Der Graben zwischen Rom und der deutschen Ortskirche wird immer tiefer

(www.conservo.wordpress.com)

Von Prof. Dr. Werner Münch *)

Betrachtet man die letzten Jahre im Verhältnis zwischen Rom und der deutschen Ortskirche, wird einem bewusst, dass ein schweres Unwetter aufgezogen ist. Schon Papst Benedikt wurde viel Unverständnis und Häme entgegengebracht, weil man sein überragendes theologisches Wissen aus Neid nicht akzeptieren wollte.

Nachdem er 2013 zurückgetreten war, hoffte man auf ein besseres Klima und eine größere Übereinstimmung mit Papst Franziskus. Aber schon bald ertönte vom neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Kardinal Marx der Fanfarenstoß: “Wir sind keine Filiale von Rom”, der seitdem von einer Mehrheit der deutschen Bischöfe in die Tat umgesetzt wird. erinnern wir uns:

1. Bei seinem Deutschland – Besuch im September 2011, also vor fast 9 Jahren, wies Papst Benedikt XVI. in Freiburg darauf hin, dass in Deutschland”“ “die Kirche zufrieden wird mit sich selbst, sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam ist und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt nicht selten Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zu der Offenheit auf Gott hin, zur Öffnung der Welt auf den Anderen hin” (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 189, S. 148).Deshalb forderte er eine stärkere “Entweltlichung”, an deren Umsetzung die Mehrheit der deutschen Bischöfe nicht interessiert waren. Die mangelnde Wertschätzung dieses Papstes wird deutlich in der unglaublichen Feststellung des damaligen Vorsitzenden der DBK, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, der kurze Zeit nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. in einer Predigt in einer Hl. Messe in der Autobahnkirche Baden – Baden sagte: “Jetzt lohnt es sich wieder, katholisch zu sein”.

2. Beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe beim neugewählten Papst Franziskus in Rom im November 2015 formulierte dieser in seiner Ansprache bei der Audienz am 20. November 3 Forderungen:

– die pastorale Neuausrichtung, also “dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden”

– dass der Bischof seine Aufgabe als Lehrer des Glaubens gewissenhaft wahrzunehmen hat und ihm bei den Pfarrgemeinden in besonderer Weise deren sakramentales Leben am Herzen liegen muss, vor allem die Beichte und  die Eucharistie und

– sich die Bischöfe besonders für das menschliche Leben”von der Empfängnis bis zum Tod” einzusetzen haben, und dabei könne man “keine Kompromisse eingehen (Pressemitteilung der DBK, 20. 11. 2015, 221a)

Das Abschlussdokument enthielt eine Fülle von Ermahnungen, deren Folge eigentlich eine tiefe innere Einkehr und Umkehr hätte sein müssen. Wie aber sah die Realität aus?

– das Evangelium als Grundlage unseres Glaubens müsse nach Kardinal Marx eine “Verheutigung” erfahren, d. h. dem Zeitgeist angepasst werden

– die Beichten, auch bei vielen Priestern und Diakonen, sind stark zurückgegangen, und von einigen Bischöfen wird kritisiert, dass zahlreiche Gläubige “viel zu Eucharistie – orientiert” seien und

– über Abtreibungen, PID oder “Ehe für alle” hören wir nur noch wenige mutige Worte in einer Predigt.

3. Nachdem die DBK den synodalen Weg beschlossen und die Themen für 4 Foren festgelegt hatte ( Macht in der Kirche, priesterliche Existenz, Frauen in der Kirche sowie Liebe, Sexualität und Partnerschaft), schrieb Papst Franziskus am 29. Juni 2019 einen Brief “An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland”, in dem er seine Sorgen von der “Zerstückelung” der Weltkirche zum Ausdruck brachte und vor der Versuchung warnte, “nur eine Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung” anzustreben. Ebenso warnte er vor der Verweltlichung und dem Zeitgeist und verwies stattdessen auf den Vorrang von Gebet, Buße, Anbetung und den Primat der Evangelisierung. Die Themen der 4 Foren wurden aber von den Synodalen nicht verändert, obwohl Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer im Sinne des Briefes von Papst Franziskus als wichtigste Themen für den synodalen Weg Evangelisierung, Berufung der Laien, Katechese und Berufungspastoral vorgeschlagen hatten. Aber diese Vorschläge wurde von der Mehrheit der Bischöfe abgelehnt. Stattdessen flog Kardinal Marx nach Rom, um dem Papst und danach der deutschen Öffentlichkeit zu erklären, dass die Arbeit des synodalen Weges inhaltlich den Vorschlägen des Papstes entspreche. Andere Themen scheinen manchen Bischöfen zur Präsentation in der Öffentlichkeit wichtiger zu sein, z. B. wenn

