Türkei: Ein angeschlagener Sultan und eine triumphierende Opposition

(www.conservo.wordpress.com)

Von Peter Helmes

„Wer Istanbul verliert, kann auch die ganze Türkei verlieren“

Erdogan steht ganz plötzlich vor einem neuen Lebensabschnitt, politisch gesehen, der sein letzter sein könnte. Denn Istanbul ist nicht nur die größte Stadt seiner Heimat, sondern hat für ihn nahezu symbolhaften Charakter.

Recep Tayyip Erdogan startete seine politische Karriere vor 25 Jahren in Istanbul, und seither hat er nie mehr in Istanbul bei einer Wahl verloren. Denn er hat verstanden: Sollte er Istanbul verlieren, könnte er anschließend auch die Türkei verlieren. Das ist der Grund, warum diese Wahl für ihn von überragender Bedeutung war. Deshalb hat er die Richter gezwungen, die erste Wahl zu annullieren, weil er weiß, daß der Verlust Istanbuls mehr darstellt als eine schwere Niederlage in seiner politischen Karriere.

Dieses Mal hat der Oppositionskandidat Imamoglu mit so viel Vorsprung gewonnen, daß ihm der Wahlsieg nicht abgesprochen werden kann. Die erste Wahl annullieren zu lassen, hat also nichts geholfen. Und eine weitere bittere Erkenntnis gehört für Erdogan dazu:Die Verfassung, die er sich hat maßschneidern lassen, und die absolute Macht, die er durch das Dezimieren der Opposition geschmiedet hatte, haben ihn vergessen lassen, daß er niemals über dem Volk stand.

Mehr noch, vermutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung scheint sich, wie wir in Istanbul gesehen haben, nichts sehnlicher als eine westliche Demokratie zu wünschen. Diese Menschen werden sich jetzt gestärkt fühlen. Den neuen Mut, den sie aus dem Wahlergebnis schöpfen, wird auch Erdogan nicht so schnell wieder unterdrücken können.

Die Zeit des steten wirtschaftlichen Wachstums in der Türkei ist längst vorbei. Wirtschaftlich steht die Türkei heute miserabel da. Neben dem urbanen Wunsch nach mehr persönlicher Freiheit ist es wohl dieser Faktor, der Erdogans politische Spielräume verändert.

Bisher war der Präsident bekannt dafür, Niederlagen in Siege umzuwandeln. Wie es scheint, hat er viel von dieser Eigenschaft verloren. Er hat Leute um sich geschart, die ihm nicht widersprechen, alle seine Wünsche von den Lippen ablesen. Doch sollte niemand erwarten, daß Erdogan jetzt Selbstkritik übt. Politiker seines Schlages sind zu so etwas nicht fähig. Es ist zwar klar, daß für ihn jetzt der Anfang vom Ende begonnen hat. Aber er wird nicht aufgeben, sondern eher um sich schlagen.

Vermutlich wird er – (arg-)listig, wie er nun mal ist – versuchen, herum zu manipulieren, um den künftigen Bürgermeister von Istanbul zu blockieren, wo immer möglich. Er wird sich mit allen Mitteln dem nahenden Ende seiner Herrschaft entgegenstemmen.

Das wird neue Risiken für die Türkei zur Folge haben. Noch kann sich Erdogan auf fast die Hälfte der Türken stützen. Die politische Macht ist nach der Verfassungsreform stark auf den Präsidenten zugeschnitten. Er hätte also durchaus das Potenzial, das Land in den Abgrund zu reißen. Er wird sich an die Macht klammern – und wenn er sie zu verlieren droht, wird er versuchen, das ganze Land mit in den Abgrund zu reißen.

Dagegen gibt es jedoch eine Gegenbewegung, die man erkennt, wenn man sich die Vorgänge innerhalb der AKP anschauen. Die kontroverse Entscheidung, die Bürgermeisterwahl in Istanbul zu wiederholen, brachte die Gräben in der Regierungspartei zum Vorschein. Einige Politiker hatten öffentlich gewarnt, die Wahlwiederholung würde der Partei schaden. Jetzt sehen sie sich in ihrer Meinung bestätigt.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich die AKP spaltet, da nun bewiesen wurde, daß Erdogan nicht unbesiegbar ist. Aber auch eine gänzlich andere Entwicklung ist denkbar: Es könnte sein, daß die Regierung in Ankara ihre anti-westliche Rhetorik abmildert und den außenpolitischen Kurs ändert – in der Hoffnung, das Vertrauen der Märkte und der Wähler zurückzugewinnen. Erdogan ist jede Volte zuzutrauen.

www.conservo.wordpress.com     24.06.2019

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten in meinen Emails sowie auf den Seiten der „sozialen Medien“ und mache mir diese Inhalte nicht zueigen. *****
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Außenpolitik, Politik Europa, Türkei abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Türkei: Ein angeschlagener Sultan und eine triumphierende Opposition

  1. Ingrid schreibt:

    Ich möchte es mit Pippi Langstrumpf sagen:
    Ich mach mir die Welt, widdewitt wie es mir gefällt.
    Ich habe mich gefreut als ich das Wahlergebnis gehört habe.Es gibt in Istanbul viele freiheitliche und kluge Menschen, die diesen dummen Despoten, nicht mehr haben wollen.
    Der Sultan vom Bosporus hat hoffentlich bald ausgedient.
    Das gibt auch Hoffnung für Deutschland.

