Mitschuld der Briten: Kosaken-Tragödie an der Drau

(www.conservo.wordpress.com)

Von Reinhard Olt *)

Wie die Briten in Osttirol Tausende in den sowjetischen Lagertod schickten

Allerorten ist zwischen Vorarlberg und dem Burgenland des Weltkriegsendes vor 75 Jahren sowie des vor 65 Jahren abgeschlossenen Staatsvertrags gedacht worden, der das Besatzungsregime in Österreich 1955 beendete. „Befreiung“ und „Freiheit“ waren dabei die kollektiven, von Politik und Medien nahezu unisono verwendeten Begriffe. Doch aus allen „Befreiungs“-Narrativen blieb eines der düstersten Kapitel aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs ausgespart: die Auslieferung Tausender im Lienzer Becken in Osttirol gestrandeter Kosaken und Kaukasier an die Sowjetunion durch die Briten.

Deren Schicksal erfüllt sich zwischen Anfang Mai und Ende Juni 1945. Mit dem Rückzug der Wehrmachtsverbände vom Balkan und aus Norditalien flüchten mehrere zehntausend Menschen in Richtung Reichsgebiet. Militärische Gruppierungen der Kosaken erreicht die Nachricht von der bevorstehenden Kapitulation und der damit verbundenen Gefahr auch für die Angehörigen der Soldaten, die sich – nach Gründung des vom vormals sowjetrussischen Heerführer Jurij Wlassow geleiteten „Komitees zur Befreiung der russischen Völker“ (KONR) mit Hilfe führender NS-Repräsentanten auf der Prager Burg – seit 1944 im Gebiet von Tolmezzo, Gemona und Carnia angelegten Stanitzen (traditionellen Siedlungsgemeinschaften) aufhielten, südlich von Udine. Rasch brechen sie auf, um sich mit diesen zu vereinen und – bedrängt von italienischen sowie jugoslawischen Partisanen, gegen die sie vorwiegend eingesetzt waren – tunlichst im Alpenraum in Sicherheit zu bringen.

Die „Russische Befreiungsarmee“

Die Kosaken-Regimenter unterstehen General Timofej Domanow, in den Stanitzen befinden sich neben Alten, Frauen und Kindern die Atamane (gewählte Führer) Pjotr Krasnow und Wjatscheslaw Naumenko, beide ehedem Generäle des Zaren und der antikommunistischen Truppen der „Weißen“ im Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution 1917. Der in die Wehrmacht eingegliederten „Russischen Befreiungsarmee“ (ROA) Wlassows gehören ferner die Männer des legendären Haudegens Andrej Schkuro an, zudem die aus mehreren tausend Kaukasiern (darunter Georgier, Tschetschenen, Osseten, Kalmüken) bestehenden Legionen unter General Sultan Girej – auch diese führen jeweils einen Tross aus Frauen, Kindern und Alten mit.

Es regnet in Strömen, als sich Mensch und Tier Anfang Mai auf aufgeweichten Straßen gen Plöckenpass bewegen und ihn im Schneesturm überwinden. Unter Einschluss des von dem deutschen General Helmuth von Pannwitz kommandierten XV. Kosaken-Kavalleriekorps sowie mit diesem und anderen Wehrmachtseinheiten zurückweichenden Kroaten, Slowenen, Serben und Montenegrinern, die Titos Partisanenarmee im Rücken haben, schlagen sich gut hunderttausend Menschen mitsamt tausenden Pferden über die Karawanken durch und wähnen sich im Drautal vor ihren Verfolgern in Sicherheit. Pannwitz war Anfang 1945 auf einem „Allkosaken-Kongress“ zum „Obersten Feldataman aller Kosakenheere“ gewählt worden, ein Rang, den seit 1835 stets nur der Zarewitsch (nachfolgeberechtigter Sohn des Zaren) innehatte.

Der Gendarmerieposten Nikolsdorf vermerkt am 4. Juni 1945: „Aus dem Gebiet Oberkrain – Kötschach-Mauthen – Oberdrauburg kommen Kosaken mit Frauen und Kindern [sic!], Zivil und Uniform, ca. 35.000, mit Roß und Wagen, Fahrrad, Motorrad, LKW und PKW, Artilliere [sic!], schwer bewaffnet, Gewehre, Pistolen, MP., Handgranaten u.s.w., alles zusammen zur ehem. deutschen Wehrmacht gehörig, und lassen sich im Gebiete des Talbodens von Oberdrauburg bis Lienz nieder. Sie hatten ca. 6000 Pferde bei sich und diese vielen Pferde frassen [sic!] die Wiesen in kurzer Zeit derart ab, daß die hiesigen Bauern keine Heuernte hatten“. Drei Tage später rücken die ersten Briten in Kötschach-Mauthen ein, anderntags in Lienz. Die 78. britische Infanteriedivision unter Generalmajor Robert Arbuthnott hatte noch auf friulanischem Gebiet Anfang Mai Kontakt mit den Kosaken aufgenommen.

