heisst es: «Bis 2050 wird es 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde geben und nicht genug Lebensmittel, um alle zu ernähren.» Oder auch: «Die Methoden beruhen auf denselben Prinzipien, die Bauern und Bota-niker seit Tausenden von Jahren anwenden.»Argumente, die Yves Bertheau nicht überzeugen können. Nach dessen Auffassung hat der Ge-richtshof eine weise Entscheidung getroffen: «Ich sage nicht, dass die Gen-editierten Organismen schäd-lich sind, aber wir haben noch viel zu wenig Erfahrungswerte. Im Zweifel scheint es mir angebracht, gentechnische Veränderungen, die schnell, radikal und meist irreversibel sind, mit Vorsicht zu betrachten.»Die grössten ethi-schen Bedenken verursacht natür-lich die gentechni-sche Veränderung des menschlichen Erbgutsan Embryonen, wodurch sich alle Änderungen an die nächsten Genera-tionen weitervererben würden. Trotz dieser Warnung kündigte der chinesi-sche Forscher He Jiankui im November 2018 die Geburt der Zwillinge Lulu und Nana an, deren DNA er nach eigener Aussage modifiziert hatte, um sie vor ILLUMINA Für sicherheitsorientierte Investoren ist Illumina ein interessantes Unternehmen. Denn die Entwicklung von Medikamenten, die auf Genom-Editierung beruhen, wird eine Infrastruktur für das «Lesen» einer DNA erfordern. Als Her-steller von Geräten und Mate-rialien zur DNA-Sequenzierung wird Illumina laut KBC Asset Management «eine wichtige Rolle» spielen, egal welche Technologien und Unternehmen sich bei der Genom-Editierung durchsetzen werden. GRÜNDUNG: 1998HAUPTSITZ: SAN DIEGO (USA)BESCHÄFTIGTE: 5500UMSATZ 2017: USD 2,7 MRD.KAPITALISIERUNG: USD 45 MRD.ILMN INTELLIA Zusammen mit Novartis und Regeneron arbeitet Intellia Therapeutics an der Entwicklung von sie-ben Arzneimitteln auf Basis der Crispr-Cas9-Methode, vorwiegend zur Behandlung von Erbkrankheiten und be- stimmten Krebsformen. Das Unternehmen ist vorsichtig und plant den Beginn der klinischen Prüfungen nicht vor 2020.GRÜNDUNG: 2014HAUPTSITZ: CAMBRIDGE (USA)BESCHÄFTIGTE: 200KAPITALISIERUNG: USD 611 MIO.NTLA SANGAMO Der Vorreiter der Genom-Editierung, Sangamo Therapeu-tics, arbeitet mit der ZFN- Methode. Das US-Unternehmen führt derzeit mehrere klinische Phase-I-Prüfungen durch und verfügt über ein Dutzend Medikamentenkandidaten. GRÜNDUNG: 1995HAUPTSITZ: RICHMOND (USA) BESCHÄFTIGTE: 180 KAPITALISIERUNG: USD 1,16 MRD.SGMOBUSINESS VERSUS VORSICHT: DER KAMPF UM DIE NEUEN «GEN-EDITIERTEN ORGANISMEN»rationen später, war die Existenz der Anopheles im Labor ausgelöscht.Die Idee mag lobenswert erscheinen: Jedes Jahr sterben 450’000 Men-schen an Malaria, die meisten von ihnen sind Kleinkinder. Das Ausmer-zen der Mücke, die die Krankheit überträgt, würde Leben retten. «Doch welche Folgen hätte das für die Biodiversität?», fragt Hervé Chneiweiss. «Mücken sind Be-stäuberinsekten, von denen sich Larven und Fische ernähren. Eine ganze Spezies auszurotten, könnte unkontrollierbare Folgen für das Ökosystem haben. Vor allem, da es nicht nur um die Mücken geht. Es gibt ähnliche Forschungen zu invasiven Pflanzenarten.»Die grössten ethischen Bedenken verursacht natürlich die gentechni-sche Veränderung des menschlichen Erbguts. Im März 2015 veröffentlich-ten