– Bischof Jung den Würzburger Kickers zum Aufstieg in die 2. Bundesliga gratuliert oder

– Bischof Meier den erstaunten Gläubigen über den Priestermangel berichtet, dass 1 Jahr ohne Priesterweihen auch keine Katastrophe wäre.

Also auch in der päpstlichen Ermahnung, die Neuevangelisierung als hohe Priorität einzustufen, um das defizitäre Glaubenswissen zu verbessern, wird ignoriert.

4. In jüngster Zeit ging ein Sturm der Entrüstung durch die Reihe der meisten Bischöfe, weil die Kleruskongregation im Vatikan eine Instruktion an die deutschen Bischöfe verschickt hatte, in der u. a. steht, dass die Leitung einer Pfarrei immer einem Priester überlassen bleiben muss. Das ist nichts Neues, sondern es entspricht den bekannten Regelungen im Kirchenrecht. Trotzdem passte diese Instruktion vielen Bischöfen nicht, weil sie mit ihren abweichenden Ideen für die Zielrichtung des synodalen Weges nicht kompatibel sind. Nach den von mir aufgenommenen Informationen in der 2. Juli-Hälfte d. J. auf kath. de haben von den Bischöfen reagiert:

– positiv: Kardinal Woelki und die Bischöfe Meier, Hanke und Ipolt (aus Rom: Kurienkardinal Cordes und Kardinal Kasper)

– negativ (in Kurzform):

– Kardinal Marx: das Dokument hat Misstrauen gesät und Gräben vertieft

– Bischof Ackermann: Vatikan schränkt Verantwortung von Diözese und Bischof ein

– Bischof Jung: ernüchternd

– Bischof Burger: wir halten trotzdem an unserer Pfarreireform fest

– Bischof Feige: die Instruktion ist wirklichkeitsfremd; sie hinterlässt neben Ratlosigkeit und Verärgerung auch großen Schaden

– Bischof Fürst. ich halte an Laien – Leitung fest

– Bischof Overbeck: die Instruktion ist befremdlich

– Bischof Schick: die Instruktion ist theologisch defizitär

– Bischof Bode: die Instruktion bringt mehr Schaden als Nutzen und

– Bischof Kohlgraf: die Instruktion ist eine starke Bremse für die Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien

Das sagt die Mehrheit der deutschen Bischöfe zu einer Instruktion aus dem Vatikan, die vor “Klerikalisierung der Pastoral” (38) warnt, “die Berufung der Laien zur Mitarbeit” hervorhebt,…die Übernahme kirchlicher Ämter ausdrücklich eingeschlossen” (85). Aber der Pfarrer ist “Leiter eines Ganzen”, denn er ist “nicht nur Priester und Lehrer, sondern auch Hirte” (113). (S. hierzu Michael Fuchs, Generalvikar der Diözesen Regensburg, in einem Interview mit Regina Einig und Guido Horst, “Im offenen Widerspruch zu Rom”, beides in “Die Tagespost”, 30. 07. 2020).

Die Opposition einer Mehrheit der deutschen Bischöfe gegen Instruktionen und ernst gemeinte Hinweise aus Rom sind stärker geworden, obwohl diese Mahnungen berechtigt sind. Die Gräben sind tiefer geworden, und es droht eine Situation, dass sie unüberbrückbar werden. Diese Entwicklung droht, solange die Konfrontationen über Fragen stattfinden, in denen das deutsche Episkopat mehrheitlich Neuerungen durchsetzen will, die für die Weltkirche von Rom nicht akzeptiert werden können. Dazu führt nicht die ungewöhnliche Feststellung: “wir sind keine Filiale von Rom”, sondern stattdessen der Mut, im synodalen Weg die Fragen der Weltkirche Rom zu überlassen und nicht abweichend in Deutschland regeln zu wollen.