Brigadegeneral Geoffrey Musson, Kommandeur der 36. Infanteriebrigade, weist ihnen den eingenommenen Raum zu, den Kaukasiern das Gebiet östlich davon, um Dellach. Mitte Mai stößt der aus 1400 Mann bestehende Trupp Schkuros zu ihnen. In Gesprächen mit den Atamanen sichert ihnen die britische Militärführung zu, dass sie „keinesfalls den Sowjets überstellt“ würden, Major Davis von den Highlanders versichert, „die verschworenen Feinde des Kommunismus“ seien „den Westalliierten sehr willkommen“. Dem aus zwei Divisionen bestehenden, im Januar 1945 zusammengestellten Korps unter von Pannwitz – in der Mehrzahl ehemalige Sowjetbürger, die sich nach Beginn des „Unternehmens Barbarossa“ 1941 auf die Seite der Wehrmacht geschlagen hatten, weil sie in ihr den „Befreier vom stalinistischen Joch“ sahen – weisen die Briten den Raum Klagenfurt – Feldkirchen – St. Veit an der Glan zu; Teile der 2. Kosaken-Division müssen sich weiter nördlich niederlassen, im Gebiet zwischen Althofen und Neumarkt.

„Lieber sterben, als den Sowjets in die Hände fallen“

Während das äußerlich faire Verhalten der Briten alle Sorgen um die Zukunft fahren lässt, vereinbaren die Stäbe des V. Britischen Korps und der 57. Sowjetischen Armeegruppe am 23. und 24. Mai in Wolfsberg, dass alle internierten Kosaken und Kaukasier „in Judenburg den Russen übergeben werden“. Da die Nachricht von der „Repatriierung“ bekannt wird, spielen sich erschütternde Szenen ab. Männer bringen ihre Frauen und Kinder um und begehen anschließend Selbstmord: „Lieber sterben“ wollten sie als „den Sowjets in die Hände fallen“, heißt es in einer von dem 76 Jahre alten Krasnow sowie den anderen Heerführern unterzeichneten Petition, welche an König Georg, die britische Regierung, Feldmarschall Alexander sowie an den Papst und die Weltöffentlichkeit gerichtet ist, wir ziehen eher den Tod vor, als dass wir nach Sowjetrussland zurückkehren, wo wir zur langen und systematischen Vernichtung verdammt sind.“ Die Atamane einschließlich von Pannwitz‘ sowie 1800 kosakische Offiziere und 600 deutsche Begleitoffiziere hat man dem Schein nach zu „Verhandlungen“ nach Spittal an der Drau „eingeladen“; zuvor waren gesprächsweise Möglichkeiten bis hin zum Dienst als Grenzwachen im britischen Empire in Aussicht gestellt worden. Arglos besteigen die Offiziere die Lastwagen, die sie nach den Versicherungen der Briten zu Feldmarschall Alexander bringen sollten. Viele haben ihre Paradeuniformen und Orden angelegt. Gepäck bräuchten sie nicht, sagte man ihnen, denn noch am selben Abend seien sie wieder bei ihren Angehörigen. Wenige Kilometer nach Lienz hält die Kolonne, schwer bewaffnete Soldaten steigen zu, und Panzerwagen stoßen zum Geleit. Einige Offiziere wittern den Verrat, springen aus den Lastwagen und flüchten in die Berge. Alle anderen bringt man nach Judenburg, wo sie auf der Brücke über die Mur, der Demarkationslinie zwischen der britischen und der sowjetischen Besatzungszone, überstellt werden.