Wissenschaftler Warnungen in den renommierten Fachzeitschriften «Nature» und «Science»: Die Genom-Editierung sollte beim Menschen nur für klassische Gentherapien verwendet werden, also nur an defekten Zellen eines Menschen vorgenommen werden, und nicht an Embryonen, wodurch sich alle Änderungen an die nächsten Genera-tionen weitervererben würden. Trotz dieser Warnung kündigte der chinesi-sche Forscher He Jiankui im November 2018 die Geburt der Zwillinge Lulu und Nana an, deren DNA er nach eigener Aussage modifiziert hatte, um sie vor ILLUMINA Für sicherheitsorientierte Investoren ist Illumina ein interessantes Unternehmen. Denn die Entwicklung von Medikamenten, die auf Genom-Editierung beruhen, wird eine Infrastruktur für das «Lesen» einer DNA erfordern. Als Her-steller von Geräten und Mate-rialien zur DNA-Sequenzierung wird Illumina laut KBC Asset Management «eine wichtige Rolle» spielen, egal welche Technologien und Unternehmen sich bei der Genom-Editierung durchsetzen werden. GRÜNDUNG: 1998HAUPTSITZ: SAN DIEGO (USA)BESCHÄFTIGTE: 5500UMSATZ 2017: USD 2,7 MRD.KAPITALISIERUNG: USD 45 MRD.ILMN INTELLIA Zusammen mit Novartis und Regeneron arbeitet Intellia Therapeutics an der Entwicklung von sie-ben Arzneimitteln auf Basis der Crispr-Cas9-Methode, vorwiegend zur Behandlung von Erbkrankheiten und be- stimmten Krebsformen. Das Unternehmen ist vorsichtig und plant den Beginn der klinischen Prüfungen nicht vor 2020.GRÜNDUNG: 2014HAUPTSITZ: CAMBRIDGE (USA)BESCHÄFTIGTE: 200KAPITALISIERUNG: USD 611 MIO.NTLA SANGAMO Der Vorreiter der Genom-Editierung, Sangamo Therapeu-tics, arbeitet mit der ZFN- Methode. Das US-Unternehmen führt derzeit mehrere klinische Phase-I-Prüfungen durch und verfügt über ein Dutzend Medikamentenkandidaten. GRÜNDUNG: 1995HAUPTSITZ: RICHMOND (USA)BESCHÄFTIGTE: 180KAPITALISIERUNG: USD 1,16 MRD.SGMOBUSINESS VERSUS VORSICHT: DER KAMPF UM DIE NEUEN «GEN-EDITIERTEN ORGANISMEN»rationen später, war die Existenz der Anopheles im Labor ausgelöscht.Die Idee mag lobenswert erscheinen: Jedes Jahr sterben 450’000 Men-schen an Malaria, die meisten von ihnen sind Kleinkinder. Das Ausmer-zen der Mücke, die die Krankheit überträgt, würde Leben retten. «Doch welche Folgen hätte das für die Biodiversität?», fragt Hervé Chneiweiss. «Mücken sind Be-stäuberinsekten, von denen sich Larven und Fische ernähren. Eine ganze Spezies auszurotten, könnte unkontrollierbare Folgen für das Ökosystem haben. Vor allem, da es nicht nur um die Mücken geht. Es gibt ähnliche Forschungen zu invasiven Pflanzenarten.»Die grössten ethischen Bedenken verursacht natürlich die gentechni-sche Veränderung des menschlichen Erbguts. Im März 2015 veröffentlich-ten Wissenschaftler Warnungen in den renommierten Fachzeitschriften «Nature» und «Science»: Die Genom-Editierung sollte beim Menschen nur für klassische Gentherapien verwendet werden, also nur an defekten Zellen eines Menschen vorgenommen werden, und nicht einer eventuellen Infektion mit dem Aids-Virus zu schützen. «Dieses skandalöse Experiment ist weltweit wie ein Blitz eingeschlagen», sagt Hervé Chneiweiss. «Wir müssen dringend Gespräche auf internationa-ler Ebene führen, um die Grenzen der Genom-Editierung auszuloten !»

