Amazonassynode Teil III: Der „Synodale Weg“ – Vertiefung oder Verwässerung des Glaubens?

(www.conservo.wordpress.com)

Von Thorsten Paprotny, CNA *)

Etliche deutsche Bischöfe hegen und schüren die Hoffnung, dass im Zuge der Beratungen auf dem „Synodalen Weg“ Vorschläge erarbeitet werden, die weltkirchlich Beachtung finden könnten. Kardinal Reinhard Marx hat diese Erwartung am Ende der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda in seinem Statement präzise artikuliert: „Es wird keinen deutschen Sonderweg ohne Rom bei weltkirchlich relevanten Fragen geben. Aber wir sind bereit, Diskussionsbeiträge für die Weltkirche zu liefern.“

Einige Themen, Wünsche und Forderungen sind seit der „Würzburger Synode“ bekannt. Andere Fragen werden als Möglichkeiten diskutiert – so etwa eine kirchliche Segnung homosexueller Personen, die in Lebensgemeinschaften verbunden sind. Die Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte zu diesen und anderen Themenbereichen sollte oder könnte hinreichend bekannt sein. Bestehende Defizite in der Verkündigung, der Frohen Botschaft wie der Lehre, scheinen der Mehrheit der Bischöfe offenbar nicht als Mangel bewusst zu sein. Sonst wäre zumindest additiv zu den bestehenden Gesprächsgruppen ein Forum „Evangelisierung“ möglich gewesen. So aber werden vorwiegend Fragestellungen erörtert, die den Wünschen der etablierten katholischen Verbände und Laienorganisationen entsprechen – mit der Erwartung, dass in Rom und in der Kirche überhaupt später darüber vertieft nachgedacht werden könnte.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang eine Reflexion, die der renommierte Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti nahezu beiläufig in seinem neuen, ausgesprochen lesenswerten Buch über Papst Leo XIII. anstellt, eine allgemein formulierte These, die wie eine staunenswerte Analyse wirkt. Ernesti schreibt dort:

„In der vatikanischen Lehrverkündigung gibt es einen Topos, der auf Außenstehende seltsam wirken mag. Neuerungen werden nie so genannt, sondern als organische Entwicklung und Fortschreibung der Tradition beschrieben. In dieser Logik gibt es keine historischen Brüche, sondern nur Kontinuität.“ (Jörg Ernesti: Papst Leo XIII. Papst und Staatsmann, Verlag Herder/Freiburg im Breisgau 2. Aufl. 2019, 172)Diese These erstaunt und verblüfft. Ernesti bezieht sich dann auf das Wirken Leos XIII. zu seiner Zeit. Wir wissen heute: Der Papst erkannte die Bedeutung der katholischen Soziallehre und förderte diese. Zudem sprach er sich energisch gegen Rassismus aus. Bestimmte Themenfelder werden erst mit der Zeit bekannt und erfordern eine Positionierung des kirchlichen Lehramtes. Das mag auf Außenstehende und auch auf kirchlich gebundene Menschen heute revolutionär wirken, aber handelt es sich um eine substanzielle, grundsätzliche Neuerung oder um einen Bruch mit der bestehenden Lehrverkündigung?

Insbesondere Papst Benedikt XVI. hat als Theologe des Konzils beharrlich auf die „Hermeneutik der Reform“ hingewiesen, so in der Weihnachtsansprache vor der Römischen Kurie im Jahr 2005:

„Die Frage taucht auf, warum die Rezeption des Konzils in einem großen Teil der Kirche so schwierig gewesen ist. Nun ja, alles hängt ab von einer korrekten Auslegung des Konzils oder – wie wir heute sagen würden – von einer korrekten Hermeneutik, von seiner korrekten Deutung und Umsetzung. Die Probleme der Rezeption entsprangen der Tatsache, daß zwei gegensätzliche Hermeneutiken miteinander konfrontiert wurden und im Streit lagen. Die eine hat Verwirrung gestiftet, die andere hat Früchte getragen, was in der Stille geschah, aber immer deutlicher sichtbar wurde, und sie trägt auch weiterhin Früchte. Auf der einen Seite gibt es eine Auslegung, die ich »Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches« nennen möchte; sie hat sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können. Auf der anderen Seite gibt es die »Hermeneutik der Reform«, der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg. Die Hermeneutik der Diskontinuität birgt das Risiko eines Bruches zwischen vorkonziliarer und nachkonziliarer Kirche in sich.“