„The whole thing had been very well done“

Sodann kommen die in den Lagern Verbliebenen an die Reihe. Eine Zeitzeugin erinnert sich: „Dann haben wir gesehen, der Pope ist eingekreist, im Feld haben die Kosaken gebetet und eine Kreuz in die Höh‘ gehalten – und haben sich halt nicht ergeben wollen. Dann haben die Briten angefangen hineinzuschießen“. Man treibt die sich unterhakenden und instinktiv aneinanderklammernden Menschen brutal auseinander. Major Davis und seine Highlanders gehen ohne Rücksicht auf Verluste vor, setzen Gewehrkolben ein, machen reichlich von Holzknüppel, und Bajonett Gebrauch. Es wird geschossen, in Panik erdrücken oder trampeln Menschen einander zu Tode. Frauen springen in die nahe Drau, nehmen ihre Kinder mit in die reißende Flut. Auf Davonschwimmende und -getriebene wird geschossen, selbst die angeschwemmten Leichen angelt man aus dem Wasser und händigt sie sowjetischem Militär aus. Wer kann flieht, manche Geflohenen werden in den umliegenden Wäldern erhängt aufgefunden. Bis zum Mittag sind 1250, bis zum Abend zweieinhalbtausend Menschen auf Lastwagen gezerrt und in wartende Zugwaggons gepfercht.

Ähnlich in Oberdrauburg, wo an demselben Tag 1750 Menschen weggeschafft werden. Der 1. Juni 1945 dürfte mehrere hundert Kosaken das Leben gekostet haben. Mitte Juni sind mehr als 22 000 Kosaken und Kaukasier der Sowjetarmee überstellt, davon mindestens 3000 „Altemigranten“, mithin im Zuge der Oktoberrevolution Emigrierte und deren Nachkommen, die nicht einmal aufgrund der Übereinkunft der „Großen Drei“ in Jalta hätten „repatriiert“ werden dürfen, geschweige denn nach Hager Landkriegsordnung respektive Genfer Konvention. Erst Mitte Juni beginnen die Briten mit der Überprüfung der Staatsbürgerschaft, den bereits Deportierten hilft das nicht mehr. Arbuthnott dankt seinen Soldaten: der Einsatz sei zwar „äußerst abscheulich, aber für den Frieden nicht nur notwendig, sondern sogar wünschenswert“; Musson befindet: „The whole thing had been very weIl done“.

In einem von dem Grazer Historiker Stefan Karner während seiner bahnbrechenden Archivstudien (zu den in sowjetische Gefangenschaft geratenen österreichischen Wehrmachtssoldaten und Zivilinternierten) in den nicht allzu lange zugänglichen Moskauer Sonderarchiven ans Licht gehobenen „streng geheimen Bericht“ vom 15. Juni 1945 ist von 42 913 „Heimatverrätern“ die Rede, die allein zwischen 28.Mai und 7. Juni 1945 „aus den Händen der Briten übernommen wurden“. Das von Karner zugänglich gemachte Moskauer Dokument unterscheidet (lediglich) zwischen zwei Nationalitäten: 42 258 Russen und 655 Deutsche; die Aufschlüsselung nennt 16 Generäle (15 russische, ein deutscher, nämlich Pannwitz) und 1410 Offiziere (1272 russische, 138 deutsche) sowie weitere 38 496 Männer (darunter sieben Popen), 2972 Frauen und 1445 Kinder. Jenseits registrierter, aber der Zahl nach nicht angegebener Selbstmorde vermerkt das Protokoll den Tod von 59 Personen, die an Ort und Stelle als „Heimatverräter“ oder „Agenten der deutschen Spionage“ liquidiert worden sind. Viele Kosaken, aber auch Angehörige der kaukasischen Legionen, die wie das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps der Wehrmacht, respektive der Waffen-SS angegliedert waren, versuchen der Übergabe zu entgehen. Mitunter entkommen Flüchtige den Suchkommandos, wie der in Lienz verbliebene Sergej Ljaschenko, der „Wochen in Almhütten hauste“. Doch die meisten der gut 4000 zwischen Lienz und DeIlach in Wälder und Gebirg‘ Entwichenen werden gefasst und an die Sowjets überstellt. Bis 15. Juli 1945 sind die „Transferaktivitäten“, respektive die „Evakuierung“ abgeschlossen, wie Major Claude Hanbury-Tracy-Domville von der britischen Militärverwaltung im Bezirk Judenburg der damaligen Sprachregelung entsprechend die Vorgänge nennt.