    Sind «Gen-editierte Organismen» dasselbe wie gentechnisch ver-änderte Organismen? Diese Frage spaltet die Welt. Am 28. März 2018 gab US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue bekannt, dass sein Ministerium (USDA) die neuen, mittels Genom-Editierung ent-wickelten Pflanzenarten nicht reglementieren werde. Das heisst im Klartext, dass diese wie natür-liche Lebensmittel behandelt werden und der Verbraucher keine Chance hat, sie von einem wilden Gewächs zu unterschei-den. Der Europäische Gerichtshof hingegen sieht das ganz anders. Im Juli 2018 stellte er fest, dass «Gen-editierte Organismen» zu-künftig genauso reglementiert werden wie andere gentechnisch veränderte Organismen. Gen-editierte Organismen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt, da sie noch nicht auf den Markt gekommen sind. Es handelt sich dabei um Organismen, deren Erb-gut durch die kontrollierte Modifi-kation einzelner Gene mittels einer Technik zur Genom-Editierung verändert wird und nicht durch die Einfügung von Genen von aussen, wie das bei herkömmlich gentech-nisch veränderten Organismen der Fall ist. Für die Industrie ist die Frage nach dem rechtlichen Rahmen von grosser Bedeutung. Wenn diese Pflanzen einer völlig neuen Art denselben Status erhalten wie die «älteren» gentechnisch veränderten Organismen, müssen sie ein lang-wieriges und kostspieliges Zulas-sungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen. Darum hängt für die Unter-nehmen viel davon ab, ob sie die Re-gierungen von einem wohlwollen-den Kurs überzeugen können. «Die Saatgutindustrie betreibt intensive Lobbyarbeit», erzählt Yves Berthe-au, Forschungsleiter am franzö-sischen Naturkundemuseum in Paris (Muséum national d’histoire naturelle), ein Experte auf diesem Gebiet. «Sie spricht beispielsweise nicht mehr von negativ konnotier-ten ‹gentechnischen Veränderun-gen›, sondern von der ‹Editierung› oder ‹Korrektur› des Genoms. Das suggeriert, dass die DNA der Pflanzen fehlerhaft ist und verbes-sert werden muss.» In einem internen Dokument der Saatgutlobby mit dem Titel «How to talk about plant breeding inno-vation», das «Swissquote Maga-zine» vorliegt, wird die Strategie der Industrie, mit der die Regie-rungen überzeugt werden sollen, im Detail dargelegt. Dort heisst es: «Bis 2050 wird es 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde geben und nicht genug Lebensmittel, um alle zu ernähren.» Oder auch: «Die Methoden beruhen auf denselben Prinzipien, die Bauern und Bota-niker seit Tausenden von Jahren anwenden.»Argumente, die Yves Bertheau nicht überzeugen können. Nach dessen Auffassung hat der Ge-richtshof eine weise Entscheidung getroffen: «Ich sage nicht, dass die Gen-editierten Organismen schäd-lich sind, aber wir haben noch viel zu wenig Erfahrungswerte. Im Zweifel scheint es mir angebracht, gentechnische Veränderungen, die schnell, radikal und meist irreversibel sind, mit Vorsicht zu betrachten !»