(Veröffentlicht in kath.net am 4. August 2020)

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*) Professor Dr. Werner Münch, Zeitoffizier in der Panzertruppe der Bundeswehr, Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Soziologie, Rektor und Präsident aller kirchlichen Hochschulen in Deutschland, Mitglied im Europäischen Parlament, Minister der Finanzen und Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt a.D., Publizist
www.conservo.wordpress.com     10.08.2020

Über conservo

Über mich, „conservo“ – www.conservo.wordpress.com (Peter Helmes) Warum noch „conservo“? conservo will gezielt christlich-abendländische Werte vertreten und dem Zeitgeist entgegenwirken. „Moderne“ aller Couleur haben wir genug! Ich bin seit meiner Jugend ein Konservativer, also ein Rechter. conservo ist aber auch liberal, weil meiner Meinung nach jeder nach seiner Façon selig werden soll. Meine Grenze endet da, wo die Grenze eines anderen überschritten werden könnte. Meine Wertebasis ist die christlich-abendländische Tradition, der ich mich verpflichtet fühle. Die Einsicht in eine Letztverantwortlichkeit vor Gott und Jesu Liebesgebot bietet eine Basis für eine „menschliche“ Gesellschaft. Wenn wir die christlich-abendländische Grundorientierung verlieren, verlieren wir auch die Kraft zum Selbsterhalt. Ich trete ein für ein geeintes, föderales Deutschland, das seinen Regionen, Traditionen und Kulturen einen besonderen Stellenwert einräumt. Und ich stehe für ein einiges Europa, das in der westlichen Wertegemeinschaft seine Heimat hat und die jeweilige nationale Identität wahrt und stärkt – ein „Europa der Vaterländer“ . Klingt altbacken? Überhaupt nicht! Wo stehen wir denn heute, wenn aus „Vater“ und „Mutter“ „der Elter“ und „die Elter“ werden sollen? Wenn wir nicht mehr „Mann“ und „Frau“ sein dürfen, sondern von Natur aus alle gleich sind – und nur durch („falsche“) Erziehung zu Mann und Frau wurden? Wie verrückt sind wir eigentlich, diesem „Gender-Mainstream“ nachzulaufen, der solchen Unsinn produziert und nach dem wir an „DIE Jesus“ beten sollen? (Erinnert mich übrigens fatal an die „Mengenlehre“, die eine ganze, junge Generation verdorben hat, die heute kaum rechnen und schreiben kann.) Und wo leben wir eigentlich, wenn jeder Kriminelle auf freien Fuß gesetzt oder milde bestraft wird, nur weil er „eine schwere Kindheit“ hatte? Und wo kriminelle Ausländer nicht abgeschoben werden, weil in seinem „Zuhause“ ein karges Dasein wartet? Und wo leben wir, wenn Polizisten, die unsere Freiheit und Soldaten, die unser Land verteidigen, hemmungslosen Exzessen ausgesetzt werden – an denen grün-rote Politiker teilnehmen -, ohne daß die Gesellschaft aufschreit? Und wenn sich ein Soldat oder Polizist wehrt, damit rechnen muß, ein Strafverfahren am Hals zu haben? Ich streite für eine Besinnung auf unser Wertegerüst, das Deutschland und Europa über die Jahrhunderte geprägt und zivilisiert hat. Deshalb nenne ich mich „conservo“ (lateinisch: „ich bewahre“) Ich bin bereit, laut zu schreien, wenn der Unsinn zur Methode wird. Und wenn ich die Linken aller Couleur bei ihrer gesellschaftszerstörenden Agitation störe und ärgere, ist schon ein Teil meines Ziels erreicht. Ich lade Euch ein, alles zu kommentieren, zu korrigieren, zu kritisieren. conservo/Peter Helmes Ein P. S., die deutsche Sprache betreffend: Nur für mich persönlich, aber nicht zwingend für Gastautoren, gilt die alte Rechtschreibung. Ich benutze die alte Rechtschreibung aus zwei