In die Fänge des NKWD und ab nach Sibirien

Diese alles andere denn rühmliche Facette britischer Nachkriegspolitik ist von der Historikerzunft zunächst spärlich aufgegriffen worden. Lange Zeit ignorierte man die 1978 erschienene Monographie des russischstämmigen britischen Historikers Nikolai Tolstoy „Die Verratenen von Jalta. Englands Schuld vor der Geschichte“. Mit ähnlich spitzen Fingern hatte man die 1957 erschienene Darstellung des polnischen Schriftstellers Josef Mackiewicz angefasst, „Die Tragödie an der Drau. Die verratene Freiheit“. Auch die 1986 erschienene „Geschichte der Wlassow-Armee“ von Joachim Hoffmann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt (damals Freiburg/Breisgau), in der Kosaken und kaukasische Legionen naturgemäß berücksichtigt sind, fand kaum Resonanz. Ins Blickfeld rückte die Thematik 1987, als Tolstoy, Lord Toby Austin Richard William Low of Aldington, Mitglied des Oberhauses, vormals Abgeordneter der Konservativen, einen „großen Kriegsverbrecher“ nannte und dessen „Aktivitäten mit denen der schlimmsten Schlächter Nazi-Deutschlands“ verglich. Tolstoy, Großneffe des russischen Schriftstellers Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi (deutsche Nennung meist: Leo Tolstoi), war in einem seinerzeit aufsehenerregenden Prozess wegen „Verunglimpfung“ des Lords zu 1,5 Millionen Pfund Schadenersatz verurteilt worden. Als Generalstabschef des V. Britischen Korps dürfte Toby Low 1945 auch für die unter ebenso spektakulären Umständen vollzogene Auslieferung mehrerer Zehntausend Kroaten, slowenischer Domobranzen sowie serbischer und montenegrinischer Tschetniks aus Kärnten an die jugoslawische Partisanenarmee Titos Mitverantwortung getragen haben.

Jüngere Forschungen, wie jene Karners, haben längst zweifelsfrei ergeben, dass viele der Kosaken-Offiziere entweder sogleich im Judenburger Stahlwerk, wo man sie zunächst festhielt, oder am Sammelplatz in Graz, respektive auf dem Transport nach Wien von Angehörigen sowjetischer Sondereinheiten liquidiert worden sind. (Stefan Karner: Zur Auslieferung der Kosaken an die Sowjets 1945; in: Judenburg 1945 in Augenzeugenberichten, 1994, S. 243–259). Dagegen macht man den Heerführern und Atamanen, die von Judenburg über Graz nach Wiener Neustadt und vom dortigen Militärflughafen nach Moskau verbracht werden, den Prozess. Das Urteil steht nicht nur wegen des Delikts „Vaterlandsverrat“ von vornherein fest, sondern auch weil es sich um „Weiße“ handelt. Darauf spielt schon die „streng geheime Mitteilung“ Wiktor Abakumow, Chef der NKWD-Hauptverwaltung SMERSch [Смерш; Akronym für Смерть шпионам! (SMERt Schpionam!“ übersetzt: „Tod den Spionen“)], an Innenminister Lawrentij Berija vom 16. Juni 1945 an, wonach „die Engländer Ende Mai auf dem Territorium Österreichs 20 Weißgardisten – die Führer des weißen Kosakentums, die einen aktiven Kampf gegen die Rote Armee geführt hatten – an das sowjetische Kommando übergaben, worauf diese von uns arrestiert und der Hauptverwaltung überbracht wurden“. Als die wichtigsten nennt Abakumow den General der Kavallerie Pjotr N. Krasnow, Generalleutnant Andrej G. Schkuro sowie die Generalmajore Semen N. Krasnow, Sultan-Girej Dmitrij A. Silkin, Pawel S. Esaulow, Jewgenij S. Tichotzkij und Nikolaj P. Woronin.

Liquidation in den Kellern der Lubjanka

Stefan Karner, einer der sachkundigsten Kenner der Materie, hat nicht nur dieses Schriftstück in Moskau eingesehen, wo das von ihm bis 2019 geleitete „Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung“ (BIK) eine Außenstelle unterhielt. Er publizierte auch das direkt an Stalin, Außenminister Molotow und Berija übermittelte Protokoll der Vernehmung der in der Lubjanka Inhaftierten, welche Abakumow höchstpersönlich vornimmt. Am 16. Januar 1947 gibt Radio Moskau, tags darauf das Parteiorgan „Prawda“ den Urteilspruch bekannt, „den das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR im Prozess gegen die ehemaligen Generale der Weißen Armeen Krasnow P.M., Schkuro A.G., Sultan Keletsch Girej, Krasnow S.M., Domanow T.I. sowie den deutschen General Helmuth von Pannwitz gefällt hat, die wegen Diversions- und Spionagetätigkeit sowie Beteiligung an einer Organisation zum bewaffneten Kampf gegen die UdSSR angeklagt waren. Alle Angeklagten bekannten sich schuldig. Aufgrund Artikel I des Ukas des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 19.4.1943 wurden alle Angeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt.“ Hingerichtet wurden sie am Morgen des 16. Januar 1947 im Keller der Lubjanka. Am 23. April 1996 hat die Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation von Pannwitz rehabilitiert.