    «Die Genom-Editierung wird unser Leben verändern»

    Der Forscher André Choulika ist nicht nur Pionier auf dem Gebiet der genetischen Reprogrammierung, sondern auch Serial Entrepreneur. Er gründete das börsenkotierte Unternehmen Cellectis, das bahnbrechende Krebsbehandlungen entwickelt, und die Firma Calyxt, die auf Genom-editierte Lebensmittel spezialisiert ist. BERTRAND BEAUT WISSENSCHAFTLER MIT UNTERNEHMERGEIST2016 rangierte André Choulika in der Zeitschrift «Vanity Fair» auf Platz 22 der einflussreichs-ten Franzosen der Welt. Eine Ehre, die einem Wissenschaftler nicht so häufig widerfährt. André Choulika, 1965 im Libanon geboren, ver-liess Beirut als Teenager während des Bürger-kriegs. Damit begann für ihn ein neues Leben in Frankreich, wo er sehr erfolgreich seine Ausbil-dung absolvierte: Nach dem naturwissenschaftli-chen Abitur und einer Dissertation im Labor von François Jacob, Nobelpreisträger und «Vater» der Genforschung, ging er als Post-Doktorand an die renommierte Harvard University in die USA. 1999 gründete er das Unternehmen Cellectis, das er bis heute leitet. Cellectis galt damals schon als Pionier auf dem Gebiet der neuen Genome-Editing-Technologien. 2010 gründete er das auf landwirtschaftliche Biotechnologien spezialisier-te Unternehmen Calyxt. Er ist dort heute Verwal-tungsratsvorsitzender.
    Die Genom-Editierung wird oft als eine Revolution dargestellt. Ist das nicht übertrieben, wenn man an die unerfüllten Verspre-chungen der Gentherapie denkt?Keineswegs. Diese Werkzeuge stellen eine echte technologische Revolu-tion für den gesamten Planeten dar, die uns bis zum Ende des 21. Jahr-hunderts beschäftigen wird. In 30 bis 50 Jahren wird die Hälfte der mensch-lichen Ernährung aus gentechnisch verändertem Saatgut stammen. Die Medizin wird viele genetische Behand-lungen zur Verfügung haben. Und syn-thetische Produkte werden Materialienwie Holz oder Textilien ersetzen – auf uns kommt eine richtige Lawine zu. Im November 2018 löste ein chinesischer Wissenschaftler einen internationalen Aufschrei aus, als er die Geburt von Babys verkündete, deren Genome mit der CRISPR-Cas9-Technik ver-ändert worden waren. Bremst das Ihre Begeisterung?Die Hypermediatisierung der CRISPR-Cas9-Technologie hat zu dieser Ausartung geführt. Einige Leute möchten ein paar Minuten lang berühmt sein, wie Andy Warhol sagenwürde. Aber die Dummheit dieses Wissenschaftlers, dessen Arbeiten nutzlos sind, beunruhigt mich nicht. Nach der Geburt des Schafes Dolly im Jahr 1996 hatten alle Angst davor, dass die Klonierung überhandneh-men könnte. Am Ende gab es keine Auswüchse, weil die Erzeugung eines Klons nichts bringt. Genauso ist es mit dem Experiment dieses Forschers. Sorge bereiten mir hingegen all diese selbsternannten Genome-Editing-Experten, die sich in den Medien äussern. Sie machen Versprechungen, die sie nicht halten können, wenn sie erklären, dass sie alle genetisch bedingten Krankheiten heilen werden. Es gibt viele Patienten, die warten und hoffen. Leider fürchte ich, dass sie von diesen Verheissungen wied einmal enttäuscht werden, denn wir müssen ehrlich sein: Wir werden Duchenne-Muskeldystrophie oder Mukoviszidose in naher Zukunft nicht heilen können. Das wird wahrschein-lich irgendwann passieren, aber es wird sicher noch seine Zeit brauchen. Welche Therapien wird Cellectis als Erstes auf den Markt bringen?Wahrscheinlich eine Behandlung für eine Form der Kinderleukämie. Dieses Produkt heisst UCART19, und Servier hat die Exklusivlizenz erworben. Es geht darum, Immunzellen (T-Lympho-zyten) gesunder Spender genetisch sozu verändern, dass sie die Krebszellen des Patienten erkennen und zerstö-ren. Im