Benedikt schreibt weiter:

„Das Zweite Vatikanische Konzil hat durch die Neubestimmung des Verhältnisses zwischen dem Glauben der Kirche und bestimmten Grundelementen des modernen Denkens einige in der Vergangenheit gefällte Entscheidungen neu überdacht oder auch korrigiert, aber trotz dieser scheinbaren Diskontinuität hat sie ihre wahre Natur und ihre Identität bewahrt und vertieft. Die Kirche war und ist vor und nach dem Konzil dieselbe eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die sich auf dem Weg durch die Zeiten befindet; sie »schreitet zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahin« und verkündet den Tod des Herrn, bis er wiederkommt (vgl. Lumen gentium, 8).“

Damit hat Papst Benedikt deutlich gemacht, dass eine sichtbar gewordene „scheinbare Diskontinuität“ nicht zu schwerwiegenden Irritationen führen sollte und eingebettet ist in die Gestalt der Kirche, die als Ganzes, als Stiftung Jesu Christi, sie selbst war und geblieben ist. Unbestreitbar bleibt, dass es Irrtümer und Missverständnisse gibt und geben wird und dass Mensch und Welt unter der „Knechtschaft der Sünde“ (Gaudium et spes, 2) stehen. Die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen und diese im „Lichte des Evangeliums“ (GS, 4) zu deuten, bedeutet nichts anderes als das, was gesagt ist. Darum gilt es, sich selbst zu bekehren und die Frohe Botschaft in der Welt von heute zu verkünden. Das ist niemals ein Signal, das eine Anpassungsbewegung bewirken soll, aus der – wie auch immer – eine modernisierte Kirche mit einer erneuerten Lehre hervorgeht, sondern ein Aufruf zur Evangelisierung und zur Vertiefung, nicht zur Verwässerung des Glaubens.

So dürfte mit Blick etwa auf die Enzyklika „Humanae vitae“ des heiligen Pauls VI. ein vertieftes Verständnis erforderlich sein – und nicht eine neue Auflage gemäß einer neuen Morallehre, die dann als zeitgemäß ausgegeben wird oder naturwissenschaftlich legitimiert erscheint. Niemand wird die Teilnehmer des „Synodalen Weges“ daran hindern können, Vorschläge und Wünsche zu erarbeiten, die im Gegensatz zur Lehre der Kirche stehen. Niemand wird Weltchristen, Theologen oder Bischöfen untersagen können, deutsche Antworten und Vorschläge nach Rom zu senden, heute oder in ein paar Jahren. Niemand aber wird auch einfach gläubige Katholiken – in Deutschland und anderswo – daran hindern können, dem Papst und der Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte treu zu bleiben. Niemand wird auch alle diejenigen, die mit Sorge den „Synodalen Weg“ beobachten werden, am Gebet für die Erneuerung der Kirche in Christus hindern. Das Beten mit der Kirche ist uns aufgetragen. Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat dies in seiner Erklärung in Fulda so formuliert: „Ich hoffe und bete, dass der Synodale Prozess trotz der meines Erachtens falschen Weichenstellungen eine wahre Erneuerung der Kirche herbeizuführen hilft.“

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*) Zur CNA: Seit 2004 ist die Catholic News Agency (CNA) einer der am schnellsten wachsenden katholischen Nachrichtendienste der englischsprachigen Welt. Die CNA wurde gegründet um dem Ruf des heiligen Papstes Johannes Paul II. sowie seiner Nachfolger nach einer „Neu-Evangelisierung“ Folge zu leisten. Die Catholic News Agency bietet allen Menschen mit Zugang zum Internet aktuelle und kostenlose Nachrichten über die katholische Kirche in aller Welt, insbesondere über die neuesten Aussagen des Papstes und aktuelle Ereignisse am Heiligen Stuhl.
www.conservo.wordpress.com       5.10.2019

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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