Die „Repatriierten“ und das deutsche Rahmenpersonal der vormaligen Militärverbände verbringt man in unwirtliche Gebiete Sibiriens, wie etwa zum Kältepol Workuta, wo die Sterblichkeitsrate besonders hoch war. Karner hat die entscheidende Anordnung des Staatlichen Verteidigungskomitees (GOKO), des höchsten Organs der sowjetischen Kriegswirtschaft, vom 18. August 1945 eingesehen. Daraus geht hervor, dass „alle bei der Registrierung und Auslese von NKWD, NKGB und SMERSch ausgesonderten, in speziellen deutschen Formationen dienenden Militärangehörigen nicht in Bataillone zusammenzufassen, sondern dem Volkskommissariat für Inneres zur Arbeitsleistung im Kohlenbergbau und in der Holzwirtschaft zu übergeben sind“; das heißt, sie wurden NKWD-eigenen Betrieben zur Verfügung gestellt und „im GULag verarbeitet“, wie Solschenizyn die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft bis zum kalkulierten Tod nannte. 807 der in Judenburg übergebenen Frauen und Kinder konnte Karner im „Speziallager 525/9“ in Kemerowo bei Tomsk nachweisen. Die dortige Verwaltung bestand seit 7. Juli 1945 aufgrund des NKWD-Befehls 277 vom 6. April 1945; die Einrichtung selbst wurde auf dem Gelände des früheren Lagers 142 (Prokopjewsk) zur „Unterbringung einer Sondergruppe des Spezialkontingents der Gruppe B“ [gemeint sind NS-Funktionäre] neu errichtet.

Allem Anschein nach war 1945 innerhalb dieses der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (GUPVI) zugehörigen Lagers ein Speziallager (SpezLag) für Kosaken und Angehörige der Wlassow-Armee eingerichtet worden. Denn für den 1. Oktober 1945 weist das NKWD-Lagerbuch von den insgesamt 17.330 Gefangenen 3540 als „Wlassow-Leute und weiße Emigranten“ aus. SpezLag 525/9, in welches die 807 Kosakenfrauen und -kinder verbracht werden, befand sich seinerzeit in der Stadt Stalinsk und weist ein Belegungslimit von 1600 Personen auf, die im Kohlebergbau(kombinat) „Kujbyschewugol“ arbeiten mussten. Am 1. September 1946 registriert die Lagerverwaltung 525, die im Frühjahr über 15 Einrichtungen mit zusammen 8253 Insassen gebietet, noch 1188 „Wlassow-Leute“ und 372 internierte Frauen. Danach wird sie sich erheblich ausweiten: bis zur Auflösung am 6. August 1949 unterstehen ihr 27 Lager.

Selbst in Darstellungen des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten; sowjetisches Innenministerium) ist von „schrecklichen Lebensbedingungen“ die Rede: Enge Baracken; Erdhütten als Behausungen; zwei, meist drei Bettkojen übereinander, „äußerst niedrige Raumtemperaturen in den Wohnstätten, keine Krankenabteilungen, keine Sanitäranlagen, keine Genesungsmöglichkeiten“. Zudem „täglich die gleiche dürftige Nahrung, zuwenig warme Bekleidung sowie Bettwäsche und wegen der schwierigen Transportwege keine Möglichkeit, fehlende Ausrüstungsgegenstände zu beschaffen“; dementsprechend die Sterblichkeitsrate. Wieviele die Strapazen überlebten, lässt sich wohl nicht mehr exakt feststellen, viele dürften es nicht gewesen sein.