Juni 2015 wurde dieses Medi-kament erstmals bei einem britischen Mädchen nach dem «Compassionate Use»-Prinzip (das heisst, ohne dass es zugelassen war, Anm. d. Red.) an-gewendet. Seine Lebenserwartung be-trug damals nur noch wenige Wochen. Heute geht das Mädchen zur Schule, und die klinische Phase-I-Studie wird voraussichtlich bald abgeschlos-sen sein. Das Arzneimittel könnte bis 2022 auf den Markt kommen. Ihr Unternehmen Calyxt entwickelt gentechnisch verändertes Saat-gut. Inwiefern unterscheidet sich dieses Produkt von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)?Es ist so: GVO werden durch Ein-schleusung von Fremd-DNA in die Pflanze hergestellt. Konkret heisst das: Man nimmt ein Gen einer Art, zum Beispiel das eines Bakteriums, und überträgt es auf Mais. Bei der Genom-Editierung hingegen wird ein bestehendes Gen gezielt modifiziert, um die ernährungsphysiologischen Eigenschaften einer Pflanze zu ver-bessern. Dieser Prozess existiert in der Natur. Wir versuchen lediglich, die Auswahl von Pflanzen mit den besten Nährwerteigenschaften für die Verbraucher zu beschleunigen.Der Europäische Gerichtshof hat jedoch entschieden, dass diese «neuen GVO» wie die alten zu be-trachten sind, das heisst, dass sie denselben Regelungen unterliegen.Europa hat sich wieder mal ins eigene Fleisch geschnitten. Im Bereich der landwirtschaftlichen Biotechnologie hat die Kommission eine ebenso res-triktive wie unverständliche Position eingenommen, was die Innovation bremsen wird. Deshalb habe ich Calyxt in den Vereinigten Staaten gegründet. Weltweit werden auf über der Hälfte der Agrarflächen genetisch veränder-te Pflanzen angebaut. Bisher wurden keine schädlichen Auswirkungen beobachtet. Man muss uns erst be-weisen, warum es so gefährlich ist! Das einzige Problem mit den derzeiti-gen GVO besteht darin, dass sie den Verbrauchern nichts bringen. Grosse Unternehmen wie Monsanto haben ein System à la Nespresso entwickelt, das heisst sie verkaufen GVO-Saatgut, um ihre Pflanzenschutzmittel abzusetzen. Dies nützt weder den Verbrauchern noch der Umwelt. Mit Calyxt werden wir dieses Paradigma ändern. Schon dieses Jahr werden wir als Erste einen gentechnisch editierten Inhaltsstoff auf den Markt bringen. Es handelt sich um ein Sojaöl, das reich an guten Fettsäuren und frei von Transfetten ist. In diesem Fall bringen wir den Verbrau-chern wirklich etwas, denn potenziell kann es das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.Haben Sie keine Angst, dass die Giganten der Branche irgendwann reagieren und Ihren Produkten Konkurrenz machen werden? Wenn Sie sich die Pharmaindustrie anschauen, so haben natürlich alle grossen Konzerne die Genom-Edi-tierung in ihrem Portfolio, entweder in Form von Patenten oder durch Kooperationsvereinbarungen mit Biotech-Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Novartis arbeitet beispielsweise mit Intellia zusammen, und Servier hat seit fast fünf Jahren eine Partnerschaft mit Cellectis. Allerdings haben diejenigen Unter-nehmen, die im Bereich der grünen Biotechnologie tätig sind, mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mit Calyxt sind wir jedoch schneller als sie. Die Pharmabranche hat noch nie einen echten Umbruch erlebt. Sehen Sie: Seit einem Jahrhundert wird der Markt von denselben Firmen, Bayer, BASF, Monsanto und DuPont, beherrscht. Es ist heute an der Zeit, dass ein neuer Akteur auftritt und das Paradigma bricht, wie Tesla es in der Automobilindustrie getan tat. Ich denke, das wird Calyxt sein.

    https://static.swissquote.com/sites/swissquote.com/files/documents/swi_1_de_.pdf Auf Seite 30

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