besonderen Gründen: 1. aus Protest gegen die Vernichtung der deutschen Sprachkultur … …durch die neue Rechtschreibung. Die Erfinder der „neuen“ Rechtschreibung mögen es gut gemeint haben, aber „gut gemeint“ bedeutet nach alter Erfahrung eher „schlecht gemacht“. Die neue Rechtschreibung bietet vor allem weder Schülern noch Lehrern Sprachsicherheit. Wenn es mir im Zweifelsfalle freigestellt bleibt, wie ich ein Wort – richtig – schreibe, fühlen sich alle genasführt. Wenn zugleich auch regelrechter Unsinn damit verbunden ist, wird der Quatsch zur Methode. Der Beispiele gibt es gar viele. Ich will ein Harmloses herausgreifen: „zusammensuchen“ (altes Deutsch): „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtsmaterial zusammensuchen“ (also nach dem Unterricht zusammenpacken = 1 Wort). In der neuen Rechtschreibung müßten die Betroffenen wohl erst ´mal ihr Material gemeinsam suchen: „Schüler und Lehrer sollten ihr Unterrichtmaterial zusammen suchen“ (und dann „zusammen einpacken“???). 2. Ich verwende ganz bewußt kein „Genderdeutsch“, … …z. B. wegen des unsäglichen Sprachflusses – wie spricht man „Sternchen“, ein großes „I“ und einen untenstehenden Bindestrich aus (z.B. Schüler*_Innen)? – und auch, weil es im richtigen Deutsch den sog. Gattungsbegriff gibt. „Die Schüler“ erfassen eben auch die Schülerinnen. Um die Absurdität des Genderdeutsch zu entlarven, zwei Begriffe: „Kind“ oder „Pferd“. Genderkonsequent müßte man (im Plural) also sagen: „Pferde und Pferdinnen“ (oder noch umständlicher: „Hengste und Stuten“) und „Kinder und Kinderinnen“ (oder „Mädchen und Buben“). Will heißen, mir ist der Sprachfluß wichtiger als die Rücksichtnahme auf die „sexuelle Vielfalt“. Schließlich ist Deutsch eine gewachsene, fließende Sprache und kein konstruiertes Kompositum aus (zu allem Unheil auch noch überwiegend) Hauptwörtern. Genderdeutsch macht den Sprachfluß zunichte und zerstört damit ein Stück deutsche Identität – was wohl die Absicht der Erfinder dieses Sprachmordes ist. ----- Kurzprofil: Peter Helmes war 40 Jahre ehrenamtlich und 25 Jahre hauptberuflich in der Politik auf allen politischen Feldern (Orts-, Landes-, Bundes- und internationale Ebene) tätig. Er ist ein katholischer, sehr fröhlicher Rheinländer, arbeitet seit 24 Jahren als selbständiger Politikberater und Publizist und war 21 J. freiberuflicher Universitäts-Dozent (Lobbying, Medien). Er veröffentlichte bisher (Stand Sept. 2018) 45 Bücher und Broschüren, die hunderttausende Auflagen erreichten, und verfaßt regelmäßig „Konservative Kommentare“ und nahezu täglich Artikel zu Zeitvorgängen. Helmes gehörte im Bundestagswahlkampf 1980 zum engsten Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß und war 1981 (neben Franz Josef Strauß, Gerhard Löwenthal, Ludek Pachman, Joachim Siegerist u.a.) Mitbegründer der „Die Deutschen Konservativen e.V.“, Hamburg. ***** conservo erreichen Sie über elektronische Post: Peter.Helmes@t-online.de -------- Konto-Verbindung: Peter Helmes, VR-Bank Neuwied-Linz, BIC: GENODED1NWD, IBAN: DE 82 5746 0117 0005 2058 73, Verwendungszweck: conservo --------------------------- Haftungsausschluß: Für die Inhalte von verknüpften Seiten übernehme ich keine Haftung. Rechtlicher Hinweis: Mit Urteil vom 12. Mai 1998 – 312 O 85/98 -, Haftung für Links, hat das Landgericht Hamburg entschieden, daß man durch das Anhängen eines Links den Inhalt der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. 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