*****

*) Prof. Dr. Reinhard Olt ist deutsch-österreichischer Historiker und Publizist

www.conservo.wordpress.com       1.6.2020

Über conservo

ÜBER MICH, CONSERVO Liebe Leser, dieser Blog ist ein besonderer Blog. Er wurde 2010 von Peter Helmes gegründet, und ich führe ihn seit dem 1.11.2020 in seinem Sinne fort. Dieser Blog ist konservativ, er ist christlich, und er ist abendländisch. Allein das macht ihn in den diesen unruhigen Zeiten zu einem Exoten. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12) Heute steht alles auf dem Kopf. Was früher noch galt, gilt heute nicht mehr. Grenzen wurden aufgehoben, Geschlechter abgeschafft, die traditionelle Familie ist unter Dauerbeschuss, wer am meisten Minderheitenmerkmale auf sich vereint, darf – zumindest in Deutschland – fordern, was er will. Das Christentum steht weltweit mit dem Rücken zur Wand. Lau sind sie geworden – die Christen hier im Lande, aber auch die orientalischen Christen, die sich nach der Flucht aus dem Orient hier ein neues Leben aufbauen konnten, und dennoch angesichts der Islamisierung schweigen. Finanzstarke und einflussreiche Interessengruppen unter Klaus Schwab, Bill Gates, George Soros u.v.m. setzen weltweit den Great Reset mit seiner neofeudalistischen Ökodiktatur mittels Massenmigration, Globalisierung, Plandemien und mit Hilfe gekaufter Politiker, Journalisten und „Sozialen“ Medien gegen die Interessen der Völker mit nie gekannter Brutalität durch. Die geistige und seelische Not der Menschen steigert sich tagtäglich inmitten dieser finsteren Zeit. Gerade westliche Menschen scheinen jeglichen Halt, Glauben und ihre natürliche Wehrhaftigkeit verloren zu haben. Jeder wird im Leben auf seinen Platz gestellt. Jedes Volk hat sein Schicksal und muss es in seinem eigenen Land bewältigen. Migration und der entgrenzte Einheitsmensch sind nicht unsere Bestimmung. Dennoch wird erneut versucht, dem Menschen als freiem und göttlichem Wesen unter Tarnworten wie „Solidarität“, „Vielfalt“ und „Humanität“ die teuflische Gleichheitslehre des Kommunismus aufzuerlegen. Dies ist wider die Natur und wider jedes menschliche und göttliche Gesetz. „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.“ (Luk, 1 - 3) Dank Peter Helmes analysieren langjährige, hervorragende Kolumnisten, basierend auf christlichen Werten, in aller Klarheit das heutige Tohuwabohu aus verschiedensten Blickwinkeln: Die Geißel der Globalisierung, geostrategische Interessen, die Massenmigration und importierte Gewalt, das Versagen der Politiker und der Verlust unserer Werte, Kultur und Heimat. Die Kolumnen wie auch die Diskussionen sind offen, respektvoll und tabufrei; denn nur so kann man die drängenden Themen der Zeit in der Tiefe analysieren, Machtstrukturen herausarbeiten und Roß und Reiter benennen. Nur so können wir uns auf uns selbst und unsere Stärken rückbesinnen und Deutschland, unsere Heimat, verteidigen. „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh, 32 – 33) Nochmal: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Deshalb sind unsere westlichen Wurzeln, Werte und unser Glauben nötiger denn je. Sie geben uns den Rückhalt, um aufzustehen und zu sagen: „Nein. Bis hierher und nicht weiter. Es ist jetzt genug!“ Wie schon Peter, lade ich Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren und zu kritisieren. Eine kleine Regel muss ich leider einbauen. Unterschiedliche Ansichten können durchaus in aller Härte debattiert werden. Wer jedoch andere Foristen mehrfach persönlich angeht, beleidigt oder unflätig beschimpft, wird nach einer dreimaligen Verwarnung vom Diskussionsforum ausgeschlossen. Maria Schneider Beiträge bitte an Maria_Schneider@mailbox.org Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten in meinen emails und auf den Seiten der „sozialen Medien“ und mache mir diese Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle in und mit meiner Internetadresse/emails angebrachten Links. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Zu diesem Zeitpunkt waren keine Rechtsverstöße ersichtlich. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Websites ist ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden jedoch derartige Links umgehend entfernen. Maria Schneider 10.11.2020
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Mitschuld der Briten: Kosaken-Tragödie an der Drau

  1. Anonymous schreibt:

    was bedeutet URL?