    Gefällt 1 Person

    • POGGE schreibt:

      Nah JA beim den Bürgermeisterwahlen von Istanbul in Istanbul konnten JA nur die Wohner von Istanbul mitwählen, Bei den Nationalen Regierungswahlen, Parliamentswahlen und Presidentenwahlen in der ganzen Türkei insgesamt aussieht diese Sache schon ganz anders aus, Weil auch die ganzen Türken in DEUTSCHLAND und EUROPA da mit wählen können und Erdogan WÄHLEN TUEN !!!!

      Desweiteren ist heute auch die Türkische Opposition und auch die CHP-Partei und auch alle anderen Oppositionsparteien sind mit ISLAMISTEN UNTERWANDERT !!!!

      Und auch die Einflussreiche Türkische Adelsfamilien “ Koc “ Die direkte Nachfahren der Verwandten des letzten Echten Osmanischen Sultan’s sind, Diese Mächtige Türkische Adelsfamilie “ Koc “ verfolgt heute auch eine ganz ähnliche Islamistische Imperialistische Ideologien wie Erdogan und die AKP-Partei !!!!

      Diese Türkische Adelsfamilien “ Koc “ sind auch im BILDERBERG-CLUB Mitglieder !!!!

      KOC hat die Bilderberger islamisiert !!!!

      Also auch mit der Türkische Opposition und mit der CHP wird geht die re-Islamisierung der Türkei weiter und damit auch dass weiter herein mitziehen der EU und Europa’s durch die Türkei in eine weitere Islamierung geht mit auch mit der Türkische Opposition und mit der CHP weiter in die Falsche Richtung nur zwischen zeitlich etwas verlangsamt !!!!

      Liken

  2. Pingback: Türkei: Ein angeschlagener Sultan und eine triumphierende Opposition – alternativ-report.de

  3. Ulfried schreibt:

    newschopper4bravo, kanns du das was du hier sagst auch mit Fakten beweisen? Ich binn ganz gespannt darauf

    Liken

  4. Semenchkare schreibt:

    Nunja Istanbul ist erstmal verloren für die AKP.
    Wichtiger als das meine ich, sind aber für Erdogan die Auslandstürken (Moslems), seine 5. Kolonne! Vorallem bei uns! Auch in Form von islamischen Parteien wie z.B. der BIG.

    Archiv: 2017
    *********************
    Was sollen Muslime wählen?

    Veröffentlichung des „Deutsch-Muslimischen-Wahlkompass“ als Entscheidungshilfe für rund 2 Millionen stimmberechtigte Muslime zur Bundestagswahl 2017

    http://islam.de/29207

    Liken

    • Semenchkare schreibt:

      Freitag, 24.05.2019

      Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) startet heute zum Tag des Grundgesetzes letzten Aufruf zu den EU-Wahlen

      Breitgefächerte Kampagne „Meine Stimme zählt“ fand in den Gemeinden und sozialen Medien viel Resonanz in den letzten Monaten….

      http://islam.de/31316

      Bekanntlich hat Grün (die Farbe des Propheten) zugelegt.

      Liken

    • theresa geissler schreibt:

      „Wichtiger als das meine ich, sind aber für Erdogan die Auslandstürken (Moslems), seine 5. Kolonne! Vorallem bei uns! Auch in Form von islamischen Parteien wie z.B. der BIG.“

      Inzwischen bei uns in den Niederländen ebenso, werter Semenschkare! Ich weiss zwar nicht, ob Sie mittlerweile jemals gehört haben von dem lebendigen politischen Albtraum „DENK“, der ab ca. 2016 den Holländischen Politik terrorisiert….
      Momentan vertreten bei zwei Sch….türken und einem Sch….marokaner, die sich immer mehr anmässend benehmen, damit man sie am Liebsten mit de Köpfe gegeneinander schlagen möchte und sie anschliessend auf dem nächsten Flug nach Ankara bzw. Casablanca setzen! Glauben Sie mir, schlimmer gibt ’s nicht!

      V

      Liken

  5. Pingback: Turkije: Een aangeslagen sultan en een triomferende oppositie – Theresa's visie

  6. theresa geissler schreibt:

    Würde dies denn wirklich bedeuten, dass der sekulären Geist des guten alten Kemal Atatürks den Türken am Ende noch nicht ganz verlassen hat? Das wäre mal schön!

    Liken

  7. Mike schreibt:

    Gibt es einen Grund warum meine Beiträge nicht gepostet werden?

    Liken

  8. Ela schreibt:

    @ Mike

    schreib sie nochmal. Es ist ein Fehler im System, der manchmal was verschluckt. LG

    Liken

Kommentare sind geschlossen.