    Gefällt mir

  2. Philolaos schreibt:

    Danke für den ausgezeichneten Beitrag, Herr Olt. Ich habe den Beitrag für „Bayern ist frei“ illustriert, ergänzt und mit winzigen Korrekturen publiziert. Der russische General hieß nicht Juri Wlassow (Olympiasieger im Gewichtheben), sondern Andrej Andrejewitsch Wlassow. Und Tolmezzo liegt nicht südlich von Udine, sondern nördlich davon – daher habe ich es in „unweit von Udine“ abgeändert.
    https://bayernistfrei.com/2020/06/04/die-tragoedie-der-kosaken-1945-an-der-drau/

    Gefällt mir

  3. ceterum_censeo schreibt:

    Sehr gut der Hinweis auf das wohl beste und informativste einschlägige Buch in diesem Zusammenhang: Nikolai Tolstoy „Die Verratenen von Jalta. Englands Schuld vor der Geschichte“.

    Ich habe das Buch seit Jahrzehnten und es damals schon bald nach Erscheinen gelesen.
    Erschreckend!

    Gefällt mir

  4. Emil schreibt:

    Jaja, diese Briten, was für ein friedliebendes Volk. Erinnern möchte an dieser Stelle auch an die wahren Schuldigen der beiden Weltkriege und die unnötige Bombennacht von Dresden. Es gäbe viel über die Briten zu erzählen. Die sind aber nicht so blöd wie wir Deutsche und legen sich dafür auch noch die Schuld. Da sagt keiner: “ Er könne England nur mit gebrochenen Herzen lieben.“
    Wir sollen das aber können. Es ist einfach nur zum Kotzen.

    Gefällt mir

    • Alemannen schreibt:

      Ich erinnere noch an die Opiumkriege gegen China, ebenfalls von den Briten ausgelöst …DIe Chinesen hatten diese barbarischen Briten bekämpft.
      Ist es überhaupt hier erlaubt etwas Positives über China zu schreiben ???
      China war eines der ersten Länder, das sich von den Fängen des Monglischen Khanat/Khalifats befreite. Die buddhistische Ming Dynastie und die Qing-Dynastie die die monglische Yuan Dynastie erfolgreich zerschlugen! Übrigens der Buddhismus in China ist viel viel älter als der tibetische Buddhismus. Eine Tatsache, die westliche Medien gerne ignorieren. Im Krieg gegen die mongolischen Barabrischen Horden des Dzungars Khanats hatten die Chinesen zusammen mit den Tibetischen Buddhisten und mit buddhistisch-christlichen Christen des Uigurischen Königreiches (Qocho) in einer Allianz gegen die Mongolischen Horden (Dzungar) gekämpft.
      Viele Qocho Uiguren (die keine Muslime waren) wurden nicht nur von Mongolen, sondern auch von Türken verfolgt.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Yenisei_Kyrgyz
      https://en.wikipedia.org/wiki/Uyghur_Khaganate

      Diese buddhistischen Qocho Uiguren pflegten zu China udn zu Tibet sehr gute Beziehungen und gingen mit denen sogar mehrmals Allianzen ein um Feinde zu bekämpfen. Also was ich vom Autor von corservo hier vermissse, ist die Tatsache, daß er verschweigt, daß unter den Uiguren urpsrünglich nur ein kleiner Teil Muslime waren. Der Rest waren eher Buddhisten, Angehörige des Manichäismus und Christen!
      https://en.wikipedia.org/wiki/Qocho

      DIe Uiguren wurden erst viel später im Mongolischen Reich mit Gewalt zum Islam konvertiert und werden bis heute von muslimischen Hasspredigern und von der Türkei (Erdogan) gehirngewaschen!

      Was der Autor von Conservo bei seinen China-Bashing Artikeln gerne über die muslimischen Uiguren gerne verschweigt. Auch unter den muslimischen Uiguren gibt es nicht nur viele Islamisten udn Terroristen (einige von denen kämpften in Syrien and er Seite von IS udn Al-Qaida ), sondern die muslimischen Uiguren haben in ihrer Geschichte viele Buddhisten terrorisiert und abgeschlachtet!

      Gefällt mir

      • Dr. Gunther Kümel schreibt:

        Allemannen,
        Der Opiumkrieg zeigt exemplarisch die Hintergründe der britischen Staatlichkeit.
        Die Ausbeutungg der Kolonien führte nicht etwa zum Wohlstand aller Briten. Die Mehrzahl war bitterarm und hungerte. Aber aus den Kolonien flossen geradezu märchenhafte Reichtümer nach Britannien. Sie führten zu ganz ungeheurem Reichtum für die Eigentümer, Verwalter und Bankiers der „companies“, es entstand eine winzige Gruppe von Superreichen, allen voran die Bankiersfamilien der Rotschilds und der Sassoons.
        Diese Kreise heirateten in die Adelsfamilien ein, so daß schließlich das Äußere vieler Stammhalter irgendwie levantinisch wirkte.
        Diese Gruppe hatte den Staat derart vollständig durchdrungen, daß zuletzt der Staatsapparat nur noch für die Interessen der companies arbeitete. Alle Politiker, alle Abgeordneten waren Mitglieder der Gruppe.
        Sassoon war der Sproß einer Gangsterfamilie, die durch Reichtum in die Oberklasse kooptiert worden war. Er beschäftigte sich mit dem Export von Opium, daß die indischen Bauern in einer Art Zwangsarbeit herstellen mußten, und das Sassoon für geringe Beträge aufkaufte.
        Nun war allerdngs der Kaiser von China ein strikter Gegner des Imports des Rauschgifts.
        Sassoon konnte leicht den britischen Staat dazu bewegen, China den Krieg zu erklären. Kriegsziel: Opiumimport zulassen!
        China verlor natürlich den Krieg und das Volk versank im Rauschgift.

        Gefällt mir

    • Dr. Gunther Kümel schreibt:

      Emil,
      Ganz richtig!
      Churchill und seine Briten haben im Krieg 5-6 Millionen Bengalen verhungern lassen. Lebensmittel wurden aus dem recihen Land in derartigen Massen „requiriert“, daß die Einheimischen einfach verhungern mußten. Erinnert sehr an den Holodomor, aber von den Bengalen wissen noch sehr viel weniger Leute.
      Belgien hatte auch Kolonien, zB den Kongo.
      Leopold, König der Belgier ließ sich das gesamte Land als Privatbesitz übertragen.
      Die Einheimischen wurden unter brutalsten Umständen gezwungen, in Zwangsarbeit Kautschuk aus dem Urwald zu sammeln. Wer sien Pensum nicht erreichte, wurde gnadenlos verstümmelt oder umgebracht. Binnen weniger Jahre verloren 10 Millionen Kongolesen ihr Leben, Leopald wurde steinreich.
      Ähnliche Geschichten mit Millionen Toten kann man auch von Frankreich oder den Niederlanden erzählen.

      Gefällt mir

    • gerardfrederick schreibt:

      Die Briten sind bis heute Todfeinde Deutschlands. Als die Mauer fiel, diskutierte man in der Thatcher Regierung ob man nicht Deutschland angreifen und zerbomben wolle. Thatcher, die Merkel-ähnliche Hexe war defür. Das Insel Volk ist völlig enti deutsch verseucht, so wie die jüdisch geführte anglo amerikanische Welt generell gesehen. Was sich diese Verbrechernationen geleistet haben ist wahrlich nicht zu beschreiben, gescheige denn zu begreifen. Und trotzdem gibt es viele englische und amerikanische Historiker die sich der Wahrheit verplichtet fühlen sowie David Irving, Sir Basil Liddel Hart, J.V.C. Taylor , General Major Fuller und Gott weiss wieviele andere welche wohl recherchierte Bücher geschrieben haben welche praktisch alle mit ihrer Wahrheit uns Deutsche völlig entlasten. Tragischerweise beruht unser heutiges System 100%-tig auf der abscheulichen Monsterlüge und die meisten Deutschen sind so völlig demoralisiert und verkommen, dass sie lieber Fressen, ficken und Fussball schauen als sich um ihre Ehre, welche den meisten abhanden gekommen ist zu kümmern.

      Gefällt mir

  5. Semenchkare schreibt:

    Liegt thematisch ähnlich:

    ….!!

    Gefällt 1 Person

    • Christ343 schreibt:

      Viele rechtskonservative Positionen Erika Steinbachs sind richtig. Doch Rechtskonservative sind z. B. dann im Unrecht, falls sie Rüstung (oder Wehrpflicht) befürworten. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

      Gefällt mir

  6. Semenchkare schreibt:

    Der Guido K. hat in seinen „Nazi-Themen-Propaganda-Fernsehsendungen“ sowas nie thematisiert.

    Gefällt 1 Person

  7. uwe.roland.gross schreibt:

    Hat dies auf uwerolandgross rebloggt.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.